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Regional EU-Pläne würden laut Landwirten Milch verteuern
Nachrichten Wirtschaft Regional EU-Pläne würden laut Landwirten Milch verteuern
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08:35 05.11.2011
Die Pläne der EU könnten den Milchpreis hochtreiben. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover/Isernhagen

Die Pläne der EU-Kommission zur Reform der Agrarpolitik könnten auch die deutschen Milchbauern aus Sicht der Branche empfindlich treffen und Milch stark verteuern. „Eine Stilllegung von Flächen um 7 Prozent aus Umweltgründen würde zu einer Verknappung und Einschränkung der Produktion führen“, warnte der Chef der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen, Peter Cornelius, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Nach dem Mitte Oktober vorgelegten Konzept der Brüsseler Behörde zur Agrarpolitik zwischen 2014 und 2020 sollen Europas Landwirte unter anderem einen Teil ihres Landes in “ökologische Vorrangflächen“ umwandeln. Dies könnte nach Cornelius’ Einschätzung mittelfristig die weltweite Knappheit an Nahrungsmitteln verschärfen: „So was passt nicht in diese Zeit. Experten sagen, dass die Weltbevölkerung weiter in Richtung acht bis neun Milliarden wächst.“ In dieser Woche war nach UN-Angaben der siebenmilliardste Erdbürger geboren worden.

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„Das Nahrungsmittelproblem ist nicht nur ein Verteilungs-, sondern auch ein Herstellungsproblem“, meinte der Verbandsvorsitzende. „Auch die Milchbauern müssen mehr produzieren dürfen, statt Flächen abbauen zu müssen.“ Am Montag (7. November) will der Landesverband bei einer Mitgliederversammlung in Isernhagen über die möglichen Folgen der Umweltauflagen beraten. Dazu werden auch Niedersachsens Agrarminister Gert Lindemann (CDU) und Bauernpräsident Werner Hilse erwartet.

Cornelius sagte, auch die Milchwirtschaft könne ihren Beitrag zu einer besseren globalen Versorgung leisten: „Aber ein Hektar weniger genutztes Land bedeutet vier tote Menschen in anderen Erdteilen.“ Auch Grünland-Betriebe seien weiterhin auf hinreichend große Flächen etwa für den Anbau von Mais zur Tierfütterung angewiesen. Die Skepsis von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) gegenüber neuen bürokratischen Kontrollen bei der reduzierten Agrarförderung teilte der Verbandschef: „Das könnte umständlich werden.“

Lob für die EU gab es dagegen wegen des geplanten Wegfalls der umstrittenen Milchquoten-Regelungen. Es könne auch künftig vereinzelt zu einem Überangebot von Milch kommen - „in der Regel aber wohl nicht mehr“, schätzte Cornelius. Nicht die jahrelang umkämpften Quoten, sondern der Mangel an verfügbaren Flächen und Tieren werde für die Milchbauern zunehmend zum Engpass-Faktor. „In der Milchpreis-Krise sind viele Erzeuger ausgestiegen und haben sich Biogas und anderen Produktionsformen zugewandt“, sagte er. „Die verbleibenden Kollegen können die steigende Nachfrage wahrscheinlich auch so befriedigen.“

dpa

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