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Regional Interview: Sparkassen-Chef Rainer Hald über Hilfe und Solidarität in Göttingen und der Region
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Interview: Sparkassen-Chef Rainer Hald über Hilfe und Solidarität in Göttingen und der Region

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11:54 03.12.2020
Rainer Hald, hier beim Neujahrsempfang der Sparkasse Göttingen im Januar 2020. Das Motto lautete „Neue Wege gehen“ – das passt auch zur aktuellen Situation und zu „supportyourlocal“.
Rainer Hald, hier beim Neujahrsempfang der Sparkasse Göttingen im Januar 2020. Das Motto lautete „Neue Wege gehen“ – das passt auch zur aktuellen Situation und zu „supportyourlocal“. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Rainer Hald, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Göttingen, unterstützt die Kampagne #supportyourlocal aus Überzeugung. Im Interview mit Tageblatt-Redakteur Markus Riese verrät er, warum.

Durch „support your local“ berichtet das Tageblatt über viele Beispiele, wie Unternehmen aus der Region mit der Corona-Krise umgehen. Warum ist es aus Ihrer Sicht so wichtig, gerade auch diese Unternehmen und ihre Ideen zu unterstützen?

Die Corona-Krise trifft viele Unternehmen und Branchen hart. Viele müssen kurzfristig ihre Geschäftsmodelle anpassen, kreative Lösungen finden oder sich mit anderen zusammenschließen. Vielen Menschen wird das bewusst, wenn das eigene Lieblingsgeschäft oder die Kneipe an der Ecke plötzlich in Schwierigkeiten gerät. Aber die Menschen sind in der Krise hilfsbereit. Das haben wir zum Beispiel auch in vielen Dörfern gesehen, aus denen sich über die Jahre immer mehr Geschäfte zurückgezogen haben. Oft entstanden dann Dorfläden aus privaten Initiativen. Das Bewusstsein und das Engagement für lokale Unternehmen ist grundsätzlich da, und genau dieses Engagement möchten wir unterstützen, um die Ideen und Angebote bekannter zu machen und als Inspirationsquelle zu dienen – damit wir alle gemeinsam durch die Krise kommen.

Die Sparkasse Göttingen ist als Partner der regionalen Wirtschaft seit jeher eine Institution. Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit den vielen regionalen Partnern in diesem besonderen Jahr erlebt?

Gerade in dieser schweren Zeit suchen die Menschen Ansprechpartner, mit denen sie über ihre individuellen Probleme reden können. Die Pandemie stärkt den Zusammenhalt in der Gesellschaft, das sehen wir auch bei den Unternehmen und ihren Kunden. Branchenübergreifende Initiativen wie #supportyourlocal unterstreichen das – und sind gerade jetzt genau das richtige Zeichen. Ich denke, es ist allen klar, dass wir hier in der Region alle in einem Boot sitzen. Wer in der Lage ist, dass er andere unterstützen kann, der tut dies auch. Das gilt natürlich auch für die Sparkasse.

Der Handel, die Gastronomie, die Hotels, der Tourismus – viele Branchen sind durch Corona besonders hart getroffen. Sehen Sie dennoch Chancen, dass es für all diese Wirtschaftszweige ab 2021 wieder aufwärts gehen wird?

Natürlich hoffen wir das. Einige Branchen werden schneller wieder in Fahrt kommen, andere werden auch 2021 noch stark unter der Krise leiden. Denken Sie zum Beispiel an die Schausteller, die den absoluten Großteil ihrer Jahreseinnahmen auf Weihnachtsmärkten erwirtschaften. Überhaupt wird das Weihnachtsgeschäft nicht so, wie wir es kennen. Deshalb sollten wir jetzt alle unsere Kontakte und Netzwerke nutzen, um zur Unterstützung des regionalen Einzelhandels aufzurufen. Denn wenn der Laden um die Ecke immer mehr Kunden verliert und über kurz oder lang aufgeben muss, dann stehen nicht nur zahlreiche Arbeits- und Ausbildungsplätze auf dem Spiel. Die Geschäfte brauchen ihre Kunden, um ihre Miete zahlen zu können. Die Vermieter sind wiederum auf ihre Mieteinnahmen angewiesen, und so geht das weiter. Und vor allem: Es geht hier um Menschen, um Familien, um Existenzen. Ich persönlich kaufe übrigens sehr viel lieber beim Einzelhändler vor Ort als online, denn ich schätze die persönliche Beratung und das Einkaufserlebnis. Online mag praktisch sein, aber dem Händler in der Region gehört mein Herz. Und ich denke, das geht immer noch sehr vielen Menschen so. Das hat auch was mit gemeinsamer Lebensqualität zu tun.

