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Regional „Die Familienunternehmer“: Göttinger Netzwerk für Familienunternehmen
Nachrichten Wirtschaft Regional „Die Familienunternehmer“: Göttinger Netzwerk für Familienunternehmen
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13:08 24.08.2015
Tilmann Miritz und Peter Bruchmüller.
Tilmann Miritz und Peter Bruchmüller. Quelle: Theodoro da Silva
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Göttingen

Aufgenommen wird nur, wer eine eigene Firma führt, die mit mindestens zehn Mitarbeitern einen Jahresumsatz von mehr als einer Mio. Euro erwirtschaftet. Die Mitgliederliste des Regionalkreises vereint viele bekannte Firmennamen: darunter Ottobock aus Duderstadt und Spedition Friedrich Zufall aus Göttingen, Hardenberg-Wilthen aus Nörten-Hardenberg und Thimm-Verpackungen aus Northeim. „Wir Mittelständler bilden das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, sowohl was die Zahl der Mitarbeiter als auch die Höhe der Steuersumme anbelangt“, sagt Miritz.

Angesichts einer solchen Position erwarten die Familienunternehmer, die bundesweit 5500 Mitglieder zählen, dass ihre Anliegen in der Politik Berücksichtigung finden. „In Berlin sind wir mit einer sehr aktiven Bundesgeschäftsstelle präsent“, berichtet der Göttinger Unternehmer Peter Bruchmüller, der stellvertretende Vorsitzende des Regionalkreises.

Trotzdem sind die Familienunternehmer mit vielen Gesetzen nicht zufrieden. Die Mentalitäten von Unternehmern und Politikern decken sich selten. „Wir denken an die nächste Generation, nicht an die nächste Wahl“, fasst es Bruchmüller zusammen. Inhaltlich am nächsten steht den parteipolitisch unabhängigen Familienunternehmern am ehesten die FDP.

Miritz nennt Beispiele für die von ihm so empfundene Entfremdung zwischen Politik und Wirtschaft: „Das Erneuerbare Energiengesetz trägt mit der Photovoltaik wenig zur Energiewende bei, verteuert aber den Strom derart, dass eine Deindustrialisierung Deutschlands droht.“ Er hat auch kein Verständnis für die „diffusen Ängste“ gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP. „Meine Firma, die MCI Miritz-Citrus-Gruppe, erwirtschaftet 80 Prozent ihres Umsatzes im Export“, berichtet er. Deutschland profitiere vom freien Handel und müsse entsprechende Rahmenbedingungen gestalten.

Weitere strittige Themen: „Wir lehnen die Rente mit 63 Jahren ab, weil sie ohne Not erfahrene und arbeitsfähige Kräfte vom Arbeitsmarkt entfernt“, sagt Miritz. Die Dokumentationspflicht beim Mindestlohn bedeute einen „bürokratischen Mehraufwand“. Kein Verständnis haben die Familienunternehmer, wenn sich Politiker bei Haushaltsberatungen aus Scheu vor unbequemen Entscheidungen keiner strikten Ausgabendisziplin unterwerfen.

Emotional wird der Verband, wenn es um die anstehende Reform der Erbschaftssteuer geht. „Es muss möglich sein, die Erbschaftssteuer auf Betriebsvermögen aus dem Unternehmensertrag heraus zu bezahlen“, fordern Miritz und Bruchmüller. Derzeit würden in Deutschland auf ein vererbtes Gesamtvermögen von 100 Mrd. Euro fünf Mrd. Euro Steuern gezahlt. „Warum schafft die Politik nicht alle Ausnahmeregelungen ab und verlangt pauschal fünf Prozent“, fragt Miritz.

Von Michael Caspar