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Regional Geflügelkonzern muss Bußgeld zahlen
Nachrichten Wirtschaft Regional Geflügelkonzern muss Bußgeld zahlen
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08:39 14.09.2011
Von Karl Doeleke
Im Skandal um amputierte Küken kommt Lohmann mit 100.000 Euro glimpflich davon. Quelle: dpa
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Hannover

Die Summe sei bereits überwiesen worden, sagte ein Sprecher des Unternehmens am Dienstag. Darüber hinaus wolle sich der Konzern nicht äußern.

Der für die Zucht zuständige Geschäftsführer wurde wegen der routinemäßigen Amputationen an Küken zu einer Geldstrafe auf Bewährung in Höhe von 50 Tagessätzen verurteilt. LTZ-Chefgenetiker Rudolf P. ist damit wegen quälerischer Tiermisshandlung schuldig. Er gilt aber nicht als vorbestraft. Das Verfahren gegen den zweiten Manager war bereits vor Monaten eingestellt worden, da er ausschließlich kaufmännische Aufgaben wahrnimmt.

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Wie es in dem Strafbefehl des Amtsgerichts Cuxhaven heißt, hat P. gegen das Tierschutzgesetz verstoßen, indem er anordnete oder zugelassen hat, dass männlichen Zuchtküken millionenfach die Kämme amputiert wurden, bei Hühnern die hinteren Zehenglieder. Die schmerzhafte Beschneidung geschah nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft allein aus wirtschaftlichen Erwägungen, nämlich zur Markierung des Geschlechts und damit zur Erleichterung der Zucht. Das ist nach dem Tierschutzgesetz verboten – dies habe P. auch gewusst. LTZ produziert in seinen Brütereien im Kreis Cuxhaven jedes Jahr vier Millionen Küken für den Weltmarkt.

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft eine doppelt so hohe Strafe beantragt, wonach P. auch vorbestraft gewesen wäre. Ihre harte Linie konnten die Ermittler jedoch nicht durchhalten, auch weil das für den Tierschutz zuständige Veterinäramt des Kreises trotz Kenntnis der Amputationen über Jahre nicht eingeschritten sei: „Die Höhe des Strafmaßes ist den Gesamtumständen, insbesondere dem Verhalten des Veterinäramtes geschuldet“, sagte der Stader Staatsanwalt Kai-Thomas Breas.

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Christian Meyer, reicht den schwarzen Peter ins Agrarministerium in Hannover weiter, das spätestens seit September 2008 von den Amputationen wusste. In einem Gutachten des dem Agrarministerium untergeordneten Landesamtes für Verbraucherschutz stand schon damals zu lesen, dass die Amputationen rechtswidrig seien. „Das Land trägt daher für das geringe Strafmaß eine erhebliche Mitverantwortung“, sagte Meyer. „Die Landesregierung hätte die illegale Praxis jederzeit per Weisung an den Kreis Cuxhaven unterbinden können.“ Stattdessen aber ließ sich das Ministerium auf einen mehr als zwei Jahre währenden „wissenschaftlichen Streit“ mit dem Kreis ein, ob die Amputationen zulässig seien.

Das hat Lohmann im Strafverfahren offenbar geholfen. Die Anwälte des Konzerns haben geltend gemacht, dass die Amputationen den Behörden seit Jahren bekannt waren. Weder der Kreis habe diese unterbunden, noch habe das Agrarministerium den Landkreis dazu angewiesen – „obwohl die Praxis der Kammkürzung den genannten Behörden bekannt war“. Erst nach Abschluss der Ermittlungen wurden die Amputationen endgültig eingestellt.

Die Tierrechtsorganisation Peta, die das Verfahren im Jahr 2008 ins Rollen gebracht hatte, reagierte enttäuscht über den Ausgang. „Die Geflügelproduktion ist nur machbar mit täglichen Straftaten oder Rechtsverstößen – ermöglicht durch niedersächsische Verwaltungsbehörden“, meinte ein Sprecher.

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