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Göttingen: Stadtwerke vernetzen den Göttinger Kauf Park mit LoRaWan

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17:45 16.07.2020
„Kauf Park“-Manager Jürgen Brunke (links) und Christian Finck von den Stadtwerken vor der Demowand: Mit LoRaWan können Daten aus verschiedensten Geräten ausgelesen werden. Quelle: Tobias Christ
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Göttingen

Der „Kauf Park“ Göttingen und die Stadtwerke kooperieren in einem „Leuchtturmprojekt“, wie es Center-Manager Jürgen Brunke bezeichnete. So setzt das Göttinger Einkaufscenter seit Anfang Juli auf die Vernetzung sämtlicher Verbrauchszähler – per LoRaWan (Long Range Wide Area Network). Die Zähler werden somit kontinuierlich überprüft und übermitteln Messwerte, die Daueranalyse hilft dem „Kauf Park“ bei der Optimierung interner Prozesse und sorgt für Energieersparnis und verringerte CO2-Emissionen.

Da die Eichfristen der Zähler im Kauf Park abgelaufen waren, hätten sie getauscht werden müssen. Die Stadtwerke hätten in Göttingen bereits 20 sogenannter LoRaWan-Gateways errichtet, die Infrastruktur und das Know-how seien also vorhanden gewesen. Deshalb habe man sich entschieden, die Zähler von den Stadtwerken zu mieten. Ausgetauscht wurden nicht nur die mit abgelaufenen Fristen, sondern alle: „Wenn, dann machen wir es gleich richtig“, sagte Brunke. Zwei weitere Gateways wurden bereits am „Kauf Park“ errichtet.

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Neue Möglichkeiten der Energieeinsparung

Mit der neuen Technologie eröffneten sich dem Shoppingcenter neue Möglichkeiten der Energie- und Kosteneinsparung: Dadurch, dass der aktuelle Energieverbrauch jederzeit auf einem Online-Dashboard ablesbar sei, bedeute das weniger Aufwand für die Techniker im Gebäude. So müssten diese nicht jeden Monat aufs Neue Schränke verrücken, hinter denen sich Zähler befinden, oder sich auf die Suche nach versteckten Messgeräten machen.

Ein weiterer Vorteil: LoRaWan ist in der Lage, Daten auch durch Wände zu verschicken. „Der Kauf Park ist im Endeffekt ein Riesen-Betonklotz, der schön verkleidet ist“, erläutert Projektmanager Christian Finck, der bei den Stadtwerken als Leiter der Abteilung Technischer Service arbeitet. Durch das Netzwerk sei es nun möglich, selbst „im hintersten Winkel der Tiefgarage“ beispielsweise den CO2 -Gehalt der Raumluft und somit deren Qualität zu messen. „Mit normalem WLAN wäre das undenkbar.“ Wird ein Grenzwert überschritten, sendet das System automatisch eine Warn-E-Mail.

LoRaWan besteht ersten Praxistest mit Bravour

Da die LoRaWan-Geräte batteriebetrieben sind, benötigen sie selbst nur wenig Energie. Im „Kauf Park“ haben die Stadtwerke 64 Wasser-, 42 Strom-, vier Gas- und 36 Wärmezähler installiert, hinzu kamen zwei CO2-Sensoren, ein Sound-Messer im Atrium sowie ein Leckage-Melder und ein Personenzähler. Alle Informationen laufen im Dashboard zusammen, dadurch können Fehlfunktionen einzelner Systeme schnell erkannt werden.

Brunke liefert ein aktuelles Beispiel: „Der Zähler der Außenbeleuchtung eines Werbeplakats hat einen linearen Verbrauch angezeigt. Tagsüber sollte das Licht dort aber aus sein.“ Somit sei schnell klar gewesen, dass dort etwas nicht stimmen konnte. Die Techniker rückten aus und erkannten: Die Abschaltautomatik war defekt. „Dass das Licht dort immer gebrannt hat, konnte man am Tag nicht erkennen“, sagt er. Das defekte Teil wurde gewechselt, die Grafik im Dashboard zeigt seitdem den zu erwartenden, abgehackten Verlauf. Eine Berechnung ergab: Im Jahr hätte das fehlerhafte Teil für einen Mehrverbrauch von 2600 Kilowatt Strom gesorgt, „das entspricht etwa einer Tonne CO2“. „Das hätte uns 800 Euro gekostet – nur an dieser einen Stelle. Wir sind gespannt, was noch kommt“, so Brunke.

Die LoRaWan-Vernetzung sei eine große Chance, meint der Center-Manager. „Wenn wir nachts die Meldung bekommen, dass wir Wasser verbrauchen, ist etwas falsch“, meint er. Bis dato sei so etwas erst bei der nächsten Abrechnung aufgefallen, nun könne man sofort reagieren. Außerdem plane die Inhaberfirma des Kauf Parks, Deka Immobilien, eine Erweiterung: So sollen die Sensoren mit der geplanten neuen Leitstellentechnik gekoppelt werden.

Was ist LoRaWan?

Das weltweit genutzte LoRaWan ist ein energieeffizientes und reichweitenstarkes Funknetz, über das Geräte und Sensoren miteinander ver- und in das „Internet der Dinge“ eingebunden werden können. Ob Kühlschrank, Rauchmelder oder Wasserzähler: Die Gegenstände können über das Internet für die selbstständige digitale Kommunikation vernetzt werden. Die Übertragung von Datenpaketen im niedrigen Frequenzbereich funktioniert uneingeschränkt über große Entfernungen und durch Wände. Ob im Keller, in der Tiefgarage – überall hat das System Empfang. Allerdings sind nur geringe Datenmengen möglich. Zudem bietet die Technologie zahlreiche Anwendungen für eine erhöhte Betriebssicherheit und ein nachhaltiges Gewerbeflächenmanagement.

Für die Stadtwerke Göttingen fungiert das Konzept im „Kauf Park“ als Pilotprojekt, mit dem zukünftig auch andere Gewerbetreibende ihr Energie- und Ressourcenmanagement optimieren können. Die Völkel Company Shopping Center Management GmbH als Betreibergesellschaft des „Kauf Parks“ hat das Projekt gemeinsam mit der Stadtwerke Göttingen AG als Technologiepartner in den vergangenen Monaten gemeinsam umgesetzt und sich damit beim Innovationspreis des Landkreises Göttingen beworben.

Sie erreichen den Autor per E-Mail an t.christ_freier_mitarbeiter@goettinger-tageblatt.de.

Von Tobias Christ