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Regional In Scheden fallen die Mohrschen Silotürme
Nachrichten Wirtschaft Regional In Scheden fallen die Mohrschen Silotürme
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18:01 24.06.2011
Fallen in den kommenden Tagen: Die Türme des ehemaligen Futtermittelherstellers Hemo Mohr GmbH & Co. KG.
Fallen in den kommenden Tagen: Die Türme des ehemaligen Futtermittelherstellers Hemo Mohr GmbH & Co. KG. Quelle: Hinzmann
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Scheden

Firmeninhaber Frank Beißner hat das Grundstück im Mai bei einer Versteigerung erworben. Die Sparkasse Münden übernahm es nach der Insolvenz des Futtermittelherstellers, ihres Gläubigers, 2004. Sie fand aber jahrelang keinen Interessenten für die Immobilie.

„Ganz verwildert sieht es dort inzwischen aus“, berichtet Nicole Schwanebeck, die Ehefrau des neuen Eigentümers. In den Silotürmen habe es fürchterlich gestunken. Wie gut, dass gerade der Langfront-Bagger auf dem Firmenhof in Varlosen stand. Er kann sich mit seiner Schere in bis zu 42 Metern Höhe durch Stahlbeton beißen. Beißners entkernen die übrigen Gebäude. Mittelfristig müssen sie voraussichtlich ebenfalls weichen. Nur das Wohnhaus, in dem die mehr als 80-jährige Seniorchefin von Hemo wohnt, bleibt stehen. Dies hat Beißner nicht gekauft.

Was künftig auf dem Grundstück geschehen wird, ist offen, betont Nicole Schwanebeck. Sie sagt: „Es war ein Spontankauf meines Mannes. Er arbeitet seit 30 Jahren so und hat damit Erfolg.“ Auch sie finde das 60 000 Quadratmeter große Grundstück „wunderschön“. Sicher sei, dass ihr Unternehmen auch in Zukunft seinen Sitz in Varlosen behalten werde. Dort gebe es ausreichend Platz. Zusätzliche Lagerflächen würden nicht benötigt. Beißner: „Wir haben in Northeim und Imbsen Hallen.“

Erleichtert über die neuen Besitzverhältnisse zeigt sich die Schedener Bürgermeisterin Ingrid Rüngeling (Freie Wähler). Endlich komme wieder Leben in die Industrieruine. Die Gemeinde werde dem Investor entgegen kommen. Allerdings müssten ein neuer Flächennutzungsplan und ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden. Das werde mindestens sechs bis neun Monate dauern. Das Grundstück sei über die breite Bahnhofsstraße an der Schule vorbei zu erreichen. Dort werde es demnächst wohl wieder mehr Verkehr ge ben. Gebaut wurde die Immobilie 1908, als die Zucker- und Kandisfabrik Chr. Wüstefeld und Sohn ihren Sitz von Hann. Münden nach Oberscheden verlagerte. Die damaligen Inhaber suchten ein Grundstück mit Eisenbahnanschluss.

Damit konnte Scheden seinerzeit dienen. 1940 kam es zu einem spektakulären Prozess. Inhaber Richard Wüstefeld musste wegen Betrugs für zwei Jahre ins Zuchthaus. Die Firma meldete 1954 Konkurs an. Vier Jahre später übernahm Futtermittelhersteller Herbert Mohr das Gr undstück.

Seine Firma wurde 2004 zahlungsunfähig. Damals übernahm die Firma HS-Schräder das Hemo-Werk in Seevetal-Lindhorst sowie die Markenrechte des Unternehmens. Die Immobilie in Scheden steht seither leer.

Von Michael Caspar