Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Deutsche Bank 
zieht in Hameln
 Ärger auf sich
Nachrichten Wirtschaft Regional Deutsche Bank 
zieht in Hameln
 Ärger auf sich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:00 03.11.2011
Die Gewerkschaftschefs Frank Bsirske (links) und Peter Specke attackieren die Deutsche Bank als BHW-Eigentümer. Quelle: Waldeck
Anzeige
Hameln

Gemeinsam mit 1500 BHW-Mitarbeitern will sich der ver.di-Chef im Schulterschluss mit der Gewerkschaft Komba gegen die Sparpläne aus der Frankfurter Bankzentrale stemmen.

BHW wurde 2006 von der Postbank übernommen, die ihrerseits inzwischen zur Deutschen Bank gehört. ver.di zufolge sollen 1500 BHW-Beschäftigte in ausgelagerte Gesellschaften wechseln und dort neue Arbeitsverträge zu schlechteren Bedingungen abschließen. Milliardengewinne für die Aktionäre und Millionengehälter für Vorstände, aber dem einfachen Mitarbeiter „Gehaltskürzungen von 30 Prozent“ zumuten – „nicht mit uns“, sagte Bsirske am Donnerstag in Hameln.

Anzeige

Konkret plant die Deutsche Bank, bei BHW in Hameln die Arbeitszeit von 39 auf 42 Wochenstunden zu erhöhen, den Urlaub um drei auf 27 Tage zu kürzen, die Gehälter um bis zu 7 Prozent abzuschmelzen. „Für neue Mitarbeiter würde das im Vergleich zu den Altverträgen ein Minus von 30 Prozent bedeuten“, rechnete BHW-Betriebsratschef Timo Heider vor.

Die Gewerkschaften verlangen einen eigenen Tarifvertrag für die Betroffenen – und drohen mit Streik. „Wir hoffen, dass die Deutsche Bank das Signal von Hameln verstanden hat und einlenkt, sagte Peter Specke von Komba. „Ansonsten ist eine Ausweitung des Streiks nicht ausgeschlossen.“

Die Arbeitnehmervertreter setzen auf die heute in Hennef bei Bonn stattfindende neue Verhandlungsrunde zu den Tarifen bei BHW. Die Gewerkschaften seien sich einig darin, dass „BHW kein Billiglohnstandort ist und die Mitarbeiter nicht für Peanuts zu bekommen sind“, hieß es. Sprecher der BHW-Mutter Postbank sowie der Deutschen Bank wollten die laufenden Gespräche mit den Mitarbeitern nicht kommentieren: „Wir äußern uns erst, wenn die Verhandlungen abgeschlossen sind.“

Die Mitarbeiter schwanken zwischen Kampfesmut und Sorge vor dem, was kommt. „Endlich haben wir uns mal getraut, den Mund aufzumachen“, sagte ein Angestellter nach der Betriebsversammlung in der Rattenfänger-Halle und der Protestkundgebung mitten in der Stadt. Sonderlich zuversichtlich klangen die meisten aber nicht. „Sieht nicht gut aus“, sagte eine Auszubildende – für sie steht ihre Übernahme in einen festen Job auf dem Spiel. Alle 120 Azubis hatten sich auf die Bühne in der Rattenfänger-Halle gestellt und vor dem Arbeitsdirektor der Deutschen Bank, Ralf Stemmer, ihre Ängste offengelegt. Von älteren Kollegen erhielten sie dafür Anerkennung. „Wir sind entschlossen, diesen Angriff abzuwehren“, rief ver.di-Chef Bsirske auf der Kundgebung, wie Hameln noch keine gesehen hat: Es ist der erste Streik des BHW überhaupt. „Ich hoffe, wir setzen damit ein Signal“, sagte eine Mitarbeiterin.

Von Thomas Thimm 
und Birte Hansen

03.11.2011
Regional Einzelhandelsverband ehrt Organisator - Nils König bekommt silbernen Kaufmannslöffel
02.11.2011