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Regional Familie Piëch wahrt den Einfluss bei VW
Nachrichten Wirtschaft Regional Familie Piëch wahrt den Einfluss bei VW
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06:15 15.03.2012
Von Stefan Winter
Stets Seit’ an Seit’: Ursula und Ferdinand Piëch.
Stets Seit’ an Seit’: Ursula und Ferdinand Piëch. Quelle: da
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Wolfsburg

Man sieht ihn nur noch selten ohne sie. Wenn Ferdinand Piëch über Automessen schlendert, hält er oft die Hand seiner Frau. Sie plaudern über Details der Autos, über Sitzpositionen und Heckklappen. Sie schmunzeln über die hektischen Journalisten und lassen sich stoisch bedrängen wie die Kanzlerin am Wahlabend. Piëch, der Unnahbare, hält auch das aus, solange Ursula an seiner Seite ist. Fröhlich und locker lotst sie ihn durchs verhasste Getümmel.

Ursula Piëch saß vor zwei Jahren auf Sardinien neben ihrem Mann, als der mit wenigen Sätzen Porsche zum Verlierer des Übernahmekampfs mit VW erklärte. Sie ist auf Hauptversammlungen in Reichweite, wenn er als Aufsichtsratsvorsitzender Stunden auf dem Podium absitzen muss. Dann sammelt Ursula Piëch einen eigenen Kreis um sich, Frauen von VW-Vorständen oder die Hamburger PR-Unternehmerin Alexandra von Rehlingen mit ihrem Mann, dem Medienanwalt Matthias Prinz. Wer in heikler Sache das Ohr des Patriarchen brauche, fädele das am besten über die Ehefrau ein, heißt es schon lange im Umfeld des Konzerns.

Ursula Piëch scheint diese heikle Rolle im Hintergrund bisher klug gespielt zu haben, denn die in solchen Fällen üblichen Unfreundlichkeiten sind über sie nicht zu hören. Sie sei fair und offen, heißt es. Dass das künftige Aufsichtsratsmitglied einst als "Gouvernante", wie es ihr heutiger Mann beschreibt, in den Piëch-Haushalt kam, beschäftigt im Konzern niemanden mehr. Seit Jahren ist allen klar, dass die Mittfünfzigerin eines Tages das Erbe ihres 20 Jahre älteren Mannes antreten wird.

Ferdinand Piëch hat diesen Übergang vor einigen Jahren geregelt. Angesichts seines bisweilen unsteten Privatlebens kann das nicht einfach gewesen sein. Von zwölf Kindern aus vier Beziehungen berichtet er selbst. Auf der anderen Seite ist auch das zu sichernde Vermögen etwas unübersichtlich. Sein Kern besteht in gut 10 Prozent der Stammaktien der Porsche SE. Dieses Unternehmen wiederum besitzt 51 Prozent der Volkswagen-Stammaktien.

Piëch ist geprägt von Streitigkeiten im Porsche-Clan und dem Ausstiegswunsch eines Familienmitglieds, die den Sportwagenbauer in den siebziger Jahren zu lähmen drohten. Das soll sich nicht wiederholen. Deshalb hat er das Vermögen für seine Nachkommen in zwei Stiftungen österreichischen Rechts eingebracht, "Ferdinand Karl Alpha" und "Ferdinand Karl Beta". Auch dort hat Ursula Piëch eine Schlüsselposition - sie soll dafür sorgen, dass das Lebenswerk nicht eines Tages zerfällt.

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