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Regional Göttinger Unternehmen Lünemann kämpft mit Mini-Belegschaft ums Überleben
Nachrichten Wirtschaft Regional Göttinger Unternehmen Lünemann kämpft mit Mini-Belegschaft ums Überleben
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16:40 30.08.2019
Kämpfen für das Überleben ihres Traditionsunternehmens Lünemann: Die Betriebsratsmitglieder Ulrich Sabrowski, Dirk Gruel und Dieter Krebs (v.l.). Quelle: Mark Bambey
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Göttingen

Nach Insolvenz der Lünemann GmbH im Februar 2019 ist auch die Lünemann Stahlhandel GmbH seit drei Monaten in der vorläufigen Insolvenz. Am Montag, 2. September, soll das Insolvenzverfahren eröffnet werden. Das Göttinger Traditionsunternehmen hat enorme Einschnitte hinnehmen müssen, um eine Zukunftschance zu haben.

„Es gibt uns noch. Mich ärgert das Gerücht, dass Lünemann geschlossen ist. Wir machen weiter, allerdings mit einer kleineren Belegschaft. Auch nach der zweiten Insolvenz geben wir Mitarbeiter nicht auf“, betont Ulrich Sabrowski. Insolvenzverwalter Peter Knöpfel und der neue Inhaber und Geschäftsführer Wieland Stolle suchten nach Aussage des Lünemann-Betriebsrates intensiv nach einem neuen Investor.

„Lünemann ist mehr als eine normale Arbeitsstelle“

Das Betriebsratsmitglied ist ein Hüne, und doch lässt die schwierige Situation seine Stimme zittern. Wenn er von seiner Familie Lünemann spricht, streicht sein Handrücken immer wieder über die feuchten Augen. Wie Sabrowski zählten auch die noch knapp 30 weiteren Mitarbeiter der Lünemann Stahlhandel GmbH zu den langjährigen Lünemann-Angestellten. „Lünemann ist für die meisten von uns weit mehr als eine normale Arbeitsstelle. Wir sind fast eine Familie“, sagt der 48-Jährige. Sabrowski arbeitet seit 32 Jahren im Betrieb, er wohnt mit seiner Familie in der ehemaligen Hausmeisterwohnung direkt auf dem Betriebsgelände. Sein Kollege und Betriebsratsvorsitzender Dieter Krebs präzisiert: „Im kleinen Kreis treffen wir uns eigentlich auch regelmäßig in unserer Freizeit. Lünemann ist immer ein Thema. Wir tauschen Ideen aus und suchen nach Lösungen.“

Ein Durchbruch, der auch diesen Namen verdient hätte, ist jedoch noch nicht gelungen. Insolvenzverwalter Knöpfel bestätigte die Suche nach einem neuen Investor. Diese gestalte sich aufgrund einer noch nicht endgültig geklärten Rechtslage allerdings schwieriger als gedacht. Der Justiziar der Treugarant betonte: „Trotz Problemen mit der Anmietung des Grundstücks sind wir in Gesprächen mit Interessenten. Das Insolvenzverfahren wird nun am Montag eröffnet.“

Kämpfen für das Überleben ihres Traditionsunternehmens Lünemann: Die Betriebsratsmitglieder Ulrich Sabrowski, Dirk Gruel und Dieter Krebs (v.l.). Quelle: Mark Bambey

Belegschaft von 82 auf 30 geschrumpft

Aktuell werde der Betrieb mit noch etwa 30 Kollegen fortgeführt. Zur Erinnerung: Der neue Geschäftsführer Wieland Stolle hatte den Betrieb am 20. Mai mit 82 Angestellten übernommen. Neun Tage später stellte Stolle beim Amtsgericht Göttingen den Antrag auf Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens. „Niemand ist entlassen worden. Die Kollegen sind alle freiwillig gegangen. Wenn jemand ein gutes Angebot hatte, wurde ihm keine Steine in den Weg gelegt. Allerdings sind wir traurig über jeden ausgeschiedenen Kollegen“, unterstreicht Betriebsrat Krebs.

Die Angestellten-Erosion zieht erhebliche Einschnitte nach sich. So sagt Krebs: „Aktuell stehen wir ohne Kundenaußendienst da. Vor sechs Monaten hatten wir zehn Angestellte im Kundenaußendienst, nun ist der einzig Übriggebliebene auch noch weg.“ Ebenfalls spürbar für die Kundschaft: Die Öffnungszeiten der Lünemann Stahlhandel GmbH sind knapper. „Mit diesem Personalschlüssel können wir die ursprünglichen Zeiten nicht halten. Wir haben nun montags bis freitags von 7 bis 16 Uhr geöffnet. Sonnabends muss Lünemann geschlossen bleiben“, skizziert Sabrowski.

Stammkunde Büürma sagt Unterstützung zu

Das Lünemann-Urgestein hat trotz der zahlreichen Rückschläge auch Positives zu berichten. Normale Lagerware komme wieder ins Haus. Die Regale, die lange Zeit leer gewesen seien, würden wieder mit Waren befüllt. „Wir wollen und müssen unsere Kunden überzeugen, auch weiterhin zu uns zu kommen. Es gibt zum Glück noch viele Stammkunden, die ihr Göttinger Traditionsunternehmen auch in dieser schwierigen Zeit weiter unterstützen“, sagt Sabrowski.

Ein treuer Kunde ist zum Beispiel Sven Büürma. Der Geschäftsführende Gesellschafter der Büürma Haustechnik und Service GmbH betont, dass sein Unternehmen bereits in der dritten Generation mit Lünemann zusammenarbeite. „Uns verbindet eine sehr lange und erfolgreiche Geschäftsbeziehung. Wir werden Lünemann auch in dieser schwierigen Zeit beistehen“, sagt Büürma. Gefahren für sein Unternehmen sehe er aufgrund der finanziellen Probleme bei Lünemann nicht. „Die Zusammenarbeit mit Insolvenzverwalter Peter Knöpfel ist gut. Zahlungsziele sind allerdings enger gefasst. Jetzt heißt es, Zähne zusammenbeißen und für die Zukunft arbeiten. Lünemann verfügt über Mitarbeiter mit einem enormen Erfahrungsschatz.“ Einer von ihnen ist Sabrowski, der sanfte Hüne.

Den Autor erreichen Sie

per E-Mail an m.bambey@goettinger-tageblatt.de

oder bei Twitter: @_bambey

Von Mark Bambey

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