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Regional Duderstädter mit dem „Innovationspreis Gartenbau“ ausgezeichnet
Nachrichten Wirtschaft Regional Duderstädter mit dem „Innovationspreis Gartenbau“ ausgezeichnet
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18:00 12.09.2019
Das Herzstück der innovativen Erfindung: Eine Magnetrolle, die auf einem Stahlrohr die Schiebe-Konstruktion und damit Mobiltische in Bewegung setzt. Quelle: Kirchhoff
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Duderstadt

Den mit 5000 Euro dotierten Preis überreichte Hans-Joachim Fuchtel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), während der Bundesgartenschau in Heilbronn. Fuchtel habe „die Innovationskraft des Gartenbaus und die Vorbildwirkung für die Branche gelobt“, teilt die Pressestelle des BMEL mit.

Reischl hofft, dass seine Devise Innovations- statt Muskelkraft bei Leitern in kleinen und mittleren Gartenbaubetrieben auf offene Ohren treffen wird. Die Vorzüge seines von ihm entwickelten Geräts liegen praktisch auf und in der Hand: Per Knopfdruck eines Bedienungselements setzt der 53-Jährige eine rechteckige, etwa 35 Zentimeter lange und 2,6 Meter breite durch Motor angetriebene Konstruktion in Bewegung, die erst einen mit Topfpflanzen bestückten Tisch und in der Folge bis zu 40 Tische gleichzeitig anschiebt – und sie damit dem nächsten Produktionsschritt zuführt. Jeder Tisch ist 4,40 Meter breit und 1,60 Meter lang.

Die Aluminiumkonstruktion Ameise „Emma“ schiebt die Tische zum nächsten Produktionsschritt – aber nur, wenn keine Mitarbeiter in den Lücken dazwischen stehen. Jörg Reischl setzt den Prototyp per Knopfdruck in Bewegung. Quelle: Kirchhoff

Spürbare Entlastung der Mitarbeiter – Verbesserung der Betriebsabläufe

Die Platten stehen nicht auf Beinen, sondern liegen auf Rollen. Sind sie nicht bestückt, geht das Verschieben leicht von der Hand. Mit Töpfen, zumal dann, wenn sie gewässert wurden, ist die Arbeit anstrengend und umständlich, da um regelmäßig installierte Wasseranschlüsse herumgegriffen werden muss – „und das geht ganz schön auf’s Kreuz“, sagt Reischl.

In seinem Betrieb ist die Plackerei vorbei, da das Team einen Prototypen einsetzen kann. Die Mühen der Mitarbeiter in vielen mittelständischen Betrieben gehen zumindest bis Februar 2020 weiter – dann soll die Erfindung auf der internationalen Pflanzenmesse in Essen liefer- und verkaufsbereit sein, hofft Reischl.

Video: Ameise „Emma“ schiebt die mit Töpfen bestückten Tische an

Der Vorteil des von der BMEL-Pressestelle als „selbstfahrende Ameise“ bezeichneten Geräts liegt in der nachträglichen Anbringung. Es könne jederzeit in die Betriebsabläufe von Betrieben integriert werden, sagt Reischl. Die nachträgliche Automatisierung von Roll- und Mobiltischen in Gartenbaubetrieben sei „unkompliziert und preislich überschaubar“.

Zwischen „drei- und viertausend Euro“ soll die Ameise mit Namen „Emma“ kosten. Es gebe Antriebssysteme, für mehrere 10 000 Euro pro Stück erhältlich, deren Erwerb für Betriebe seiner Größenordnung betriebswirtschaftlich jedoch nicht tragbar seien.

Mit der neuen Erfindung ist der Betrieb „weitestgehend automatisiert“

Abgesehen von Sprühbewässerung durch Handbrausen, dem Setzen von Stecklingen und weiteren Tätigkeiten sei sein Betrieb „weitestgehend automatisiert“, sagt Reischl – jetzt. Die Bewegung der Tische durch Körperkraft wollte er nicht länger hinnehmen. „Da sollte und musste etwas passieren.“ Rund ein Jahr Zeit („die Stunden habe ich nicht gezählt“) und „etwa 15 000 Euro Fehlinvestitionen“ habe es ihn gekostet, „Emma“ auf den Schienenersatz Rohre zu heben.

