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Regional Friseur-Salon Müller in Göttingen seit 225 Jahren im Geschäft
Nachrichten Wirtschaft Regional Friseur-Salon Müller in Göttingen seit 225 Jahren im Geschäft
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12:47 15.10.2018
„Modern“ und „Lifstyle“ werden von den Kunden geschätzt: Friseurmeister Axel Müller.
„Modern“ und „Lifstyle“ werden von den Kunden geschätzt: Friseurmeister Axel Müller. Quelle: Kirchhoff
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Göttingen

Müller betont: „Wir sind der älteste Friseurbetrieb in Deutschland.“

Friseuren wird nachgesagt, sie hätten immer ein offenes Ohr für ihre Kunden, da zweiseitige Mitteilsamkeit für Informationsfluss und gute Stimmung am Frisiertisch sorge. Für beste Unterhaltung mussten Spezialisten dieser Profession schon während der Gründerzeit des Unternehmens an der Prinzenstraße herhalten. Erst komponierte Wolfgang Amadeus Mozart die Musik zur Komödie „Figaros Hochzeit“ (Uraufführung in Wien: 1786), dann griff Gioachino Rossini zur Feder und brachte den „Barbier von Sevilla“ auf die komische Opernbühne (Uraufführung in Rom: 1816). Mittendrin der Schritt in die Selbstständigkeit von Johann Justus Hilcke (Eröffnung in Göttingen: 1793).

Fachhändler lange Jahre am Standort Göttinger Innenstadt aktiv – Grund ist die Universität Göttingen

In Göttingen, so Friseurmeister Axel Müller, „folgt uns keiner auf den Spuren“, kein Salon sei älter als „in dritter Generation“. Er sagt, dass es „im Odenwald einen Betrieb gibt, der etwa 15 bis 25 Jahre jünger ist als wir“. Ein Friseur wohlgemerkt. Ähnlich langjährige Präsenz sei in Göttingen nur in anderen Branchen zu finden. „Der Grund ist die Universität. Wir haben einige Betriebe, die seit 200 Jahren bestehen“, sagt Müller. Schreibwaren und Druckwaren waren zum Beispiel gefragt. Und Pelze für Profs, da so ein Muff unter dem Talar gut gegen Kälte war. Auch Perücken waren begehrt, ohne die der feine Mann der forschenden Georgia Augusta nicht so recht zur Geltung kam. Dieser Drang kam J.J. Hilcke (Jahrgang ’61) gerade recht.

1778 begann er in Göttingen seine Lehre, ging auf Wanderschaft, kehrte zurück ans Flüsschen und übernahm 1793 den Betrieb seines schwer erkrankten Meisters Knoop. Im Herbst 1808 stimmte der „General Secretair der Praefectur des Leine Departements“ für die formale Überreichung der überfälligen Gewerbeerlaubnis des seit 15 Jahren selbstständigen Perückenmachers. Jetzt war die Betriebskarriere endgültig durch Brief und Siegel auf den Weg gebracht. Firmensitz war an der Pauliner Straße, Haus 551.

Der Name Müller wird in Göttingen langsam zum Begriff

Nach dem Tod seiner ersten Frau wurden Hilcke und Gattin Nummer zwei Eltern von August Friedrich Hilcke; der Vater war fast 64 Jahre alt. Hilcke Senior starb 1837; der Junior, mittlerweile Meister, ehelichte 1856 Henriette Wilhelmine Müller, geboren im Haus 603 an der Johannisstraße – beide „kannten sich wohl von Jugend an“, hat der Chronist in seiner Jubiläumsbroschüre notiert. Das junge Paar zog ins Domizil von Hilckes verstorbener Schwiegermutter Marie Louise Müller an der Prinzenstraße. Der Herr im Haus 531 eröffnete an Ort und Stelle seinen Perückenmacher- und Friseursalon, den Kunden nach einem Wechsel zwischenzeitlich an der Buchstraße 1 betraten. Der Name Müller wurde langsam zum Begriff.

Hilcke starb 1883. Sein Neffe Adolf Müller, der in London moderne Frisurenentwicklung studierte, kehrte nach Göttingen zurück, um das Geschäft zu übernehmen. Der Name Müller war etabliert.

Altersstruktur des Teams Salon Müller an der Prinzenstraße: zwischen Anfang 20 und Anfang 50

Der Umzug zum aktuellen Firmensitz erfolgte 1907 – Haus Prinzenstraße 8. Sein Vater habe das Geschäft 1967 gründlich umgebaut, sagt Axel Müller. Auch 1997 wurde vollständig renoviert. Weiterbildung („unser Kerngeschäft“) und Veränderung, so Müller, seien die Basis für geschäftlichen Erfolg. „Wir sind einer der Betriebe, die am meisten umgebaut haben. Alle zehn bis 15 Jahre“, betont der 50-Jährige. Um Trends („zweimal im Jahr neue Moden“) und Ambiente in Einklang zu halten, hat Müller vor zwei Jahren „komplett umgebaut“ – von neuen Stühlen über neue Technik, eingezogenen Wänden bis zu neuen Optiken: „modern“ und „Lifestyle“ seien Begriffe für eine Atmosphäre, die von jungen wie älteren Kunden geschätzt werde. Entsprechend sei die Altersstruktur des Teams „von Anfang 20 bis Anfang 50“, sagt Müller. „80-Jährige oder 20-Jährige: „Alle fühlen sich bei uns wohl.“

Von Stefan Kirchhoff

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