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Regional Der Wald als wachsende Ressource
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16:31 26.06.2017
Von Claudia Nachtwey
Quelle: dpa
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Göttingen

Laut Statistik der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die auch die Forstämter in Südniedersachsen betreut, ist die Buche mit mehr als 40 Prozent der Waldfläche am häufigsten vertreten, gefolgt von der Fichte mit rund 30 Prozent. Die viel besungene deutsche Eiche liegt gerade bei fünf Prozent. „Buche ist der Exportschlager aus Südniedersachsen, und die Holzpreise haben sich in den vergangenen 30 Jahren äußerst positiv entwickelt“, beobachtet Joachim Säger, Bezirksförster Duderstadt, den Markt. Das Hartholz wird zurzeit je nach Qualität mit Preisen zwischen 60 und 70 Euro pro Festmeter gehandelt. Zwar steige auch der Bedarf an Feuerholz für den heimischen Kamin seit einigen Jahren wieder an – dies sei jedoch nur ein kleiner Randeffekt in der Waldwirtschaft, so Säger. Vor allem in der Industrie, Bau- und Möbelbranche und bei der Energiegewinnung sei Holz gefragt.

Allerdings haben sich auch die Strukturen in der Waldwirtschaft extrem verändert. Den Bauernwald, der bis vor rund 50 Jahren von Landwirten in den Wintermonaten bewirtschaftet wurde, gebe es kaum noch, sagt Säger. Dennoch gehört die Waldwirtschaft auch heute noch zum Agrarsektor. Zu den privaten Waldbesitzern zählen neben Einzelpersonen vor allem Realgemeinden und Genossenschaften. Kaum ein Eigentümer würde heute jedoch selbst das Holz schlagen, vielen fehlen die Fachkenntnisse. „Manche wissen gar nicht, wo ihr Wald eigentlich liegt“, sagt Säger. Die Unfallgefahr sei bei der Waldarbeit nicht zu unterschätzen, es käme immer wieder vor, dass selbst erfahrene Experten beim Baumfällen verunglücken. Zudem seien die meisten Waldbesitzer, deren Vorfahren vielleicht noch in der Land- und Waldwirtschaft tätig waren, beruflich in völlig andere Branchen abgewandert. Daher erledigen zunehmend Fachbetriebe mit moderner Ausrüstung die Erntearbeit im Wald. Mit diesen Umwälzungen seien auch die Lohnkosten und die Grundstückspreise deutlich gestiegen, trotzdem würde sich die Waldwirtschaft noch lohnen, meint Säger.

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In Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) haben sich Eigentümer zusammengeschlossen, um eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes und bestmögliche Holzvermarktung zu gewährleisten. „Alleine hat das alles keinen Zweck. Das wichtigste ist die Connection zu kompetenten Fachleuten“, sagt Hanns-Eckard Zülch, Waldbesitzer bei Badenhausen. Regelmäßig ist er mit dem Bezirksförster im Wald unterwegs und lässt sich beraten. Ideen für Bepflanzungen hat der Unternehmer, informiert sich über Preise, „aber der Förster hat das studiert und kann wertvolle Ratschläge erteilen“, so der Naturfreund, dem es am Herzen liegt, die kleinen Strukturen der Waldwirtschaft zu erhalten.

„Ihr Wald braucht eine starke Lobby!“, wirbt auch die FBG Northeim auf ihrer Webseite und bietet den Waldbesitzern Unterstützung bei Holzvermarktung, Förderangeboten, Versicherungen, Fortbildungen und vielem mehr. Die FBG arbeitet selbst nicht mit Gewinnabsichten, sondern hat sich die Förderung der allgemeinen Wertschätzung des Waldes auf die Fahnen geschrieben. Neben den ökologischen und ökonomischen Aspekten der Waldwirtschaft setzt sie auch Schwerpunkte bei der sozio-kulturellen Nutzung.

Ob eine Holzernte jedes Jahr stattfinden kann, hängt von der Größe des Waldes ab. „Wer als Einzelperson einen halben Hektar bewirtschaftet, kann alle drei bis fünf Jahre etwas Holz rausholen. Wenn eine Genossenschaft 100 Hektar bewirtschaftet, kann jedes Jahr geerntet werden, weil man die Flächen besser aufteilen kann“, beschreibt Säger die Verhältnisse. Wirtschaftliche Einbußen, auch unter Aspekten des Klimawandels, gibt es zunehmend durch Sturm- und Brandschäden und durch Schädlinge. Ein stabiles Waldökosystem mit Mischbeständen und Artenvielfalt sei bisher die einzige Strategie gegen diese Gefahren, informiert die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. ny