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00:34 10.03.2018
Oliver Heath betreibt eine kleine Autowerkstatt, die Entenschmiede. Mit einem Diagnosetester liest er am Auto die Fehler aus. Quelle: Foto: Hinzmann
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Göttingen

„In modernen Fahrzeug-Scheinwerfern sind Kameras eingebaut, die zum Beispiel bei entgegenkommenden Fahrzeugen automatisch das Fernlicht abblenden“, berichtet Basta. Nach dem Einbau eines solchen Scheinwerfers seien die Kameras zu justieren. Ein entsprechender Arbeitsplatz koste 6500 bis 12 000 Euro. Um bei diesen und anderen Änderungen auf dem Laufenden bleiben, müsse er nicht nur ständig investieren, sondern nach einem Acht-Stunden-Tag auch noch den Umgang mit der neuen Technik lernen. 2000 bis 2500 Euro gebe er pro Jahr und Mitarbeiter für Fortbildungen bei Herstellern und Großhändlern aus. Drei Meister und zwei Gesellen arbeiteten in seinem Betrieb am Steinslieth 14 in Klein Lengden.

„Um Fehlermeldungen des Autos auslesen zu können, benötigen wir Diagnosetester“, nennt der Göttinger Kfz-Meister Usama Ahmad ein anderes Beispiel. Auf fünf Prozent sicherheitsrelevanter und daher verschlüsselter Daten hätten jedoch nur Vertragswerkstätten Zugriff. Da seien er und andere freie Werkstätten auf die Hilfe der Kollegen angewiesen. Die Vertragswerkstätten verfügten auch über Adapter und spezielle Software, mit der die Autohersteller den Freien das Leben schwer machten. Hilfreich sei die Mitgliedschaft in der Innung. So legitimiert erteile ihnen der Hersteller auf Anfrage die Zustimmung zur Durchführung bestimmte Dienstleistungen.

„Für uns Vertragswerkstätten wird es natürlich auch immer teurer“, betont der Obermeister der Kfz-Innung Pasquale Perriello. Er müsste ebenfalls für einen Tester 10 000 bis 15 000 Euro und für monatliche Software-Updates jeweils 200 bis 400 Euro zahlen. Das Nachsehen hätten die kleine Betriebe unter den 30 bis 40 freien Werkstätten in Göttingen. Sie hätten nicht genug Kunden, um die Geräte auszulasten. So konzentrierten sie sich auf Arbeiten, wo keine Elektronik im Spiel sei: etwa an Auspuff, Bremsen, Getriebe oder Kupplung.

„Wir haben hier nicht so viele moderne Fahrzeuge zur Reparatur“, sagt Dieter Schmidt, der den Zwei-Mann-Betrieb Autoservice Schmidt in Ischenrode führt. „Wir haben uns auf mehr als zehn Jahre alte Kleinwagen spezialisiert“, erklärt Oliver Heath von der freien Werkstatt Entenschmiede am Göttinger Maschmühlenweg 50. Aber auch da komme er zum Teil an seine Grenzen. Neulich habe er einen VW Caddy mit einer Anhängerkupplung ausstatten wollen. Um Bremsleuchte und Blinker anzuschließen, hätte er sich in die Fahrzeugelektronik einloggen müssen. Da ihm die Technik gefehlt habe, sei er auf die Hilfe von Kollegen angewiesen gewesen. Er habe sich eine Nische gesucht. 50 Prozent seines Werkstatt-Umsatzes mache er mit Arbeiten an Citroën-Enten.

„Wir werden die Veränderungen am Markt überstehen“, zeigt sich Basta aus Klein Lengden zuversichtlich. Ihm habe schon vor 20 Jahren, als die Elektronik an Bedeutung gewonnen habe, der Mitarbeiter eines großen Kfz-Teilehändlers das Ende der freien Werkstätten innerhalb der nächsten zehn Jahre vorausgesagt. „Es gibt uns immer noch“, freut sich der Kfz-Meister.

„Die höheren Kosten muss am Ende der Kunde bezahlen“, stellt Schmidt aus Ischenrode klar. Nicht alle könnten das, gibt Ahmad aus Göttingen zu bedenken. Er habe Kunden, die nicht das Geld für die 2000 Euro teure Reparatur der elektronischen Lenkung ihres zehn Jahre alten Auto hätten.

Von Michael Caspar

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