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Regional Duderstadt: 111 Jahre Loest Präzisionsmechanik
Nachrichten Wirtschaft Regional Duderstadt: 111 Jahre Loest Präzisionsmechanik
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20:36 25.10.2019
Die Unternehmerfamilie Loest aus Duderstadt mit Firmenchef Ekkehard Loest (4. von li.) und seiner Ehefrau Anja (vorn re.), zudem Sohn Max und seine Ehefrau Janina (re.), und die Töchter Franziska sowie Katharina und ihr Verlobter Chris (li.). Quelle: Meinhard
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Duderstadt

Für 170 Gäste war am Freitag in der Produktionshalle der Duderstädter Firma Loest eingedeckt. Keinen runden, aber einen außergewöhnlichen Geburtstag galt es zu feiern: Das Familienunternehmen gibt es seit 111 Jahren. Geführt wird es seit 33 Jahren von Ekkehard Loest. Aus diesem Anlass standen die Maschinen der Firma, die 22 Mitarbeiter beschäftigt, still. Der Firmeninhaber begrüßte die Gäste, zu denen unter anderem Duderstadts scheidender Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) und sein Nachfolger Thorsten Feike (FDP) gehörten. Vor dem Ausblick erfolgte ein Rückblick auf die Geschichte des metallverarbeitenden Unternehmens, der zu einer Zeitreise voller Spannung, Erkenntnisse und Überraschungen geriet.

Jürgen Loest, Pastor in Hildesheim und Bruder des Firmenchefs, ließ die Familien-und Firmengeschichte Revue passieren. Quelle: Meinhard

Rückblick auf das Jahr 1866

Unterstützung erhielt Ekkehard Loest dabei von seinem älteren Bruder Jürgen, der Pastor in Hildesheim ist. Er übernahm die Zeitspanne bis 1983 und begann seine Ausführungen mit dem Gründervater des heutigen Unternehmens, mit Emil Loest. Geboren 1866 in Cottbus beeindruckt dieser Vorfahre mit einem abwechslungsreichen Lebenslauf. Er sei aufgewachsen in ärmsten Verhältnissen, hielt Jürgen Loest fest. Er betonte: „Wir können unsere Geschichte nicht schreiben ohne die starken Frauen in dieser Familie.“ Sie hätten ihre Kinder und sich oftmals allein durchbringen müssen.

Von der Niederlausitz ins Eichsfeld

Emil Loest qualifizierte sich zum Spinnereimeister. Warum er ausgerechnet in das Eichsfeld kam, könne nicht mehr festgestellt werden, augenscheinlich hat die Existenz von zwei Spinnereien in der Region eine Rolle gespielt. Loest übernahm eine der beiden Spinnereien. Später sattelte er beruflich völlig um, wurde Lehrer für Heilkunde und Heilpraktiker, erfand einen Turnapparat, der floppte, entwickelte eine Apparatur zur Massage des Trommelfells, um Schwerhörigkeit zu lindern. Das kam gut an. Zudem vertrieb er Heilerde, die nachweislich Bartflechte heilte.

Mechanische Werkstatt 1937 gegründet

Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wollte Emil Loest aus Protest gegen die Verfolgung und Drangsalierung jüdischer Mitbürger Duderstadt und damit Deutschland verlassen und ins Ausland emigrieren. Er blieb dann aber doch, feierte 1936 mit seiner Ehefrau Marie goldene Hochzeit und startete 1937 beruflich noch einmal neu durch. Loest gründete eine mechanische Werkstatt. 111 Mal habe der tief gläubige Christ die Bibel durchgelesen, stellte sein Nachkomme voller Respekt fest. Emil Loest starb 1942. Sein Sohn Reinhold und dessen Ehefrau Eva übernahmen den kleinen Betrieb. Sie hatten gute Jahre. Sie hatten schwere Jahre. In den 70ern begannen die Schicksalsjahre der Firma. 1983 musste das gesamte Personal entlassen werden. Reinhold Loest führte das Unternehmen als Ein-Mann-Betrieb weiter, Eva erledigte die Büroarbeit.

