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Erfahrungen mit Exoskeletten: Hersteller, Anwender und Wissenschaftler tauschen sich aus

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09:00 20.12.2021
Markus Rockenschaub (Exxowear Human Robotics), Imke Pitz (HAWK), Verw. Prof. Holger Hoffmann (HAWK), Sebastian Tischler (Regionalmanagement Nordhessen GmbH), Jan Rupprich (Hunic GmbH), Christian Klann (Regionalmanagement GmbH) und Jakob Menzel (Ottobock Bionic Exoskeletons).
Markus Rockenschaub (Exxowear Human Robotics), Imke Pitz (HAWK), Verw. Prof. Holger Hoffmann (HAWK), Sebastian Tischler (Regionalmanagement Nordhessen GmbH), Jan Rupprich (Hunic GmbH), Christian Klann (Regionalmanagement GmbH) und Jakob Menzel (Ottobock Bionic Exoskeletons). Quelle: HAWK
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Göttingen

Exoskelette sollen zukünftig noch stärker für Entlastung am Arbeitsplatz sorgen. Doch: Wie funktionieren die futuristisch aussehenden Gestelle? Wo sind sie einsetzbar und wo kommen sie an ihre Grenzen? Und: Was kostet es, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Exoskeletten auszustatten? Über Voraussetzungen, Implementierung, Anbieter und Kosten von Exoskeletten haben sich Anbieter und an einer Anwendung Interessierte auf dem Gesundheitscampus Göttingen informiert. Rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten eine Veranstaltung im Rahmen des Projektes Exkallerate.

Exkallerate ist ins Leben gerufen worden, um die Einführung von Exoskeletten in der Nordseeregion zu fördern. Als deutsche Partner in dem EU-Projekt arbeiten die HAWK, die Regionalmanagement Nordhessen GmbH und der Verein MoWiN.net zusammen. Ziel sei es, insbesondere klein- und mittelständische Unternehmen des Baugewerbes und der industriellen Fertigung mit der Technik vertraut zu machen. Dort sorgt die schwere körperliche Arbeit zu ernsthaften Gesundheitsproblemen. „Der Einsatz von passiven Exoskeletten könnte zehn bis 40 Prozent der Muskelspitzenbelastungen abmildern“, erklärt die HAWK. Mithilfe aktiver Exoskelette seien es sogar bis zu 80 Prozent.

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Im Mittelpunkt der Veranstaltung am Gesundheitscampus standen passive Exoskelette. Dabei handelt es sich um außen am Körper anliegend getragene Konstruktionen, welche die auf bestimmte Körperregionen einwirkenden äußeren Kräfte aufnehmen und ableiten. So können Menschen belastende Bewegungen, wie etwa das Heben von schweren Gegenständen, muskelschonender und ergonomischer ausführen. „Gerade im Baugewerbe, in der industriellen Fertigung, in der Logistik und Lageristik ist dies der Fall. Aber auch in der Pflege müssen Menschen schwere Arbeit verrichten, die Rücken und Muskulatur belastet“, so die HAWK. Krankheiten und damit Arbeitsausfälle seien oft die Folge. „Abhilfe könnten bei der Arbeit getragene Exoskelette schaffen, welche die anstrengenden Tätigkeiten erleichtern.“ Exoskelette sollen muskuloskelettalen Erkrankungen vorbeugen und dadurch Arbeitsausfälle reduzieren, die jährlich zu großen wirtschaftlichen Belastungen führen.

Rußmann: „Exoskelette haben die Fähigkeit, die Lebensqualität am Arbeitsplatz zu erhöhen“

„Exoskelette haben die Fähigkeit, die Zahl der Verletzungen des Bewegungsapparats zu verringern und die Lebensqualität am Arbeitsplatz zu erhöhen“, sagt Dekan für Gesundheit, Prof. Christoph Rußmann. Die Kosten für ein Unternehmen könnten so langfristig gesenkt werden, speziell für klein- und mittelständische Unternehmen.

Wie sich Gesundheit und Wettbewerbsfähigkeit gegenüberstehen, erörterten im Workshop Imke Pitz und Verw.-Prof. Holger Hoffman. Die Wissenschaftlerin und der Wissenschaftler präsentierten erste Erkenntnisse. „Passive Exoskelette können die Muskelaktivität in den unterstützten Bereichen reduzieren und verringern die Ermüdung“, sagte Pitz. Dies steigere die Arbeitsplatzqualität und Produktivität.

Einsatz bei Einbecker

Andre Quittenbaum, Betriebsleiter des Logistikzentrums der Einbecker Brauhaus AG, berichtete über erste Erfahrungen: Ein Mitarbeiter, der seit sechs Wochen ein Exoskelett nutze, empfinde eine wirkliche Entlastung und sei sehr zufrieden. Die Brauerei möchte daher weitere Exoskelette anschaffen. Desweiteren wird das Unternehmen im Rahmen des Projektes Exallerate an den Pilot Sites teilnehmen, aus denen die Wissenschaftler weitere Erkenntnisse aus dem Arbeitsalltag gewinnen wollen. Über Erfahrungen aus Österreich sprach Markus Rockenschaub, Managing-Director von Exxowear Human Robotics, einem TechScouting-Startup. Sein Team widmet sich Trends und Entwicklungen im Exoskelett-Bereich und filtert, testet und evaluiert den Nutzen für Betriebe in Form eines Try-Before-You-Buy-Prinzips.

Die Exoskelett-Produzenten Hunic GmbH und Ottobock Bionic Exokeletons stellten ihre Produkte, die Einsatzmöglichkeiten, den Stand der Entwicklung und die Kosten den Teilnehmenden vor. „Besonders der Erfahrungsbericht aus Unternehmenssicht hat einen sehr guten Einblick zur Umsetzung und Anwendung von passiven Exoskeletten geboten. Davon brauchen wir mehr“, erklärte einer der Teilnehmenden nach der Veranstaltung in einer Umfrage.

Von Nadine Eckermann