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Göttinger Forscher: Menschen mit Fluchthintergrund arbeiten meist unter schlechten Bedingungen

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15:00 03.05.2021
Ein junger Mann mit Fluchthintergrund arbeitet in einer Feinbechfirma. Oft arbeiten Geflüchtete in prekären Arbeitsverhältnissen.
Ein junger Mann mit Fluchthintergrund arbeitet in einer Feinbechfirma. Oft arbeiten Geflüchtete in prekären Arbeitsverhältnissen. Quelle: Jens-Ulrich Koch/dpa
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Göttingen

Niedrige Löhne und unsichere Perspektiven prägen nach Ansicht von Göttinger Wissenschaftlern die Arbeits- und Ausbildungsbedingungen vieler Flüchtlinge. Die Bereitschaft vieler Geflüchteter, eine Erwerbsarbeit aufzunehmen, sei hoch, sagte Peter Birke vom Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (Sofi) am Montag. Zugleich seien Geflüchtete jedoch vor allem in Branchen mit problematischen Arbeitsbedingungen beschäftigt, in denen im Schnitt niedrige Löhne und Gehälter gezahlt würden.

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„In den von uns untersuchten Branchen finden sich zudem vielfach prekäre Beschäftigungsverhältnisse“, fügte Birke hinzu. Die Forscher hatten die Arbeitsbedingungen von Flüchtlingen in der Fleischindustrie, im Online-Versandhandel, im Gesundheitswesen sowie in der der Metall- und Elektroindustrie untersucht.

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Gesetzgeber trägt zur Prekarität bei

Die Interviewten hätten von einer mehrfachen Prekarität berichtet, sagte Birke: „Eine oft unsichere Aufenthaltssituation wird durch prekäre Arbeits-, Unterbringungs- und Lebensverhältnisse ergänzt.“ Der Gesetzgeber habe zu dieser Entwicklung beigetragen, indem er den legalen Aufenthalt an eine umfassende Arbeitsbereitschaft von Geflüchteten geknüpft habe. Auf dieser Grundlage entstehe ein Zielkonflikt zwischen Spracherwerb, Ausbildung und Erwerbsarbeit für die Betroffenen.

„Bei vielen der von uns interviewten Geflüchteten handelt es sich um hochqualifizierte Personen“, sagte Projektmitarbeiter Thomas Stieber. Sie gingen jedoch Tätigkeiten nach, die bestenfalls als angelernt gälten. Dies weise darauf hin, dass eine Anerkennung von im Ausland erworbenen beruflichen Kenntnissen nur mit einem hohen Zeitaufwand und viel Geduld zu erreichen sei.

Von epd