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Regional Gin, Rum und Whisky aus Worbis
Nachrichten Wirtschaft Regional Gin, Rum und Whisky aus Worbis
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19:52 18.02.2016
Von Hauke Rudolph
Kleine Kostprobe: Bernd Ehrbrecht prüft den Reifungsprozess seines Whiskys der Marke „Nine Springs“.
Kleine Kostprobe: Bernd Ehrbrecht prüft den Reifungsprozess seines Whiskys der Marke „Nine Springs“. Quelle: Rudolph
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Leinefelde-Worbis

Seit 1867 produziert die „Brauerei Neunspringe“ Bier und alkoholfreie Getränke. Jetzt befindet sich unter dem Dach des Traditionsunternehmens auch die Brennerei „No9 Spirituosen-Manufaktur“, wo in Handarbeit hochwertiger Gin, Whisky und Rum hergestellt wird.

Gespannt lässt Bernd Ehbrecht den „Nine Springs“-Single Malt Whisky im Mund hin- und herrollen. Schließlich formen sich seine Lippen zu einem zufriedenen Lächeln. Wie gerne würde er die Köstlichkeit hinunterschlucken. Aber er hält sich zurück, schließlich ist heute einer von zwei wöchentlichen Probetagen, was bedeutet, dass er noch mehrere Kostproben nehmen muss. Also spuckt er die gold-gelbe Flüssigkeit wieder aus - das nächste Fass wartet schon.

„Unsere Gerätschaften eigneten sich auch für die Herstellung von Whisky“, sagt der ehemalige Göttinger Ehbrecht, der sich in den von der Treuhand übernommenen ehemaligen VEB-Betrieb einkaufte und mittlerweile dessen alleiniger Inhaber ist, „uns fehlte nur noch ein Destillier-Gerät, die sogenannte Brennblase“. Also erstand der gelernte Bankkaufmann das Gerät - welches über eine Zolluhr verfügt, die die Branntweinsteuer zählt - und begann mit den Experimenten für die Produktion seines „Nine Springs“. Und weil der 59-Jährige ein Liebhaber edler Spirituosen ist, kamen gleich noch Gin („Wuestefeld“) und Rum („Alfred´s Trail“) dazu. Wobei Ehbrecht nicht auf Massenproduktion, sondern auf absolute Qualität setzt. Klein, aber fein, so lautet seine Devise.

Der Gin reift in Edelstahlfässern, Whisky und Rum dagegen in ausgesuchten Eichenholzfässern heran. Einige kommen direkt vom Böttcher, andere wurden bereits für die Herstellung von Sherry, Rotwein und Bourbon verwendet. Den Rum, von dem es derzeit drei verschiedene Sorten gibt, hat Ehbrechts Sohn Matthias, im Hauptberuf Forstwissenschaftler und passionierter Karibik-Fan, in Guatemala, Belize und Barbados entdeckt - im Eichsfeld erlangt das Zuckerrohr-Getränk jetzt seine endgültige Reife.

Wie viel Gin die Manufaktur pro Jahr herstellen wird, steht noch nicht fest. Beim Whisky sollen es etwa 15 000 Liter sein (zum Vergleich: von Johnnie Walker werden 170 Millionen Liter produziert), beim Rum sogar nur 2500 Liter (Bacardi: 180 Millionen Liter). „Wir liefern keine Massenware, sondern Spezialitäten“, betont Ehbrecht. Das heißt unter anderem, dass der Geschmack sich immer wieder ändern wird. Je nachdem, wie die Gerstenernte ausfällt, wird der „Nine Springs“ unterschiedliche Nuancen aufweisen, während beispielsweise ein Johnnie Walker beständig gleich schmeckt, weil die Destillateure verschiedene Whiskys stets so zusammenmixen, dass sie ein identisches Produkt ergeben.

Das Rückgrat des Unternehmens, das 32 Mitarbeiter beschäftigt, wird auch in Zukunft die Produktion von alkoholfreien Getränken (sechs Millionen Liter im Jahr) und von Bier (2,5 Millionen Liter) bilden. Die Spirituosen, deren Herstellung Ehbrecht als Mischung aus „Kunst, Handwerk und Wissenschaft“ bezeichnet, sollen ein lohnendes Zubrot sein. Im Sommer soll die erste Abfüllung der Öffentlichkeit vorgestellt werden, am 19. Juni bei einem Tag der offenen Tür.