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Regional Fusion ist in trockenen Tüchern
Nachrichten Wirtschaft Regional Fusion ist in trockenen Tüchern
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00:16 27.05.2017
Große Mehrheit: Vertreterversammlung der Volksbank Kassel stimmt für Fusion mit Göttingen. Quelle: Marks
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Kassel

Es war ein feierlicher Moment, als am Mittwoch der Aufsichtsratsvorsitzende der Kasseler Bank Claus Winneknecht  das Abstimmungsergebnis verkündete. Dieses viel mit 304 Ja-Stimmen (99,3 Prozent) und zwei Nein-Stimmen sehr deutlich für das Vorhaben aus, die beiden Banken, Kasseler Bank sowie die Volksbank Göttingen zu verschmelzen. Unter den Gästen waren auch die Vorstände der Volksbank Göttingen Markus Bludau und Hans-Christian Reuß. Sowie Vertreter des Aufsichtsrates aus Göttingen.  Nachdem die Göttinger Vertreterversammlung bereits am 8. Mai deutlich für das Vorhaben votiert hatte, ist somit die Verschmelzung beider Banken rückwirkend auf den 1. Januar 2017 beschlossen. 

Nach rund 120 Jahren der Eigenständigkeit (Gründung der Bank im Jahr 1896) wird somit der Name Volksbank Göttingen abgeändert in Volksbank Kassel Göttingen. Für die Göttinger Kunden wird sich nicht so viel verändern. Für die der Kasseler Bank hingegen mehr, denn  mit der Fusion wird sich auch das Erscheinungsbild der Bank grundlegend wandeln. Die Farben Gelb und Grau werden verschwinden und dem bekannten Orange-Blau der Volksbanken-Gruppe weichen. 

"Wir sind sicher, dass sich die Realisierung dieses Zusammenschlusses äußerst positiv auf die Marktstellung der genossenschaftlichen Bankengruppe auswirken wird", sagt der Vorstandsvorsitzende der Kasseler Bank, Martin Schmitt.   Die übernehmende Bank ist die 1863 gegründete Kasseler Bank mit einer Bilanzsumme von rund 2 Milliarden Euro . Die Volksbank Göttingen verfügt über eine Bilanzsumme von 738 Millionen Euro sowie 22000 Mitglieder. Die neue Bank hat eine Bilanzsumme von 2,77 Milliarden Euro, 58682 Mitglieder, 39 Filialen und 606 Mitarbeiter.Betriebsbedingte Kündigungen wird es wegen der Fusion nicht geben. "Wir brauchen jeden Mann an Bord", versicherte Schmitt. Klar sei aber, dass mit Blick auf die Verschmelzung beider Banken einige Stellen überflüssig werden, weil Abteilungen zusammengefasst werden. Diese Stellen sollen mittels natürlicher Fluktuation abgebaut werden. An der Spitze der neuen Bank bleiben die bisherigen Vorstandsmitglieder der Kasseler Bank Martin Schmitt, Wolfgang Osse, Volker Stern sowie der Volksbank Göttingen Markus Bludau und Hans-Christian Reuß. Vorstandsvorsitzender wird weiterhin Martin Schmitt sein. Am 31. August kann nun die fusionierte Bank in das Genossenschaftsregister eingetragen werden.

Von Bernard Marks

Rückblick

Auch in Göttingen gab es eine überwältigende Zustimmung - bei 95,3 Prozent

Die Vertreterversammlung der Volksbank Göttingen hatte am 8. Mai der Fusion mit der Kasseler Bank nahezu einstimmig zugestimmt. Von 128 stimmberechtigten Vertretern stimmten im Saal des Parkhotels Ropeter 122 für ein Zusammengehen mit der Kasseler Bank. (95,3 Prozent ja) Fünf Vertreter stimmten dagegen, einer enthielt sich der Stimme.

Es könnte die letzte Vertreterversammlung der Göttinger Volksbank gewesen sein. Nach 120 Jahren der Eigenständigkeit (Gründung der Bank im Jahr 1897) stimmte die Mehrzahl der Stimmberechtigten für den Zusammenschluss mit der Kasseler Bank, dies rückwirkend auf den 1. Januar 2017. Die Erleichterung über dieses klare Ergebnis war den Vorständen beider Banken nach der Versammlung deutlich anzusehen. „Es ist ein gutes Ergebnis für uns“, kommentierte der Vorstand der Volksbank Göttingen Markus Bludau die Abstimmung. Auch Vorstand Hans-Christian Reuß zeigte sich sichtlich zufrieden. „Wir haben im Vorfeld für das Ergebnis gekämpft“, so Reuß. In den vergangenen Wochen hatten sich Vorstände und Aufsichtsräte bei Treffen mit Göttinger Vertretern der Volksbank (jeweils für 100 Mitglieder wird ein Vertreter gewählt) für die Fusion stark gemacht. „60 Prozent der Vertreter haben wir erreichen können“, so Reuß. Mit Erfolg: „Entsprechend gab es keine Wortmeldungen und damit keine Diskussion vor der Abstimmung“, betonte der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Volksbank Göttingen Carl Graf von Hardenberg zufrieden.

„Die Banken um uns herum werden größer allein schon durch das anziehende Fusionstempo. Unser Genossenschaftsverband erwartet bis 2020 eine Reduzierung ihrer Mitgliedsbanken um mehr als 30 Prozent. Gerade in Oberzentren sind Banken einer entsprechenden Gewichtsklasse gefragt, um das Kriterium Qualität glaubhaft unterlegen zu können. Eine Fusion ist also sinnvoll und dauerhaft gesehen sogar notwendig”, hatte Markus Bludau die Fusion zuvor in seiner Ansprache verteidigt. Eine neue Bank entstehe, die über die Bundesländer Niedersachsen, Hessen und Thüringen hinweg tätig sei. Diese Bank werde die größte Genossenschaftsbank zwischen Hannover und Frankfurt sein. Die neue Bank hätte eine Bilanzsumme von 2,77 Milliarden Euro, 58682 Mitglieder, 39 Filialen und 606 Mitarbeiter.

Das weitere Vorgehen wird nun zunächst von der Vertreterversammlung der Kasseler Bank abhängen. Am 24. Mai wird dabei abschließend über die Fusion entschieden. Am 31. August würde dann die fusionierte Bank in das Genossenschaftsregister eingetragen werden. Der Markenauftritt der neuen Bank wird für Göttinger Kunden weniger Veränderungen mit sich bringen als für diejenigen der Kasseler Bank. Der Name wird geändert in Volksbank Kassel-Göttingen. Das Logo erscheint wie bei der Volksbank üblich künftig in blau und orangen Farben.

Da bisher beide Aufsichtsräte über neun Mitglieder verfügten, wird in Kassel ein Mitglied und in Göttingen fünf Mitglieder im Interesse einer Zusammenführung auf eine weitere Tätigkeit im Aufsichtsrat verzichten. Der Aufsichtsrat der Volksbank Kassel-Göttingen wird neu gestellt von sechs Arbeitnehmervertreter sowie acht Mitglieder der Kasseler Bank und vier von der Volksbank Göttingen. Den Vorsitz behält bis 2020 Carl Graf von Hardenberg, der dann vom Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Kasseler Bank, Claus Winneknecht abgelöst werden soll.