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Regional Hochschul-Studie über Huf- und Klauenreiniger: Testgerät in Bettenrode
Nachrichten Wirtschaft Regional Hochschul-Studie über Huf- und Klauenreiniger: Testgerät in Bettenrode
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15:18 17.09.2013
Von Hanne-Dore Schumacher
Hat keine Angst vor maschineller Reinigung: Walach Horst mit Marlene Klein und Erfinder Udo Schmidt. Quelle: CH
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Bettenrode

Marlene Klein führt Horst am Zügel. Die Studentin der Agrarwissenschaften an der Universität Göttingen trainiert mit ihm und anderen Pferden auf dem Hof Bettenrode. Es geht um den Einsatz der Reinigungsmaschine, die der Landmaschinenmechaniker Udo Schmidt erfunden hat. Mit verschiedenen Gewöhnungsmethoden werden die Tiere für die Technik sensibilisiert – ohne Angst, ohne Strafe. Klein, die als studentische Hilfskraft in der Uni-Abteilung Produktionssysteme für Nutztiere im letzten Bachelor-Semester studiert, dokumentiert das Verhalten der Pferde im Rahmen des Projekts „Pathologie, Ethologie und Ökonomie beim Einsatz eines automatischen Huf- und Klauenreinigers bei Milchkühen und Pferden“.

Zucht, Haltung und Management

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Schmidts Maschine, die in großen Milchviehbetrieben bereits arbeitet, findet auch Berücksichtigung in der Dissertation von Dorothee Döhne. Sie studierte Agrarwissenschaften an der Universität Kassel (Witzenhausen) und promoviert über „Möglichkeiten und Verbesserung der Klauen-, Huf- und Fundamentgesundheit bei Milchrind und Pferd unter besonderer Berücksichtigung von Zucht, Haltung und Management“. Ein Jahr lang hat die Doktorandin den Einsatz der Maschine in Milchviehbetrieben erforscht. Am Ende dieses Jahres, so rechnet Udo Schmidt, liegen die  gesammelten Daten und Fakten vor. Dann kann er bei den Skeptikern unter den Landwirten und Pferdehaltern mit wissenschaftlichen Ergebnisse argumentieren.

"Anlage ist wirklich effektiv"

Klein hat ihre Versuchsreihe in Bettenrode im Juli gestartet. Schon nach drei Monaten sagt sie: „Die Anlage ist wirklich effektiv“. Mit Gemischen aus Spänen und Pferdeäpfeln oder Lehmboden und Steinen hat sie die Pferdehufe präpariert und die Tiere über das Laufband geschickt. Ihr Fazit: „Reinigungseffekte wurden deutlich sichtbar“.In seinen Maschinen, so ergänzt Schmidt, werde nur mit zugelassenen Pflegemittel desinfiziert und jedes Tier frisch bespritzt.

Viele Betriebe wechselten die Bäder erst nach 200 Kühen und arbeiteten noch dazu häufig mit verbotenem Kupfersulfat und Formalin. „Das ist für die Umwelt schädlich und für die Tiere einfach ätzend“, sagt der Eberhäuser, der bereits 20 Maschinen (Stückpreis 25 000 Euro) verkauft hat. Seit einem Jahr arbeitet ein Thüringer Betrieb mit 1200 Kühen mit dem Huf- und Klauenreiniger aus Südniedersachsen. Nach 6000 Betriebsstunden sei der Landwirt „top zufrieden“ und spare pro Jahr 20 000 Euro für Desinfektionsmittel. Klauenprobleme seien von 20 auf 4 Prozent gesunken, sagt Schmidt.

Tritte, blaue Flecke, Platzwunden

In ihrer Versuchsreihe untersuchen Klein und Döhne auch die Arbeitsbelastung bei manueller Reinigung der Pferdehufe. Da geht es um Rückenprobleme, aber auch um Tritte, blaue Flecke, sogar Platzwunden. Eine Minute circa dauert die manuelle Säuberung, 10 Sekunden der Lauf über die Bürsten.

Philipp Hess beobachtet die Testarbeit mit Interesse. Der Geschäftsführer des Hofes Bettenrode hat sich bereit erklärt, die Studie der Hochschulen zu unterstützen. „Man wird sehen, ob sich die Anlage auf Dauer durchsetzt“, sagt Hess, der auf seinem Gestüt rund 80 Tiere betreut. Als „tolle Geschichte“ bezeichnet der 35-jährige Landwirt, Pferdewirtschaftsmeister und Diplomtrainer die Erfindung von Schmidt, obwohl die Pflege der Pferde in Bettenrode eh schon sehr intensiv sei, wie er betont.

Mit der Vermarktung des Huf- und Klauenreinigers ist Udo Schmidt zufrieden. „Der Laden läuft rund“, sagt er. Die Studie werde den Vertrieb noch mal richtig ankurbeln.