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Regional Friseur-Innung Südniedersachsen: Lehrlinge sollen nicht nach Duderstadt
Nachrichten Wirtschaft Regional Friseur-Innung Südniedersachsen: Lehrlinge sollen nicht nach Duderstadt
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20:03 16.07.2013
Sicherung des Schulstandorts Duderstadt: Kreistag will Göttinger und Hann. Mündener Lehrlinge ins Eichsfeld schicken. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Göttingen

Eigentlich will die Friseur-Innung, dass ihre Azubi wie bisher die Berufsbildenden Schulen III in Göttingen besuchen. Das Problem: Gemäß dem Schulentwicklungsplan des Landkreises kann erst dann eine Klasse in Göttingen eröffnet werden, wenn zuvor eine Klasse mit 14 Schülern in Duderstadt zusammengekommen ist. So hat es der Kreistag beschlossen, um den Fortbestand des dortigen Berufsschulstandorts zu sichern.

Bislang füllten die Friseurbetriebe des Untereichsfelds selbst eine solche Klasse mit ihren Lehrlingen. Im neuen Schuljahr, so Härtelt-Dören, komme jedoch kein einziger Schüler mehr aus dieser Region. Die Göttinger und Mündener Friseure würden nicht einsehen, warum sie ihre Schüler „quer durch den ganzen Landkreis“ schicken sollten.

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Die Verwaltung, so die Innung, hätte sich mit dem Verweis auf die Ende 2016 anstehende Fusion der Landkreise Göttingen und Osterode geweigert, die Situation „schon jetzt“ anzupassen.

Dem widerspricht der Pressesprecher des Landkreises Göttingen, Marcel Riethig. Landrat Bernhard Reuter (SPD) habe gegenüber der Obermeisterin in einem persönlichen Gespräch im Frühjahr Verhandlungsbereitschaft signalisiert.

Auch Reuter sei nicht glücklich darüber, dass Jugendliche aus Hann. Münden nach Duderstadt zur Schule fahren müssten. Allerdings bestehe eben auch das übergeordnete Interesse, Berufsschulen in der Fläche zu erhalten. Zudem gelte es ein qualitativ hochwertiges Niveau zu sichern.

Den Wechsel der Lehrlinge auf die Berufsbildenden Schulen in Northeim betrachte der Landkreis als „unfreundlichen Akt“. Die Göttinger würden ja auch nicht ihre Schulen für Lehrlinge aus Northeim öffnen, so Riethig.

Von Michael Caspar

► Kommentar: Auf großer Fahrt

Es ist Göttinger Lehrlingen nicht zuzumuten, die Berufsschule in Hann. Münden zu besuchen, schimpften in den 90er-Jahren Kfz-Betriebe und beklagten sich bitter über die „Kinderlandverschickung“. Heute wollen Mündener Friseur-Azubis nicht nach Duderstadt fahren. Der Grund der Zumutung ist der gleiche geblieben.

Die Kommunalpolitiker des Kreistags wollen die Berufsschulen in der Fläche erhalten. Steuerten sie nicht dem Trend der demografischen Entwicklung entgegen, würden sich bald alle wichtigen Einrichtungen nur noch im Oberzentrum befinden. Das würde die Abwanderung in die Großstadt beschleunigen.

Und auch dann müssten junge Menschen fahren – aus dem Land ins Zentrum. Das sollten die Friseure bei ihrer Empörung berücksichtigen.

Michael Caspar