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Göttingen: Das sind die Klimaschutzpläne der Universität und UMG 

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18:00 05.10.2021
Baustelle der Gewächshäuser am Nordcampus, die mit der Abwärme aus dem Göttinger Rechenzentrum (im Hintergrund) geheizt werden sollen.
Baustelle der Gewächshäuser am Nordcampus, die mit der Abwärme aus dem Göttinger Rechenzentrum (im Hintergrund) geheizt werden sollen. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

„Die Unternehmen Universität und Universitätsmedizin Göttingen spielen eine zentrale Rolle beim Klimaschutz der Stadt Göttingen“, sagte Prof. Norbert Lossau in seinen Eingangsworten zur Veranstaltung des Klimaschutz-Beirates, die Möglichkeiten der Energieeinsparung im Bereich Gewerbe und Industrie zum Thema hatte. Der Energieverbrauch der beiden Einrichtungen mache etwa 20 Prozent von dem der gesamten Stadt aus, bei der Emission von Treibhausgasen seien es 15 Prozent. „Wir haben ein klares Ziel ausgegeben: Klimaschutz und Klimaneutralität“, so der Vizepräsident für Digitalisierung und Infrastruktur an der Georgia Augusta.

Deshalb hätten Uni und UMG bereits zwei Bereiche mit großem Einsparpotenzial identifiziert: Zum einen sei das die Mobilität, also Dienstreisen, zum anderen die Energieversorgung. Die Diskussion, welche Reisen notwendig seien und welche nicht, werde bereits geführt, verriet Lossau. Der neue Präsident der Universität, Metin Tolan, habe bereits gefordert, Dienstreisen um die Hälfte zu reduzieren – ob das möglich sei, werde sich zeigen, meinte Lossau. Dies sei aber ein Bereich, den man selbst in der Hand habe, im Gegensatz zum öffentlichen Personennahverkehr. Auch dort gäbe es sicherlich Potenzial für den Klimaschutz – aber „das können wir nicht allein steuern“. Dieses Thema wolle man gemeinsam mit dem Rat der Stadt und der neuen Oberbürgermeisterin angehen.

Lobbyarbeit für Gebäudesanierung

Prof. Norbert Lossau, Vizepräsident der Göttinger Universität Quelle: Tobias Christ

Ein „herausforderndes Thema“ sei die Energieversorgung, betonte der Vizepräsident der Göttinger Universität. Denn ein Großteil der Uni-Gebäude stammten aus den 1970er-Jahren. Um diese umweltfreundlicher zu gestalten, seien Sanierungen nötig. „Wir leisten bereits Lobbyarbeit dafür“, sagte Lossau. Gemeinsam mit dem Klimaschutz-Beirat habe die Universität ein Schreiben formuliert und an die Landesregierung gesandt. Denn: Eine energie- und klimaeffiziente Sanierung der Gebäude wäre mit immensen Kosten verbunden. „Wir würden uns im Rahmen von einer halben Milliarde Euro bewegen“, erläuterte Lossau. Ohne Fördergeld sei das nicht zu stemmen. „Das wird kein Selbstläufer.“

In den nächsten zwei Jahren wolle man an der Georgia Augusta untersuchen, in welchen Bereichen erneuerbare Energien eingesetzt werden können. Fakt sei: Uni und UMG emittieren zusammen etwa 100 000 Tonnen CO2 – pro Jahr. Konkrete Untersuchungen, welche Gebäude wie viel davon produzieren, gebe es aber noch nicht. Allerdings sei jedem klar, dass die Gewächshäuser einen Anteil daran hätten, so Lossau weiter. „Auch deshalb bauen wir die ja gerade neu“, sprach er das Projekt im Nordbereich der Universität an.

Zum Hintergrund

„Die Themen Klimaschutz und Energieeinsparung sind derzeit in aller Munde. Die Bundesregierung hat ein Klimaschutzgesetz verabschiedet, dass nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts noch nachgebessert und konkretisiert werden muss, die EU hat sich weitreichende Klimaziele gesetzt und die Beratungen zu Gesetzesänderungen auch auf EU-Ebene angestoßen. Eine CO2-Steuer führt bereits jetzt zu einem Anstieg der Energiekosten“ erklärt Nils König, einer der Vorstände des Göttinger Klimaschutz-Beirats, „deshalb werden in allen wirtschaftlichen Sektoren Maßnahmen zur Energieeinsparung und Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien nötig sein, um die Klimaziele zu erreichen“. Der Klimaschutz-Beirat Göttingen ist ein 27-köpfiges Gremium mit Mitgliedern aus allen gesellschaftlichen Bereichen, das die Stadt Göttingen bei Fragen des Klimaschutzes und der Umsetzung des Klimaplans der Stadt berät und unterstützt. Mehrere Arbeitsgruppen beschäftigen sich dabei unter anderem mit Themenkomplexen wie Mobilität, Erzeugung erneuerbarer Energien, Bauen und Wohnen, Wissenschaft, Ernährung und Konsum.

Direkt gegenüber der derzeitigen Fauna-Baustelle befindet sich das neue Rechenzentrum der GWDG und Uni. Dieses ist bereits unter neuesten Energiestandards errichtet worden. So wird bei der Kühlung der Rechner auf verschiedene Konzepte gesetzt. Im Obergeschoss etwa werde die Temperatur mit einem Klappen- und Filtersystem aus der Außenluft reguliert, in den Untergeschossen wird auf Wasserkühlung gesetzt. Zudem gibt es einen Eisspeicher, der dabei helfen soll, den Energieverbrauch so gering wie möglich zu halten. Die Abwärme der Rechner verpufft ebenfalls nicht nutzlos: Damit sollen die nahegelegenen Gewächshäuser der Agrarwissenschaften später geheizt werden. Und: „Bei allen neuen Gebäuden sind Klimaanpassungsmaßnahmen inbegriffen“, so Lossau.

Von Tobias Christ