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Regional Endspurt um die letzten freien Ausbildungsplätze
Nachrichten Wirtschaft Regional Endspurt um die letzten freien Ausbildungsplätze
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00:22 14.06.2019
Sicherer Umgang mit dem Computer: Der Kfz-Mechatoniker zählt zu den beliebtesten Ausbildungsberufen junger Männer. Quelle: dpa-tmn
Göttingen

Der Endspurt um einen Ausbildungsplatz im Handwerk hat begonnen. Freie Stellen gibt es vor allem noch in Bereichen der Baubranche und im Lebensmittelhandwerk.

„Die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland liegt im Vergleich zu anderen europäischen Staaten niedrig“, sagt Stefan Pietsch, Pressesprecher der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen. Das habe nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) maßgeblich mit der dualen Bildung zu tun. Schulabgänger, die noch nicht wüssten, wie es weitergehe, sollten diese Chance nutzen.

Hohe Ausbildungsvergütungen

„In vielen Handwerksberufen liegen sowohl die Ausbildungsvergütung als auch die tariflich vereinbarten Löhne weit über den von einigen kaufmännischen Berufen“, betont der Pressesprecher. Er nennt unter anderem den gut bezahlten, bei Jugendlichen nicht so beliebten Beruf des Maurers und Betonbauers. Handwerksmeister müssten den Vergleich mit Akademikern nicht scheuen. Und in keiner anderen Berufsgruppe sei die Arbeitslosenquote geringer als bei Meistern und Technikern.

Viele Betriebsübergaben stehen an

„In den kommenden Jahren stehen im Handwerk zudem viele Betriebsübergaben an“, sagt Pietsch. Das biete jungen Meistern die Möglichkeit, selbst Chef zu werden. Um einen Anreiz zu geben, den Meisterbrief zu erwerben, könnten sich Meister, die in Niedersachsen wohnten oder arbeiteten, nach erfolgreich bestandener Prüfung 4000 Euro auszahlen lassen.

Smart Home

„Viele Handwerkberufe sind gerade für die digitalbegeisterte Generation spannend“, betont der Pressesprecher. Das sei aber bei vielen jungen Menschen und deren Eltern wenig bekannt. So hätten viele beim Elektrotechniker das Bild des Strippenziehers vor Augen, der Wände aufstemme und Kabel verlege. Dabei gehe es in diesem Handwerk heute immer mehr um Hauskommunikationsanlagen mit Datenübertragung, Netzwerktechnik und Smart Home.

Wo findet man freie Ausbildungsplätze?

Um Schulabgängern bei der Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz zu helfen, setzt die Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen drei Ausbildungsplatzmatcher ein. Bianca Haupt, Christin Drescher und Ole Trojak informieren in Schulen, auf Messen und Veranstaltungen junge Menschen, deren Eltern, aber auch Studienabbrecher über Ausbildungen im Handwerk und schlagen Interessierten Betriebe vor.

Mit den Firmen erarbeiten die Ausbildungsplatzmatcher Anforderungsprofile und nehmen auf Wunsch eine Vorauswahl der eingegangenen Bewerbungen vor. Finanziert werden die Stellen mit Fördergeldern vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie vom Europäischen Sozialfonds. Kontakt: matching@hwk-hildesheim.de, Tel. 0551/79774617.

Das Handwerk, aber auch die Berufsberater der Arbeitsagentur sind Anfang des Jahres auf dem Göttinger Berufsinformationstag (GöBit), auf der Eichsfelder Berufsfindungsmesse oder am Freitag, 14. Juni, auf dem Göttinger Wochenmarktplatz auf dem Markt der Berufe vertreten. Die Agentur bietet Veranstaltungen für Eltern, die bei der Berufswahl der Kinder eine wichtige Rolle spielen, sowie Einzelgespräche an. Das Berufsinformationszentrum an der Bahnhofsallee 5 richtet am Dienstag, 18. Juni, eine Ausbildungsbörse aus. Die Agentur verfügt zudem über Online-Angebote, mit denen sich Jugendliche dem Thema Berufswahl nähern können. Zudem gibt es Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen. Kontakt: Arbeitsagentur Göttingen, Bahnhofsallee 5, Telefon: 0800/4555500, www.arbeitsagentur.de/bildung/berufsberatung.

