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21:19 26.09.2019
Sucht seit vier Jahren zusammen mit ihrem Mann vergebens nach einem Nachfolger: Anna-Elisabeth Rehbein. Quelle: Michael Caspar
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Hann.  Münden

Die Rehbein-Linie, die in Hann. Münden Stadtrundfahren auf Fulda, Weser und Werra anbietet, stellt ihren Betrieb im Oktober ein. Bisher haben die Inhaber der MS Europa keinen Nachfolger gefunden.

Dass sie aufhören wollen, sagen Kapitän Klaus-Dieter Rehbein (66) und Ehefrau Anna-Elisabeth Rehbein (68) seit Jahren. Weil ihre Kräfte nachlassen, haben sie den Betrieb bereits nach und nach heruntergefahren. Sieben Schiffe gehörten einst zur Linie, die die Eltern des Kapitäns 1971 gegründet haben. 15 Mitarbeiter beschäftigte das Familienunternehmen in Spitzenzeiten. Heute hat das Ehepaar nur noch ein Schiff und kommt mit einer 450-Euro-Kraft im Service aus.

Viele Busreisende buchen eine Schifffahrt

„An mangelnder Nachfrage liegt das nicht“, stellt Anna-Elisabeth Rehbein klar. Sie verdienten „gutes Geld“ insbesondere mit Busgruppen, aber auch mit jungen Familien, die auf Tagesbesuch in Hann. Münden seien oder auf dem Campingplatz Urlaub machten. Ein Nachfolger könne das Geschäft jederzeit wieder hochfahren. Familien- und Betriebsfeiern ließen sich erneut anbieten, ebenso Nachtfahrten oder längere Touren nach Bad Karlshafen.

„Die Arbeit ist abwechslungsreich“, sagt Rehbein. Während der Saison von April bis Oktober sei viel zu tun. Im Winter werde es ruhiger. Allerdings müsse man auch dann regelmäßig nach dem Schiff sehen und die Büroarbeit höre nicht auf. Täglich riefen Kunden an, ließen sich Angebote machen oder buchten Fahrten. Deshalb hätten sie auch im Urlaub immer das Handy dabei. Nach Weihnachten begännen die Vorbereitungen auf die neue Saison. Dann werde auf dem Schiff gemalert, repariert und geputzt.

„Ich habe mich jedes Jahr auf den Saisonbeginn gefreut“, berichtet Rehbein. Sie liebe die Fahrten durch die Natur, genieße die frische Luft. Gerne beobachte sie die Schwäne, Graureiher und Nilgänse. All das werde sie vermissen.

Nur die MS Europa fährt noch

Die Hoffnung, doch noch einen Nachfolger zu finden, hat Rehbeins lange durchhalten lassen. Doch nun fühlen sie sich der vielen körperlichen Arbeit nicht mehr gewachsen. Das Ehepaar will endlich zur Ruhe kommen und mehr Zeit für die Familie haben. Andere in ihrem Alter sind längst Rentner. Mittlerweile sucht ein Makler europaweit nach einem Käufer für die MS Europa. Dann würde das Schiff Hann. Münden verlassen. „Die Drei-Flüsse-Stadt ohne Schifffahrtslinie, das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Rehbein.

Vor dieser Aussicht graust es auch den Gastronom Guido Einecke, den Geschäftsführer des Hann. Mündener Ratsbrauhauses: „70 Prozent der Reisegruppen, die ich bewirte, haben eine Schiffahrt gebucht.“ Mit der Rehbein-Line werde eine „Riesen-Attraktion“ fortfallen. Hann. Münden werde für Busreisende, die sich meistens von Dr. Eisenbart begrüßen ließen und eine Stadtführung machten, nicht mehr so interessant sein.

Von einer „Katastrophe“ spricht Einecke. Sie werde neben den Restaurants und Eisdielen auch den Einzelhandel treffen. „Rehbeins sind allerdings nicht die einzigen, die keinen Nachfolger finden“, weiß der Unternehmer. Auch in der Gastronomie sei das ein Thema. Auf den Dörfern machten viele Landgasthöfe zu.

Hilfe durch Wirtschaftsförderer Tobias Vogeley

Auf der Suche nach einem Nachfolger für Rehbeins ist der städtische Wirtschaftsförderer der Stadt, Tobias Vogeley. Vier Interessenten hätten sich in den vergangenen anderthalb Jahren gemeldet, berichtet er. „Bisher scheiterte es am Kaufpreis“, sagt dazu Klaus-Dieter Rehbein. Zudem benötige der Betreiber ein Kapitänspatent. Binnenschiffer seien jedoch schwer zu finden. Er und seine Frau hoffen, dass sich auf die Berichterstattung über das Ende der Schifffahrt hin doch noch ein Interessent meldet.

Rehbein-Linie

Die Rehbein-Linie gibt es seit 1971. Anfangs bot sie von Kassel aus Fuldafahrten an. Bis nach Hann. Münden waren die Schiffe unterwegs. In der Dreiflüssestadt organisiert das Unternehmen seit 2000 Rundfahrten. Rehbeins profitierten vom Ende der traditionsreichen Oberweser-Dampfschiffahrt im Jahr 2003. Damals kamen Fahrten nach Bad Karlshafen dazu. Als die Schleuse in Kassel im Oktober 2016 geschlossen wurde, verlagerte die Rehbein-Line ihr Geschäft komplett nach Hann. Münden.

In den vergangenen Jahren hat sich das Unternehmen von einem Schiff nach dem anderen getrennt. Rehbeins größtes Schiff, die „Deutschland“, befährt seit 2011 die Saarschleife. 400 Personen passen darauf. Es gibt eine Bowlingbahn. Das kleinste Schiff, die Hann. Münden mit ihren 50 Plätzen, ging 2014 nach Polen. Behalten hat das Familienunternehmen die MS Europa, die 1995 nach den Wünschen der Rehbeins in Aken an der Elbe gebaut wurde. Für 285 Personen ist das 30 Meter lange und 6,50 Meter breite Schiff zugelassen. Mit einem Tiefgang von 60 Zentimetern kommt es auch mit niedrigen Wasserständen aus.

Von Michael Caspar

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