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Regional Fit werden im High-Tech-Makerspace
Nachrichten Wirtschaft Regional Fit werden im High-Tech-Makerspace
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12:48 27.11.2017
3D-Drucker können wichtige Werkzeuge in einem sogenannten „Makerspace“ oder auch „Fablab“ sein. Quelle: Arne Bänsch
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Göttingen

Wie eine Umfrage zeigt, sind Firmen aus der Region sehr an dem Projekt interessiert. Zwei Drittel der 278 Unternehmen, die Tobias Brzoskowski für seine Masterarbeit bei Professor Kilian Bizer im Bereich Wirtschaftspolitik und Mittelstandsforschung befragte, sprachen sich für einen sogenannten „Makerspace“ aus. An 1905 Firmen hatte der Student der Universität Göttingen seinen Fragebogen gesendet. 14,6 Prozent antworteten. Zwei Drittel der Umfrage-Teilnehmer stammen aus Stadt und Landkreis Göttingen, berichtet Brzoskowski. Von ihnen wünschen sich überdurchschnittliche viele – drei Viertel der Firmen – einen Makerspace. Ähnlich groß war auch die Zustimmung bei den Northeimer Teilnehmern. Die antwortenden Betriebe bestanden im Durchschnitt seit 45 Jahren und beschäftigten 153 Mitarbeiter.

3D-Drucker und CNC-Maschinen

Makerspaces oder Fablabs, so eine andere Bezeichnung, sind offene Werkstätten, die mit modernen, industriellen Produktionsmaschnien ausgestattet sind. Nutzer erlernen dort den Umgang mit diesen Geräten – etwa 3D-Druckern und 3D-Scannern, Laser-Cuttern zum Schneiden oder CNC-Maschinen zum Zerspanen. Sie können sich dann aus unterschiedlichen Materialien Einzelstücke, Prototypen oder nicht mehr erhältliche Ersatzteile fertigen.

Den ersten Makerspace hat der Physiker und Mathematiker Neil Gershenfeld 2002 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) im amerikanischen Boston eingerichtet. In der Folge formierte sich eine weltweite Maker-Bewegung. Sie will Menschen den Zugang zu innovativen Fertigungsverfahren öffnen. Gershenfeld verspricht sich davon eine Demokratisierung der Gesellschaft. Die Maker-Szene hat dabei nicht nur Existenzgründer und kleine Firmen im Blick, die sich High-Tech-Maschinen nicht leisten können, sondern auch benachteiligte Jugendliche oder arme Menschen in der Dritten Welt.

Der erste Makerspace in Deutschland entstand 2009 an der Technischen Hochschule in Aachen. Dutzende andere Städte zogen seither nach. mic

Von einem Makerspace erhoffen sich die Unternehmen eine Erweiterung ihres Know-hows und die Vernetzung mit innovativen Köpfen in der Region, führt der Student aus. 50 Prozent der befragten Firmen wollen im Makerspace 3D-Drucker nutzen, mit denen sich dreidimensionale Objekte ausdrucken lassen. 40 Prozent wünschen sich 3D-Scanner, die die räumlichen Ausmaße von Objekten erfassen. Nachgefragt werden zudem Maschinen zum Zerspanen von Materialien (Drehen, Fräsen, Bohren, Schleifen) sowie zum Laser-Schneiden. Bearbeiten möchten die Firmen in der High-Tech-Werkstatt vor allem Kunststoffe (59 Prozent), Bunt- und Eisenmetalle (49 Prozent), Verbundstoffe (39 Prozent) sowie Leiterplatten und Platinen (31 Prozent). Geringer ist das Interesse an Materialien wie Holz (18 Prozent) oder Textilien (16 Prozent). Der Student hat zudem eine „hohe Zahlungsbereitschaft“ ermittelt. Die befragten Firmen sind demnach bereit, für ein Stundenkontingent oder eine Flatrate zwischen 1000 und 2000 Euro im Monat pro Nutzer zu zahlen.

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Aufbruchstimmung befeuern

„Ein Makerspace würde die Aufbruchsstimmung und die Innovationsdynamik in Südniedersachsen befeuern“, wirbt SNIC-Geschäftsstellenleiterin Mascha Albrecht für das Vorhaben. Das sei wichtig, betont Regionalökonom Bizer, der zu den Mitinitiatoren des SNIC zählt. Seit Mitte der 90er-Jahre gehe die Innovationsbereitschaft deutscher Unternehmen zurück. Mittlerweile betrachte sich nur noch ein knappes Drittel als innovativ.

„Ein Makerspace würde uns die Schulung von Mitarbeitern erleichtern“, sagt Detlev Seidel, Geschäftsführer der Osteroder Firma Piller. Ingenieure mit „wilden Bauteileideen“ könnten dort über Wochen Projekte erarbeiten. Auf „ganz neue Möglichkeiten der Mitarbeiterwerbung“ weist SNIC-Geschäftsstellenleiterin Albrecht hin. In einem Makerspace könnten zudem Firmengründer „für begrenzte Zeit und zu überschaubaren Kosten“ technische Infrastruktur nutzen. Das wäre eine Ergänzung zum SNIC-Accelerator, der Start-ups in den Bereichen Lebenswissenschaften und Medizintechnik unterstütze.

Privater Investor „wenig wahrscheinlich“

Dass ein privater Investor oder eines der großen Unternehmen in der Region einen offenen Makerspace einrichtet, hält Detlev Barth, der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Göttingen (WRG), für „wenig wahrscheinlich“. Er regt an, ihn beim SNIC anzusiedeln und dafür bei Land, Bund und Europäischer Union Fördergelder einzuwerben. Die Wirtschaft müsse sich an den Kosten beteiligen. Nach drei Jahren sollte sich die Einrichtung dann selbst tragen.

Von Michael Caspar

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