„Erst dachte ich an eine Art Raupe, die war sehr kompliziert zu steuern; ich versuchte es mit Linienachsen, war auch zu kompliziert. Es war eng. Aber ich gebe nicht gerne auf. Also habe ich weitergemacht.“ Bis er die Idee mit Magnetrollen hatte.

Die vordere Magnetrolle ist gebogen – hat an drei Stellen Kontakt mit dem Stahlrohr, auf der die Rolle „läuft“. Quelle: Kirchhoff

„Ich habe im Magnetbetrieb von Thyssen-Krupp in Essen angerufen, gefragt, was die kosten und ob sie veränderbar sind, ob sie gebogen werden können, sodass eine Magnetrolle an drei Stellen eines Rohres Kontakt hat. das hat geklappt.“ Eine Metallbaufirma (zwischen Emden und Oldenburg) und ein Maschinenbauunternehmen am Bodensee übernehmen Fertigung und Vertrieb, sagt Reischl.

Mit beiden Firmen habe er vereinbart, pro verkaufter „Emma“ 130 Euro zu erhalten. Eine Gärtnerei in einem Ort an der holländischen Grenze (nördlich von Bocholt) habe bereits Interesse angemeldet. „Wir bewegen 600 Tische, die 6000.“

Zwei Magnetrollen (Bildausschnitt) auf jeder Seite der 2,60 Meter breiten Aluminiumkonstruktion setzen und halten „Emma“ in Bewegung. Die Ameise drückt gegen die Tischseite und schiebt die Platte an. Quelle: Kirchhoff

Reischl geht davon aus, dass Pilotbetriebe den Absatz von „Emma“ ins Rollen bringen. Sobald die „ersten Betriebe, die im Gartenbau, in der Produktion von Jungpflanzen einen Namen haben“, das Gerät im Einsatz hätten, würden sich andere Inhaber informieren und „nachziehen“. Die Zielgruppe sei europaweit vertreten – das Potenzial vorhanden: „Mobiltische sind weit verbreitet.“

Reischl erhielt den Innovationspreis (Kategorie Technik) bereits 2005

„Emma“ ist die zweite vom Bundeslandswirtschaftministerium prämierte Erfindung Reischls. Bereits 2005 hat er von Ministerin Renate Künast (Grüne) den „Deutschen Innovationspreis Gartenbau“ erhalten – ebenfalls in der Kategorie Technik. Damals erhielt er die Auszeichnung für den von ihm entwickelten Ausstell- und Rückautomaten „Flowerjet“ für Pflanzentöpfe, der von einem Maschinenbaubetrieb am Bodensee vertrieben wird.

Vertriebswege: Stationärer und mobiler Verkauf

Neben dem Produktionsbetrieb Im Sulbig in Duderstadt (Beet- und Balkonpflanzen, Weihnachtssterne, Sukkulenten) führt Jörg Reischl drei Verkaufsstellen: In Duderstadt an der Nordhäuser Straße 28 sowie an Standorten in Nordhausen und Mühlhausen. Er beschäftigt mit Saisonarbeitern und Teilzeitkräften insgesamt 25 Mitarbeiter. Der nächstgelegene Betrieb mit Mobiltischen sei in Hameln, aber technisch nicht mit seinem vergleichbar, sagt Reischl. „Zwischen Frankfurt, Nordrhein-Westfalen und Hannover bin ich der einzige, der so ausgerüstet ist.“ Um seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, habe er 2007 die Vertriebswege geändert („ein großer Schritt“): Reischl und Team sind im Frühjahr über mehrere Wochen an Verkaufsstandorten in Harste und Heiligenstadt und während der Saison an Wochenenden unter anderem in Gotha, Erfurt, Kassel auf Märkten präsent.

Von Stefan Kirchhoff

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