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Regional „Grünes Herz“ für „großes Herz“: Verband zeichnet Biohof-Betreiber in Morigen aus
Nachrichten Wirtschaft Regional „Grünes Herz“ für „großes Herz“: Verband zeichnet Biohof-Betreiber in Morigen aus
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19:00 20.02.2020
Jörge Penk ist vom Bioland-Landesverband mit dem „Grünen Herz“ für soziales Engagement ausgezeichnet worden. Quelle: r
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Moringen

Jörge Penk, Chef eines Hofes für ökologische Erzeugnisse im regionalen Vertrieb, ist mit dem „Grünen Herz“ des Bioland Landesverbandes Niedersachsen/Bremen für besonderes soziales Engagement ausgezeichnet worden. Der Preis sei „erstmalig“ verliehen worden, so Penk. Er ist mit seinem Betrieb im Moringer Ortsteil Großenrode ansässig. „Ein entsprechendes Hofschild wird demnächst an unserem Scheunentor zu sehen sein.“

Eine Jury mit Michael Busch vom Verein Agrarsoziale Gesellschaft, Ricarda Rabe, Referentin für den kirchlichen Dienst auf dem Lande, und Kerstin Hintz aus dem Vorstand von Bioland Niedersachsen, habe sich zwischen sieben „sehr persönlichen und berührenden Bewerbungen“ entscheiden müssen, so Angelika Franz vom Verband Bioland mit. Die Jury habe „eine fast unmögliche Aufgabe“ lösen müssen. „Am liebsten hätten wir gewürfelt, um die Entscheidung nicht selber treffen zu müssen“, so Rabe.

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Preisträger Vorbild für Betriebe in der Region

Die Jury habe sich schließlich für Penk entschieden, „weil sein Einsatz für Menschen mit Behinderung weit über die eigene Betriebsgrenze hinausgeht: Die Etiketten für seine eigenen Eierpappen lässt er in den Göttinger Werkstätten drucken und stanzen, bei den Northeimer Harzweser-Werkstätten wurde eigens eine ,Klebegruppe’ gegründet, in der die Eierpappen beklebt werden. So bleibt auch noch die Wertschöpfung der Eierpappenproduktion in der Region“, so Franz. Mit dem Eierpappen-Konzept sei Penk sogar Vorbild: „Mittlerweile konnte ich es in Zusammenarbeit mit den Werkstätten schon auf mehrere andere Betriebe übertragen“, sagt der Preisträger.

Dass Menschen mit Behinderung „ihren festen Platz, sogar einen festen Arbeitsplatz, in der Außenwelt finden, ist heute eine Seltenheit“, betont Bilond-Sprecherin Franz. Penk sagt zum Alltag in seinem Betrieb: „Es ist auch nicht immer einfach, man muss schon einen Faible dafür haben.“ Allerdings könne er sich das Teamwork „gar nicht mehr anders vorstellen“.

Harz-Weser-Werke in Northeim vermitteln Kollegen auf den Biohof

Bereits seit 2014 kämen an zwei Tagen in der Woche zwei Mitarbeiter mit besonderem Betreuungsbedarf auf seinen kleinen, „aber intensiv geführten 16 Hektar-Hof mit Kartoffel- und Gemüsebau, Legehennen- und Masthähnchenhaltung in Mobilställen, Schweinen im Freiland und einer intensiven Direktvermarktung in Moringen-Großenrode“ so Franz. Die beiden seien durch die Harz-Weser-Werke in Northeim an Penk vermittelt worden, so Franz. „Sie brauchen zwar viel Aufmerksamkeit und eine engere Mitarbeiterführung als normale Angestellte“, erzählt er, „aber sie sorgen auch regelmäßig immer wieder dafür, dass einem das Herz aufgeht.“

„Seine beiden Jungs“, wie er sie „liebevoll nennt“, so Franz, würden im Betrieb bei fast allen anfallenden Arbeiten helfen – beim Kartoffelsortieren, Verpacken der Kartoffeln, Umstellen der Hühnermobile, Umsetzen der Zäune, Flies auslegen für den Kürbis- und Zucchinianbau oder Unkrauthacken im Gemüse. Penk: „Man braucht schon eine Menge Geduld und viel guten Willen. Aber zusammen haben wir bei der Arbeit oft auch eine Menge Spaß.“

Bei der Auftragsvergabe ist Fingerspitzengefühl notwendig

Dass die Arbeit auf seinem Hof relativ reibungslos erledigt werde, habe allerdings „einiges an Fingerspitzengefühl“ erfordert, so Franz. Penk betont: „Ich musste erst vorsichtig austesten, was die beiden eigentlich können. Um zu sehen, was und wie viel ich ihnen tatsächlich zumuten kann, habe ich manchmal vorsichtig das Arbeitspensum erhöht, wenn eigentlich gar nichts los war. So wusste ich dann aber in den wirklich stressigen Zeiten, was noch funktioniert und was nicht.“

Grundvoraussetzung für das Gelingen von Jobs seien „Kontinuität und Verlässlichkeit auf beiden Seiten“, so Franz. Piet und Dirk gehörten fest zum Betrieb – und der Betrieb „fest zu ihrem Leben“, habe Penk gegenüber dem Verband unterstrichen. „Einer der beiden Jungs sagt zum Beispiel nicht viel“, so Penk. „Deshalb wussten wir lange Zeit gar nicht, ob es ihm bei uns eigentlich gefällt oder nicht. Aber letztes Jahr hat er uns zu Weihnachten ein großes Holzschwein geschenkt, das er selber mit der Motorsäge geschnitzt hat. Das hat mich wahnsinnig gefreut, denn damit hat er uns auf seine Art gezeigt, wie gern er hier ist.“

Von Stefan Kirchhoff