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Regional „Fliesenlegerin kann ein kreativer Beruf sein“
Nachrichten Wirtschaft Regional „Fliesenlegerin kann ein kreativer Beruf sein“
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18:10 26.11.2010
Orthopädietechnik ist kein „Männerverein“ mehr: Till Blickwede, Antje Koch, Jutta Deitermann und Almut Tietjen (von links).
Orthopädietechnik ist kein „Männerverein“ mehr: Till Blickwede, Antje Koch, Jutta Deitermann und Almut Tietjen (von links). Quelle: Heller
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Innerhalb der zehn Jahre hat sich viel verändert: „Früher haben wir Holzbeine gebaut“, sagt er. „Heute arbeiten wir mit Kohlefaser und programmieren am Computer“. Körperlich sei sie nicht mehr so schwer, die Arbeit.

Dieses Argument gebe es in der Berufswelt oft, sagt Almut Tietjen von der Göttinger Volkshochschule. Dabei haben sich die Berufsbilder in vielen Branchen in den vergangenen Jahren gewandelt, auch im Handwerk. „Fliesenlegerin kann ein kreativer Beruf sein“, sagt Jutta Deitermann. Sie ist Leiterin des Volkshochschul-Projektes „Doppelpass“, das sich zum Ziel gesetzt habe, junge Frauen in Berufe zu vermitteln, die für sie noch eher untypisch sind. Oft seien Betriebe auf Bewerberinnen mit Kindern oder Benachteiligung nicht vorbereitet – und die Frauen würden nicht alle Ausbildungsberufe kennen.

„Wir arbeiten unter anderem mit den Betrieben zusammen, um ihre Außenwirkung zu verändern“. Der Fachkräftemangel sei in der Branche spürbar, viele Frauen jedoch würden sich aber nicht bewerben. „Viele wissen nicht, was für Fähigkeiten sie eigentlich besitzen“, erklärt Deitermann. Deshalb versuche man, durch Workcamps und verschiedene Praktika die Fertigkeiten der Ausbildungssuchenden herauszufinden. Beispielsweise ist ein Projekt mit dem Verein Denk-Mal in Lutter im thüringischen Eichsfeld geplant: Eine Woche helfen dort Frauen mit, die Burganlage zu restaurieren.

„Junge Frauen sehen sich oft auch als junge Mütter“, weiß Tietjen. Sie wählten dann aber oftmals Berufe, die an sich familienunfreundlich mit langen Arbeitszeiten auch in den Abendstunden seien. „In handwerklichen Berufen sind die Arbeitszeiten meist geregelter“, erklärt sie. Das Projekt wolle allerdings nicht junge Frauen in Berufe drängen. „Wir wollen nur keine Branche in der Beratung ausklammern“, sagt Deitermann. Zudem erhoffen sich die Organisatoren durch ein Begleitprogramm während der Ausbildung, Abbrüche in der Lehre zu vermeiden.

Modellprojekt „Doppelpass“ in Göttingen

Das Land Niedersachsen fördert insgesamt zehn Modellprojekte mit 2,5 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und aus Landesmitteln. Das Geld soll zur Verbesserung der Lage auf dem Ausbildungsmarkt genutzt werden: Betriebe sollen unterstützt werden, qualifizierte Bewerber einzustellen. Das Projekt der Volkshochschule Göttingen „Doppelpass – Betriebe und Frauen“ will das Image einzelner Branchen für Frauen attraktiver gestalten und den Anteil in traditionell „männlichen“ Berufen vergrößern. Zielgruppe sind neben den Auszubildenden auch Personalverantwortliche in den Betrieben. Informationen: 05 51 / 49 52 43.

Von Florian Heinz