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Regional Fachbüro untersucht Katastrophen und Kriminalfälle
Nachrichten Wirtschaft Regional Fachbüro untersucht Katastrophen und Kriminalfälle
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17:00 30.08.2019
Die Göttinger Eurofins-Niederlassungsleiterin Katja Wiedner und Geschäftsführer Olaf Meyer (rechts) können weiter auf Hilfe von Rainer Hartmann (links) setzen. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Im Katastrophenmanagement der Region hat Dr. Rainer Hartmann einen festen Platz, ist gefragter Ansprechpartner von der Polizei über Feuerwehr und Staatsanwaltschaft bis zu Kommunen. Sein Fachbüro für angewandte Biologie und Geologie hat der 62-Jährige im vergangenen Jahr an die global agierende und dezentral aufgestellte Unternehmensgruppe Eurofins abgetreten, am Freitag ist er beim Sommerfest der Göttinger Niederlassung verabschiedet worden.

Umweltkatastrophen, Großbrände, Chemieunfälle, umgekippte Gewässer, Asbest und Legionellen. Zur Aufgabenpalette, die Hartmann und seine Mitarbeiter fast vier Dekaden lang abgedeckt haben, gehören Skandale und besondere Projekte im Raum Göttingen ebenso wie das Alltagsbusiness – von Baugrunduntersuchungen bis zur Belastung von Badeseen. Weitergeführt werden die Geschäfte von der Göttinger Niederlassung der Eurofins Umwelt Nord GmbH im Tonollo-Gebäude im Luttertal unter Leitung von Dr. Katja Wiedner. Die Hälfte der zehn Mitarbeiter gehörte schon zu Hartmanns Belegschaft.

Holpriger Start

Der Start in Göttingen sei nicht leicht gewesen, räumt Umwelt-Nord-Geschäftsführer Olaf Meyer ein. Ein EDV-Crash war zu überstehen, mit dem Geologie-Bereich Neuland zu betreten, an die Arbeit eines Fachbüros mit einem Schwerpunkt auf gutachterlicher Begleitung anzuknüpfen. Hartmann bleibe als selbständiger Berater und vereidigter Sachverständiger für Gefahrstoffunfälle an Bord, sagt Meyer und spricht von einer win-win-Situation. Zum Eurofins-Sommerfest eingeladen waren Partner und Kunden. Dazu gehören Abwasser- und Abfallverbände, Entsorgungsbetriebe, Labore, Institute, Ingenieurbüros, Kommunen, Wohn-, Bau- und Industrieunternehmen.

Mitarbeiter haben beim Sommerfest Geräte zur Bodenprobenentnahme vorgeführt. Quelle: Peter Heller

Hartmann betrachtet sich ebenso wie Wiedner, die in Sattenhausen mit ihrem Ehemann imkert, als aktiven Umweltschützer. Als der gebürtige Hamburger mit einem Faible für Höhlen-Kletterei wegen der Nähe zum Harz in Göttingen Biologie und Geologie studierte, vermisste er eine praxisorientierte Ausrichtung der damals trotz vieler Umweltprobleme auf Grundlagenforschung kaprizierten Universität. „Das können wir auch“, habe er sich gedacht, als die Stadt Göttingen wegen einer kleinen Hausmülldeponie ein US-Institut einschaltete. 1980 gründete Hartmann ein Fachbüro und baute ein Analytik-Labor für Boden- und Wasseruntersuchungen auf.

Giftanschlag und Asse-Gutachten

Über mangelnde Arbeit konnte der Wissenschaftler nie klagen, kam mit spannenden und spektakulären Fällen in Berührung. Beim Giftanschlag eines Göttingers auf seine Ehefrau mit Blei und Quecksilber waren seine Fachkenntnisse ebenso gefragt wie bei den Salzsäuredämpfen über einem Wohngebiet nach dem Brand eines Farbenlagers in Weende, einem Rattengiftunfall auf der Autobahn 7, Deponie-Havarien oder der giftgrün verfärbten Grone. Nach der Wende war Hartmanns Büro mit der Trassenuntersuchung zur Reaktivierung von Bahnstrecken und der Tankstellen-Modernisierung in ganz Norddeutschland befasst. Erst vor drei Monaten seien wegen Bohrarbeiten im Bereich des Atommülllagers Asse Gutachten aus den 1980er-Jahren angefordert worden, berichtet Hartmann, der damals mit der Dokumentation von Erdfällen und Pollenanalyse beauftragt war.

Die Unternehmensstruktur ist beim Sommerfest ebenso Thema gewesen wie Fachvorträge über Asbest und Legionellen. Quelle: Peter Heller

 

Hartmanns Nachfolgerin kann nicht nur auf sein umfangreiches Archiv zugreifen. Zur Göttinger Eurofins-Niederlassung mit Schwerpunkt Probenentnahme gehört ein kleines Labor für Schnellanalytik, das jetzt auch beim Sartorius-Brand gefordert war. „Die Herausforderung, bei Unfällen mit Gefahrstoffen schnell reagieren zu können, bleibt gewährleistet“, sagt Hartmann.

Von Kuno Mahnkopf

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