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Regional Ministerium in Hannover will Futterknappheit vorbeugen
Nachrichten Wirtschaft Regional Ministerium in Hannover will Futterknappheit vorbeugen
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17:05 26.07.2019
Fühlen sich bei 20 Grad Celsius am wohlsten: Milchkühe. Quelle: dpa
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Göttingen/Northeim

„Bei uns im Schweinestall in Desingerode läuft derzeit die Sprinkleranlage, um den Tieren Kühlung zu verschaffen“, berichtet Kreislandwirt Kellner. Bis auf 40,5 Grad Celsius ist in den vergangenen Tagen die Säule im Thermometer auf dem Bauernhof gestiegen. Die Temperaturen herrschen auch im Stall. Keller füttert morgens um 5 Uhr und dann noch mal um 8.30 Uhr, wenn es noch nicht so heiß ist. Danach stört der Bauer seine Schweine nicht mehr. Sie sollen ruhig liegen.

Kühe geben weniger Milch

„Kühe fühlen sich bei einer Temperatur von 20 Grad Celsius am wohlsten“, sagt Albrecht Siegismund, der bei der Landwirtschaftskammer in Northeim die Fachgruppe Betrieb/Tier leitet. An einem solchen Tag gibt eine gute Kuh 30 Liter Milch. Wird es wärmer, sinkt die Leistung. Der Durst steigt. 80 bis 100 Liter Wasser benötigen die Tiere derzeit am Tag. Weil die Wasserleitungen die benötigten Mengen nicht hergaben, mussten im Altkreis Osterode im vergangenen Jahr Bauern Wasser in Tanks holen, erinnert sich der Agraringenieur.

Ventillator im Stall

„Für Kühlung sorgen in einigen Kuhställen Ventilatoren“, weiß Achim Hübner, der Geschäftsführer des Landvolks Göttingen. „Um die Tiere nicht unnötig zu stressen, werden sie morgens und abends langsam zu den Melkständen geführt“, ergänzt Kellner. Hält die Hitze an, ziehen einige Bauern die Reißleine und bringen schlechte Kühe zum Schlachter. Weil das andere auch tun, geht der Preis herunter, gibt Kellner zu bedenken.

2018 importierten Bauern Stroh aus Polen

„Anders als im vergangenen Jahr, als es vom Frühjahr an nicht mehr geregnet hat, ist das Grünfutter in Südniedersachsen derzeit noch nicht knapp“, berichtet Siegesmund von der Landwirtschaftskammer. „Die Ernten im Mai und Ende Juni waren nicht schlecht“, ergänzt Kreislandwirt Kellner. Allerdings wirkt die Knappheit vom Vorjahr nach. Damals holten Bauern das Stroh teilweise sogar aus Polen. „In anderen Teilen Niedersachsens, wo es deutlich mehr Milchvieh gibt als bei uns, sieht die Lage weniger entspannt aus“, berichtet Hübner vom Landvolk.

Ökologische Vorrangflächen

Um einer Futterknappheit vorzubeugen, hat das niedersächsische Landwirtschaftsministerium den Bauern am Dienstag erlaubt, die sogenannten ökologischen Vorrangflächen zu mähen und den Schnitt an die eigenen Tiere zu verfüttern. Zum Hintergrund: Landwirte, die mehr als 15 Hektar bewirtschaften, müssen einen Teil ihrer Flächen für ein Jahr brach fallen lassen. Sie dürfen dort also nichts anbauen, dürfen nicht düngen und nicht spritzen. Von Juni an ist es ihnen dann gestattet, die Fläche einmal zu schlegeln. Erst wenn die Bauern Mitte August Raps oder im September Gerste und Weizen aussäen, dürfen sie die Felder pflügen.

Gras enthält kaum noch Eiweiß

„Das überwachsene, trockene Gras, das sich jetzt Ende Juli auf Brachen ernten lässt, enthält kaum noch Eiweiß“, kommentiert Kreislandwirt Kellner die Geste des Ministeriums. Und: „So ein Futter macht die Tiere satt, aber gibt ihnen keine Energie.“ Mehr als ein „Notnagel“ könne es nicht sein, erklärt er. Landwirte in der Region haben zudem zum Teil auf den Flächen Blühstreifen angelegt. Diese Mahd lässt sich laut Kellner nicht verfüttern.

„Von der Erlaubnis aus Hannover profitieren von den 1200 landwirtschaftlichen Betrieben im Landkreis Göttingen nur jene fünf Prozent, die Ackerbau und Viehzucht betreiben“, erklärt Siegesmund von der Landwirtschaftskammer. Rund 120 Kuhbauern gibt es im Landkreis. Bisher sind bei der Kammer zehn Anträge eingegangen.

Kaum Futterreserven auf den Höfen

In Niedersachsen profitierenvon der Ausnahmeregelung des Landwirtschaftsministeriums rund 7000 Betriebe mit etwa 23 500 Hektar Brachflächen. Die Bauern dürfen die Felder mähen und das gewonnene Futter an die eigenen Tiere verfüttern. Erlaubt ist zudem eine Mahd auf Pufferstreifen zwischen Feldern und Grünland oder an Waldrändern. Viele Höfe im nördlichen und östlichen Niedersachsen haben wegen des Dürrejahres 2018 kaum Reserven. Die Mahd der Brachflächen darf nicht in Biogasanlagen genutzt werden. Den Bauern ist es zudem untersagt, das gewonnene Grünfutter zu verkaufen. Sie können es allerdings anderen Höfen kostenlos zur Verfügung stellen. Im August 2018 hatten die Landwirtschaftskammer Niedersachsen und landwirtschaftliche Beratungsorganisationen eine kostenlose Internet-Börse zur Verteilung von Viehfutter eingerichtet. Eine solche Futterbörse könnte auch in diesem Jahr wieder zur Lösung des Problems beitragen, teilt die Kammer mit.

Von Michael Caspar

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