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Regional Hald warnt: Eurokrise noch nicht ausgestanden
Nachrichten Wirtschaft Regional Hald warnt: Eurokrise noch nicht ausgestanden
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21:37 11.01.2011
Die Stadthalle war fast bis auf den letzten Platz besetzt: Zum Neujahrsempfang erschienen unter anderem zahlreiche Politiker.
Die Stadthalle war fast bis auf den letzten Platz besetzt: Zum Neujahrsempfang erschienen unter anderem zahlreiche Politiker. Quelle: Heller
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Die Sparkasse Göttingen hat 2010 das beste Ergebnis seit ihrer Fusion 1990 erzielt (Tageblatt berichtete). Doch der Vorstandsvorsitzende, Rainer Hald, mag sich vom „überschäumenden Optimismus“, der sich derzeit in der deutschen Wirtschaft ausbreitet, nicht anstecken lassen. Der Banker räumte gestern zwar ein, dass die Unternehmen vom „richtigen Produktemix im Exportangebot“ sowie den Reformanstrengungen der vergangenen Jahre profitierten. Jedoch sei die Krise noch nicht überwunden. Demnächst liefen in vielen Ländern die Wachstumsprogramme aus. Zudem hätten etliche Banken noch „toxische Unwert-Papiere“ im Depot.

Das größte Risiko ist nach Einschätzung von Hald jedoch die Staatsschuldenkrise im Euro-Raum. Probleme hätte nicht nur Griechenland, sondern auch Irland, Portugal und Spanien. Alles laufe auf die Einheitsbonität zu, bei der alle Euro-Länder für Schulden ihrer Partnerstaaten hafteten, im Klartext, die stärkste Volkswirtschaft: Deutschland. Das führe bereits zu Risikoaufschlägen bei Bundesanleihen. Die Zinsen würden steigen. Hald erwartet „Bremsspuren in der Bankenwelt“.

Der Vorstandsvorsitzende nutzte die Gelegenheit, um den zahlreich anwesenden Politikern ins Gewissen zu reden. Der Bund habe mit einer „wahren Gesetzeslawine“ auf die Finanzkrise reagiert: Bankenabgabe, Basel III, Reform der Einlagensicherung, verdeckte Ermittler gegen Bankberater. Hald: „Es ist gerade die Summe der neuen Regelungen, die eine vernünftige und erfolgreiche Geschäftspolitik in Zukunft erschweren wird.“ Scharfe Kritik äußerte er an Subventionen des Bundes an Firmen wie der Commerzbank.


„Trotz der Herausforderungen steht die Sparkasse zur Region“, betonte der Vorstandsvorsitzende. Mit einem siebenstelligen Betrag sponsere die Sparkasse Kultur, Wissenschaft und Sport. 2010 hätten mehr als 400 Einrichtungen von diesem Geld profitiert. Das passte dann zu den heiteren Tönen, die das Göttinger Symphonieorchester unter Leitung von Generalmusikdirektor Christoph-Mathias Mueller anstimmte. Medleys der Beach Boys und der Beatles erklangen. Solistin des Abends war Hanna-Lena Tilch.

Nach dem Konzert strömten die vielen Gäste ans Buffet. Die Sparkassenmitarbeiter mit ihren roten Krawatten mischten sich unter das Publikum. Zu später Stunde stießen auch die Basketballer der Ersten Bundesliga dazu, die zuvor noch ein Pflichtspiel zu absolvieren hatten.

Von Michael Caspar