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Regional Ottobock entwickelt Exoskelett
Nachrichten Wirtschaft Regional Ottobock entwickelt Exoskelett
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19:47 06.07.2018
Annedore Kurzweg von der Abteilung Produktentwicklung demonstriert das Exoskelett mit der Arbeit an einer Heckklappe. Quelle: Richter
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Duderstadt

„Science-Fiction-Filme haben Exoskelette bekannt gemacht“, sagt Jonas Bornmann, Forschungsingenieur beim Duderstädter Healthcare-Unternehmen Ottobock. Im Kino gäben die am Körper getragenen Stützstrukturen Leinwandhelden übermenschliche Kräfte. Die Entwicklung solcher mit Motoren und Sensoriksystemen ausgestatteten Exoskelette stünde noch am Anfang. Passive Systeme, die die Körperenergie aufnähmen und über Federn oder Gummizüge nutzten, fänden dagegen seit gut zehn Jahren Einsatz in der Medizintechnik. Sie würden zum Beispiel Schlaganfallpatienten in der Reha dabei helfen, ihre gelähmten Arme und Beine wieder zu benutzen.

Arbeitshilfe in der Produktion

„Obwohl wir aus dem Orthopädie-Bereich kommen, erschließen wir uns mit unserem neuen Exoskelett-Produkt Paexo einen ganz neuen Markt, den der industriellen Anwendungen“, berichtet Betriebswirt Sönke Rössing, Chef des im Mai gebildeten Geschäftsbereichs Ottobock Industrials. „In einem Forschungsprojekt mit Volkswagen und anderen Partnern, darunter dem Institut für Biomechanik und Orthopädie der Deutschen Sporthochschule Köln, haben wir von 2013 an ein Exoskelett entwickelt, das Produktionsmitarbeitern die anstrengende Arbeit über dem Kopf deutlich erleichtert“, sagt Ingenieur Bornmann.

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Volkswagen testet 30 Paexos in der Slowakei

„Das 1,9 Kilogramm schwere Exoskelett wird wie ein Rucksack aufgesetzt und mit Riemen am Körper befestigt“, erläutert Geschäftsführer Rössing. Würden die Arme erhoben, nähmen Schalen ihr Gewicht auf und leiteten es über eine mechanische Seilzugtechnik auf die Hüften ab. So könnten Beschäftigte lange beschwerdefrei in der sonst schnell unangenehmen Zwangshaltung arbeiten. VW teste 30 solcher Geräte derzeit drei Monate lang in einem Werk in der slowakischen Hauptstadt Bratislava. Sollte es sich dort bewähren, würden auch andere VW-Beschäftigte mit Paexo ausgestattet. Pro Automobilwerk könnten das einige 100 der 3000 bis 7000 Euro teuren Geräte sein.

Weniger krankheitsbedingte Fehltage

„Für Unternehmen wie VW rechnet sich der Einsatz der Exoskelette“, betont der Betriebswirt. Offene Stellen seien in Zeiten des Fachkräftemangels leichter zu besetzen. Beschwerdefreie Beschäftigten machten zudem deutlich weniger Fehler. Die Zahl der krankheitsbedingten Fehltage sinke. Beschäftigte blieben bis ins Alter arbeitsfähig. Bisher müssten viele aufgrund von Gesundheitsschäden, etwa durch den Verschleiß der Gelenke, vorzeitig ausscheiden.

Fast 100 Jahre Erfahrung in der Biomechanik

„Interessant ist Paexo nicht nur für die Industrie, sondern auch für Handwerker oder Logistiker“, betont Rössing. „Wir sind dabei, neben dem Exoskelett zur Entlastung von Schultergelenken und Oberarmen ähnliche Systeme auch für Tätigkeiten zu entwickeln, die Rücken und Rumpf oder die Hände, insbesondere die Daumen, belasten“, kündigt Annedore Kurzweg, Produktentwicklerin bei Ottobock Industrials, an. Das Interesse an solchen Systemen, die es seit mehr als zwei Jahren auf den Markt gebe, sei groß, sagt Rössing. Von Mitbewerbern hebe sich Ottobock durch seine fast 100-jährige Erfahrung im Bereich der Biomechanik ab.

Ottobock Industrials will wachsen

„Wir wollen wachsen“, betont der Geschäftsführer von Ottobock Industrials. Derzeit seien in seinem Geschäftsbereich sieben Leute tätig. Hinter ihnen stehe die Ottobock-Gruppe, auf deren Hilfe sie unter anderem in der Forschung und Entwicklung, der Fertigung oder im Marketing zurückgreifen könnten.

Von Michael Caspar

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