Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Einkaufen, bis die Bahn kommt
Nachrichten Wirtschaft Regional Einkaufen, bis die Bahn kommt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:08 04.11.2011
Von Helmuth Klausing
Die virtuelle Drogerie wirbt auch in Hannover um Kunden mit Smartphone. Quelle: Simon Peters
Anzeige
Hannover

Längst ist Plakatwerbung an Bushaltestellen oder in U-Bahnhöfen besonders beliebt, weil die Wartenden dort in der Regel nichts anderes zu tun haben als zu warten. Sie können also Informationen von Werbetafeln oder Plakaten in Ruhe aufnehmen. Wer damit durch ist, beginnt mit seinem Handy zu spielen.Die Strategen der auf Onlinehandel spezialisierten Agentur Satzmedia verbinden nun Plakat und Handy miteinander und entwickeln daraus ein neues Geschäftsmodell. Was zum Einkauf an der Haltestelle per Smartphone nötig ist, können Fahrgäste der Stadtbahn an vier hannoverschen Stationen begutachten, etwa am Kröpcke.

Die Plakatwand sieht aus wie ein abfotografiertes Ladenregal. Unter jedem Produkt ist ein kleines Quadrat abgedruckt, das unregelmäßig angeordnete winzige schwarze und weiße Kästchen enthält. Was aussieht wie akkurat gesetzter Fliegendreck ist in Wahrheit ein QR-Code. QR steht für „Quick response“, was so viel wie „rasche Reaktion“ heißt. Wer die Kamera seines Smartphones auf solch einen Code richtet – und vorher eine App zum Lesen von QR-Codes heruntergeladen hat –, der wird automatisch zu einer Internetseite geleitet, die sich auf dem Handy öffnet. Das oft umständliche eintippen langer Internetadressen entfällt. QR-Codes finden sich inzwischen auf vielen Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften. Sie führen die mittlerweile 20 Millionen Besitzer von Smartphones und Tabletcomputern in Deutschland zu weiteren Informationen über Produkte und Unternehmen.

Anzeige

Satzmedia geht einen Schritt weiter. Per QR-Code ausgewählte Produkte können sich die Kunden gleich nach Hause schicken lassen. Bis die Stadtbahn kommt, kann, wer will, auf diese Weise sogar beim Warten noch Geld ausgeben. Den Anfang machen Kosmetikprodukte einer Tochtergesellschaft der Hamburger Drogeriemarktkette Budnikowsky. An 55 Plakatwänden in ganz Deutschland können wartende Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs nun auf die Schnelle noch einkaufen.

Für die kleine, nur im Raum Hamburg vertretene Drogeriekette sei dies ein guter Weg, um aus dem Regionalmarkt herauszukommen, sagt Satzmedia-Geschäftsführer Markus Meyer-Westphal. Gut eine Woche hängen die Plakate bereits bundesweit, in dieser Zeit habe man eine „deutlich vierstellige Zahl von Klicks“ über die QR-Codes registriert. „Das ist fast mehr, als wir erwartet hatten.“ Allerdings habe wohl nicht jeder Klick zu einer Bestellung geführt. Andere Unternehmen hätten sich aber bereits für diese neue Verkaufsmethode interessiert gezeigt, sagt Meyer-Westphal, will Details aber für sich behalten.