2015 war Baubeginn für heutigen Standort

Als Ekkehard vor 33 Jahren die Verantwortung übernahm, sei den Eltern eine große Last von den Schultern gefallen, kann sich Jürgen Loest gut erinnern. Dabei hatte sein Bruder diesen Schritt gar nicht in seinem Lebensplan vorgesehen. Ohne Schwierigkeiten, die in der Regel immer etwas mit einem nicht gegebenen Kredit zu tun hatten, lief es nicht ab. 1997 aber konnte ein zweiter Standort am Euzenberg eröffnet werden, im Januar 2015 erfolgte der Baubeginn für den heutigen Firmenstandort Am Breiten Anger. Mit Stand Oktober 2019 kann Ekkehard Loest jedenfalls bilanzieren: „Wir haben tolle Partner. Es macht Riesenspaß.“ Sein Sohn Max ist in diesem Jahr in den Betrieb eingestiegen und werde die Firmenleitung wohl übernehmen, sagte Ekkehard Loest. Max widersprach nicht.

„Wir haben noch eine kleine Vision“, sagte der amtierende Firmenchef mit Blick Richtung Zukunft. Es solle auf das Standbein Elektronik gesetzt werden. Als reiner Dreher und Fräser könnte es irgendwann schwer werden, man müsse auf ein Komplettangebot setzen. Auf jeden Fall ist schon einmal eine Grundstückerweiterung vollzogen worden.

Der ehemalige evangelische Pastor Karl Wurm (li.) stellte Firma und Belegschaft unter den Segen Gottes. Quelle: Meinhard

Christliche Werte sind betriebliche Maßstäbe

Diese Firmen- und Familiengeschichte mache deutlich, wie viel Durchhaltewillen und wie viel Freundschaften nötig sind, um ein Unternehmen über Höhen und Tiefen zu führen, würdigte Bürgermeister Nolte. Der ehemalige Duderstädter evangelische Pastor Karl Wurm outete sich als Freund der Zahlensymbolik. Bei der Zahl 33 komme ihm in den Sinn, dass Jesus Christus 33 Jahre auf Erden lebte. Dessen Werte von Fairness und Menschlichkeit mögen auch fortan Maßstäbe für die Firma Loest sein, wünschte Wurm. Der Meister im Unternehmen, Tobias Dittmann, hielt mit Blick auf seinen Chef anerkennend fest: „Von 33 Jahren Selbstständigkeit können andere nur träumen.“

Max Loest war das Schlusswort vorbehalten. An seinen Vater gewandt sagte er: „Du kannst echt stolz sein, wenn man sieht, wie viele Leute heute diesen Moment mit Dir feiern.“

Individuell gefertigte Präzisionsteile

Das Familienunternehmen Loest Präzisionsmechanik bietet nach eigenen Angaben individuell gefertigte Präzisionsteile in höchster Qualität, exakt nach den Vorgaben der Kunden. Die kommen aus den Bereichen Maschinenbau, Mess- und Regeltechnik, Automobilindustrie und Orthopädie- sowie der Medizintechnik. „Sie schätzen unsere Zuverlässigkeit, unsere Fachkompetenz, die Langlebigkeit unserer Produkte sowie die partnerschaftliche Zusammenarbeit“, heißt es auf der Homepage des Unternehmens unter www.loest-pm.de. Geboten werde ein breites Leistungsspektrum, kurze Lieferzeiten und ein hohes Maß an Flexibilität: „Made in Germany“ zu wettbewerbsfähigen Konditionen.

Firmeninhaber Ekkehard Loest ist auch Handballtrainer beim TV Jahn Duderstadt. Zudem engagiert er sich im Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde seiner Heimatstadt.

Von Ulrich Meinhard

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