Als große Sparkasse haben Sie mit Global Playern ebenso zu tun wie mit Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen. Welche Probleme sind aus Ihrer Sicht jetzt am dringendsten zu lösen? Was muss die Politik jetzt tun?

Insgesamt macht die Politik aus meiner Sicht einen guten Job. Ein paar Restriktionen sollte man vielleicht nochmal überdenken und Bürokratien abbauen. Die Überbrückungshilfen sollten so angepasst werden, dass alle betroffenen Branchen profitieren können. Noch fallen einige, die Unterstützung benötigen, durch das Raster der bisherigen Hilfspakete. Lokal wünsche ich mir auch noch mehr pragmatische Lösungen. Im Moment haben wir beispielsweise in Göttingen ausreichend Parkplätze zur Verfügung, obwohl deutlich weniger Menschen mit Bus und Bahn in die Innenstadt kommen möchten – was ja zurzeit verständlich ist. Also sollten wir in diesen Krisenzeiten temporär Anreize schaffen, Parkplätze zu nutzen. Wenn das wieder mehr Menschen in die Innenstädte bringt, dann kann das dem stationären Handel helfen. Und wir haben ja schließlich hervorragende Geschäfte vor Ort. Eine florierende Innenstadt ist auch einer der wesentlichen Standortvorteile, von dem alle – Unternehmen, Stadt, Bürger – profitieren.

Wie helfen Sie als Sparkasse selbst den betroffenen Branchen?

Wir sind natürlich auch in der Krise für unsere Kunden da. Für Unternehmen sind wir sozusagen die erste Verteidigungslinie gegen die Krise, der erste Ansprechpartner für die Überbrückungshilfen und weitere Hilfsangebote des Bundes. Als Sparkasse haben wir auch individuelle Lösungen für den Liquiditätsbedarf der Unternehmen, die auch sehr gut angenommen werden. Gerade in Krisenzeiten bewährt sich das Hausbankprinzip: Hausbanken halten auch in Krisen zu ihren Kunden. Wir sind verlässlich, flexibel und verfügen über ausreichend Kapital. Zudem kennen wir unsere Kunden, und die Kunden kennen uns. Das hilft zum Beispiel bei der schnellen Beantragung von Hilfen oder Stundungen. Gemeinsam durch diese herausfordernde Zeit zu kommen, das heißt für uns, die Region Göttingen zu unterstützen und für die Menschen da zu sein. Dazu gehört auch unser Engagement bei Pro City in Göttingen und in der Mündener Gilde. Wir fördern jedes Jahr rund 400 Projekte in allen gesellschaftlichen Bereichen. Zu dieser Verantwortung stehen wir – auch und gerade jetzt.

Sie sind auch Sponsor des Innovationspreises des Landkreises Göttingen. Hat Sie die Resonanz auf den Wettbewerb in diesem Jahr überrascht?

Nein. Unabhängig von Corona ist der Wettbewerb in den vergangenen Jahren stetig gewachsen und hat sich inzwischen bundesweit eine tolle Reputation erarbeitet. Und Corona kann eine gute Idee nicht aufhalten. Gerade jetzt entwickeln Menschen in verschiedensten Bereichen immer neue Innovationen. Corona beschleunigt sogar Innovationsprozesse und rückt bisher vielleicht weniger beachtete Lösungen in den Fokus. Denken Sie nur an Online-Meetings oder Videokonferenzen.

Von Markus Riese