Trend zum Studium

Trotz all der Vorteile mieden junge Menschen seit Jahren tendenziell Berufe, die etwas mit Handarbeit und Dienstleistungen zu tun hätten, beobachtet Christine Gudd, die Pressesprecherin der Arbeitsagentur Göttingen. Beliebter seien kaufmännische und IT-Berufe. Zudem gebe es einen Trend zum Abitur mit anschließendem Studium. Dabei seien vielen jungen Menschen die tatsächlichen Inhalte von Handwerksberufen sowie die Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten gar nicht bewusst.

2020 fehlt ein Abiturjahrgang

„Für Handwerksbetriebe kommt noch erschwerend hinzu, dass aufgrund der demografischen Entwicklung die Zahl der Bewerber ohnehin rückläufig ist“, sagt Gudd. Und Pietsch warnt die Handwerksbetriebe: „2020 wird in Niedersachsen fast ein ganzer Abiturjahrgang fehlen, da das Abi wieder von zwölf auf 13 Jahre hochgesetzt wird.“ Die Industrie und die Banken, die in den vergangenen Jahren vorwiegend Abiturienten eingestellt hätten, würden verstärkt wieder Haupt- und Realschüler ansprechen. Die Industrie, ergänzt Gudd, bilde auch in Handwerksberufen aus und sei für junge Menschen oft attraktiver als die kleine Handwerksfirma.

Die fünf beliebtesten Ausbildungsberufe

Eine stärkere Nachfrage registriert die Arbeitsagentur nach Ausbildungsplätzen für Kfz-Mechatroniker (der Traumberuf vieler junger Männer), Tischler (der sich nicht mehr unter den Top 10 der beliebtesten Berufswünsche bei männlichen Bewerbern befindet), Friseure, Elektroniker- Energie- und Gebäudetechnik und die Berufe der Metallbe- und -verarbeitung. Dabei wird der sogenannte Erstwunsch von Jugendlichen zugrunde gelegt, die mehrere Wünsche äußern können.

Stefan Pietsch von der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen nennt außerdem Feinwerkmechaniker, Konditor und kaufmännische Berufe im Handwerk. Handwerksberufe mit einem starken gestalterischen Anteil kämen gut bei Schülern aller Schulformen an. Deshalb seien Lehrstellen zum Konditor schneller vergeben als die für Bäcker oder Bäckereifachverkäufer.

Soziale Netzwerke

Damit Handwerksbetriebe leichter mit jungen Menschen in Kontakt kommen, bietet die Abteilung Berufliche Bildung der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen Workshops an. Die Firmen lernen, sich in sozialen Netzwerken zu präsentieren. Bei anderen Seminaren erfahren die Unternehmen, wie sie Betriebspraktika attraktiv gestalten können.

Die Arbeitsagentur oder das Jobcenter, so Gudd, förderten auch die – um ein Drittel verkürzte – Ausbildung eines schon älteren Umschülers.

Die unbeliebtesten Ausbildungsberufe

Ein geringeres Interesse verzeichnet die Arbeitsagentur Göttingen bei Ausbildungsplätzen für Bäcker und Fleischer, Medientechnologen Druck (ehemals Drucker), Fachverkäufer Lebensmittelhandwerk (Bäckerei und Fleischerei). Die meisten offenen Ausbildungsplätze in Handwerksberufen gibt es in den Berufen Maler und Lackierer – Gestaltung /Instandhaltung; Fachverkäufer Lebensmittelhandwerk (Bäckerei sowie Fleischerei); Bäcker und Fleischer; Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik; Elektroniker – Energie- und Gebäudetechnik und Augenoptiker. Die Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen nennt zudem Maurer und Betonbauer, Dachdecker, Installateur- und Heizungsbauer.

Von Michael Caspar

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