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Regional Fachkräfte binden – aber wie?
Nachrichten Wirtschaft Regional Fachkräfte binden – aber wie?
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20:13 12.11.2018
Regionalreferent Jan Schametat vom Zukunftszentrum Holzminden-Höxter bei der Vorstellung des Modellprojekts „H!ERgeblieben: Bindefaktoren Jugendlicher im ländlichen Raum“.
Regionalreferent Jan Schametat vom Zukunftszentrum Holzminden-Höxter bei der Vorstellung des Modellprojekts „H!ERgeblieben: Bindefaktoren Jugendlicher im ländlichen Raum“. Quelle: Foto: Richter
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Göttingen

Qualifizierte Mitarbeiter für ein Unternehmen zu gewinnen, ist eine Sache – sie zu halten, ist dann die nächste Herausforderung. Das Thema Fachkräftebindung stand deshalb am Montagnachmittag im Mittelpunkt einer gemeinsamen Unternehmerrunde des Südniedersachsen-Innovationscampus (SNIC) und des Projektes TOPAS (Top-Arbeitgeber Südniedersachsen) der Südniedersachsen-Stiftung. Zwei lokale Referenten gaben dazu Einblicke in die Strategien ihrer Unternehmen. Außerdem stellte Jan Schametat vom Zukunftszentrum Holzminden-Höxter der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) die Ergebnisse einer Studie des Projekts „H!ERgeblieben“ vor, das sich mit Bindungsfaktoren für Jugendliche im ländlichen Raum befasst.

Viele Verantwortliche aus kleinen und mittleren Unternehmen der Region waren ins historische Gebäude der Staats- und Universitätsbibliothek gekommen, um den Vorträgen zu lauschen und später darüber ins Gespräch zu kommen.

Je kleiner der Ort, desto größer die Bindung

Schametat erläuterte zu Beginn das Ziel des Projekts „H!ERgeblieben“ – die Abwanderung junger Menschen aus der Region zu reduzieren. Gelingen soll dies unter anderem durch eine regionale Kampagne und Workshops an Schulen. Vorangegangen war diesen eine wissenschaftliche Erhebung, deren Ergebnisse er präsentierte. Demnach gilt unter den 444 befragten Neuntklässlern: Je kleiner der Heimatort, desto größer ist die Bindungsneigung. Bei den weiblichen Probanden habe sich laut Schametat eine höhere Abwanderungstendenz gezeigt als bei den männlichen. 43,3 Prozent aller Teilnehmer fühlten sich über Berufsmöglichkeiten in der Region ausreichend informiert, knapp ein Drittel habe allerdings angegeben, dass es schwer sei, sich einen Überblick zu verschaffen. Als relativ unwichtig seien Jobmessen erachtet worden.

Professionelle Distanz eine „Erfindung von Angsthasen“

Martin Rasmussen von der Copernicus GmbH sprach anschließend über „Feel-Good-Management im Mittelstand“. Dabei wählte er mehrfach deutliche Worte. Überstunden zum Beispiel seien immer eine Schwäche der Führungskräfte, nicht der betroffenen Mitarbeiter. Oder: Professionelle Distanz sei eine Erfindung von Angsthasen. Unternehmer sollten von ihren Mitarbeitern laut Rasmussen nur verlangen, was diese gerade auch leisten könnten. Menschlichkeit sei dabei ein ganz wichtiger Faktor. „Steh der Freizeit nicht im Weg“, empfahl Rasmussen den anwesenden Entscheidern. Ebenso sei es wichtig, für die Mitarbeiter eine Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen. „Dein nachhaltigstes Investment ist immer das in deine Mitarbeiter“, betonte er. Dies könne sich auch in Zuwendungen ausdrücken, beispielsweise durch Zulagen oder die Übernahme von Kinderbetreuungskosten.

Führung von Mitarbeitern als „Serviceaufgabe“

Schließlich referierte Martina Städtler-Schumann von der Prof. Schumann GmbH über „Unternehmenskultur als Basis für gute Zusammenarbeit“. In ihrem Unternehmen basiere diese auf Vertrauen, Offenheit und gegenseitiger Wertschätzung. Fehler würden hier als Ausgangspunkte für bessere Lösungen angesehen. „Wer Fehler macht, braucht nicht noch einen Chef, der ihm diese vorhält“, befand die Referentin. Wichtig ist aus ihrer Sicht auch der Informationsaustausch und die richtige Führung von Mitarbeitern. Führung sei eine „Serviceaufgabe“, und Sanktionen seien kein geeignetes Mittel von Führung. Notwendig sei hingegen, gute Leistungen zu loben.

Bei der Aufgabenverteilung ist laut Städtler-Schumann wichtig, dass jeder das machen sollte, was er gerne macht und am besten kann. Und schließlich ging sie darauf ein, wie in ihrem Unternehmen mit dem Thema Freiraum umgegangen werde. Neben flexiblen Arbeitszeiten und Homeoffice-Möglichkeiten gebe es etwa ein Sportangebot zum lockeren Treffen der Kollegen. Nach Feierabend bleibe das Handy aus, und das Wochenende gehöre den Freunden und den Familien.

Von Markus Riese

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