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Regional Göttinger Traditionsunternehmen Lünemann schließt nach 236 Jahren
Nachrichten Wirtschaft Regional Göttinger Traditionsunternehmen Lünemann schließt nach 236 Jahren
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20:14 02.12.2019
Lünemann an der Grätzelstraße schließt am 20. Dezember. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Zwei Insolvenzverfahren binnen eines Jahres waren nun doch zu viel für das Göttinger Traditionsunternehmen Lünemann. Wie Insolvenzverwalter Peter Knöpfel bestätigte, schließt der technische Fachgroßhändler mit den vier Geschäftsbereichen Stahlhandel, Haustechnik, Werkzeuge und Baubeschläge zum 20. Dezember 2019 für immer.

„Seit dem 28. November haben wir nun Gewissheit. Während der Betriebsversammlung hat Insolvenzverwalter Peter Knöpfel die Belegschaft über das Aus informieren müssen“, sagt Betriebsratsvorsitzender Dieter Krebs. 236 Jahre nach der Gründung des noch zu Jahresbeginn mehr als 80 Mitarbeiter starken Unternehmens verschwindet der Name Lünemann aus der Liste der Göttinger Unternehmen. Das Aus sei für den Betriebsratsvorsitzenden und die weiteren 21 noch angestellten Lünemann-Kollegen zwar nicht unerwartet gekommen, „der Schock sitzt aber tief, und es gab auch viele Tränen“, skizziert Krebs mit zitternder Stimme.

„Wir konnten aber keine Gewinne mehr erwirtschaften.“

Auch Insolvenzverwalter Knöpfel antwortet emotional: „Das ist wirklich dramatisch schlimm, es tut mir sehr leid für die Belegschaft. Alle Mitarbeiter haben alles dafür gegeben, die Firma am Leben zu erhalten. Der Einsatz war sensationell. Wir konnten aber keine Gewinne mehr erwirtschaften.“

Die Folgen sind laut Knöpfel ebenso dramatisch wie unumgänglich: Den 22 Lünemann-Mitarbeitern werde er zum 31. Dezember 2019 kündigen. Von Donnerstag, 5. Dezember, bis Freitag, 20. Dezember, finde nun ein Abverkauf statt. Ab 21. Dezember sei der Betrieb Lünemann geschlossen. „Im Januar wird es dann noch eine Versteigerung des mobilen Vermögens geben“, sagt Knöpfel. Dazu zählten unter anderem Fahrzeuge und Mobiliar. „Ende Januar 2020 ist dann komplett Schluss“, betont Knöpfel.

Zwei laufende Insolvenzverfahren

Betroffen mache den erfahrenen Juristen das endgültige Lünemann-Aus, da es durchaus einen Kauf-Interessenten gegeben habe, der Lünemann weiterführen wollte, so Knöpfel. Allerdings konnte Knöpfel das Betriebsgelände und die Hallen nicht verkaufen, da diese nicht Teil seines Mandats, der seit 29. Mai laufenden Insolvenz der Lünemann Stahlhandel GmbH, seien. Das andere laufende Insolvenzverfahren betrifft die Lünemann GmbH und Co. KG. Der Antrag wurde am 8. Februar 2019 beim Göttinger Amtsgericht eingereicht. Sie ist die Vorgängerin der Stahlhandel GmbH, die unter Käufer und Geschäftsführer Wieland Stolle nach nur neun Tagen Insolvenz angemeldet hatte.

Interessent Seeckts kommt nicht zum Zug

„Ich habe 2,7 Millionen Euro für das Lünemann-Gelände und die Immobilie geboten. Ich wollte das operative Geschäft fortführen. Der Gläubiger-Ausschuss votierte aber für einen anderen Kauf-Interessenten. Lünemann und mein Betrieb hätten sich super ergänzt. Wir hätten zukünftig wieder Gewinne erwirtschaften können“, sagt Stefan Seeckts. Ihm zufolge seien Gelände und Immobilie bereits so gut wie sicher an Göttinger Investoren veräußert worden. Mit seiner Firma für Bauelemente und Service ist er in Elliehausen beheimatet und langjähriger Lünemann-Kunde. Der zuständige Insolvenzverwalter Dr. Rouven Quick von der Kanzlei BBL Bernsau Brockdorff war für eine Stellungnahme am Montag nicht zu erreichen.

Eine Anmietung des Geländes und der Immobilie komme für Seeckts nicht infrage: „Wirtschaftlich ist das nur zu stemmen, wenn ich Eigentümer des Geländes und der Immobilie bin. Alles andere wäre zu riskant“, betont Seeckts.

Insolvenz-Räumungsverkaufs ab 5. Dezember

Mit dem Beginn des Insolvenz-Räumungsverkaufs am 5. Dezember startet nun also der traurige Ausverkauf des Göttinger Traditionsunternehmens. „Es gibt auf alle Waren 50 Prozent Rabatt außer auf bereits reduzierte Artikel. Eine Beratung erfolgt nicht“, skizziert Betriebsratsmitglied Ulrich Sabrowski. Und an weniger fachliche Auskünfte müssen sich Laien zukünftig wohl gewöhnen, denn mit dem Lünemann-Aus geht reichlich langjähriges Fachwissen in Göttingen verloren.

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Von Mark Bambey