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Regional Handwerksbetriebe kritisieren Kontrollpläne
Nachrichten Wirtschaft Regional Handwerksbetriebe kritisieren Kontrollpläne
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17:47 12.09.2014
Fleischermeister Arne Lange-Sebert weiß: Kontrolleure beanstanden meist nur Kleinigkeiten. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Ein vergleichbares Vorgehen plant jedoch derzeit Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne). Unter anderem Bäckereien, Konditoreien und Fleischereien sollen künftig für die Kontrollen der Lebensmittelhygiene zahlen, egal ob es Beanstandungen gibt oder nicht. Nach Einschätzung von Gliem handelt es sich um einen „Richtungswechsel“, denn nach dem Niedersächsischen Verwaltungskostengesetz sei das bisher nicht möglich.

„Das Vorgehen des Landes ist durch das Recht der Europäischen Union (EU) gedeckt“, ergänzt Isabell Dohm, die Geschäftsführerin des Landesinnungsverbandes für das Fleischerhandwerk in Niedersachen/Bremen. Schon heute werde so bei den EU-zugelassenenen Fleischereien verfahren.

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Sie machten ein Drittel der Betriebe aus. Nun solle das Modell auch auf die anderen zwei Drittel der Betriebe ausgeweitet werden. Ein Grund dafür sei, dass von den vorgeschriebenen Kontrollen derzeit nur die Hälfte vorgenommen würden. Das Land wolle mit den Mehreinnahmen – pro Kontrolle einige 100 Euro – die Stellen von bis zu 80 zusätzlichen Mitarbeitern finanzieren, hat Dohm in den Ausschusssitzungen des Landtags erfahren.

Die Falschen unter der Lupe

„Für mehr Sicherheit wird das nicht sorgen“, ist sich die Geschäftsführerin sicher. Die großen Lebensmittelskandale würden von EU-zertifizierten Betrieben verursacht, die von der Veränderung nicht betroffen seien. Jörg Osterhus, Fleischermeister in Barterode, schimpft daher über den „größten Humbug, den ich kenne“.

Dass die Falschen unter die Lupe genommen würden, meint auch Jens Hildebrand, der Obermeister der Bäckerinnung Göttingen. Ein kleiner Handwerksbetrieb könnte sich den Verkauf verdorbener Lebensmittel gar nicht erlauben. Die Kunden würden sich sofort beschweren.

„Meistens sind es Kleinigkeiten, die die Kontrolleure bei ihren jährlichen unangemeldeten Besuchen finden“, berichtet der Göttinger Fleischermeister Arne Lange-Sebert. Mal sei eine Kachel gesprungen, mal ein Bohrloch nicht mehr mit Silikon abgedeckt, oder ein Brett müsse ausgetauscht werden. Für den Göttinger Fleischer zeigt das: „Bei uns wird gearbeitet. Wir tun ja etwas nebenbei.“

Von Michael Caspar