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Regional Kabinett nickt Ansiedlung bei Sartorius ab
Nachrichten Wirtschaft Regional Kabinett nickt Ansiedlung bei Sartorius ab
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17:16 21.12.2018
Visualisierung eines Teils des künftigen Sartorius-Quartiers. Quelle: r
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Göttingen

Der Gesundheitscampus der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) darf sich endgültig im neuen Sartorius-Quartier zwischen Weender Landstraße und Annastraße ansiedeln. In dieser Woche gab es nach einer monatelangen Hängepartie grünes Licht der niedersächsische Landesregierung: Das Kabinett stimmte der Unterzeichnung des Mietvertrages durch die HAWK zu.

Sartorius bleibt Eigentümerin

„Die HAWK mietet für den Gesundheitscampus etwa 3000 Quadratmeter Fläche von Sartorius, und zwar im historischen Kern des Sartorius-Quartiers“, wie Sartorius-Sprecherin Petra Kirchhoff am Freitagnachmittag bestätigte. Der historische Kern bleibt demnach im Eigentum von Sartorius. Es handelt sich um das Grundstück, auf dem auch die Sheddachhalle, der Turm und zwei weitere, über 100 Jahre alte ehemalige Produktions- und Verwaltungsgebäude stehen. In direkter Nachbarschaft wird der Neubau der von Sartorius-Vorstand Joachim Kreuzburg initiierten Life Science Factory entstehen, unter anderem mit offenen Laboren und Co-Working-Spaces. Eine enge Abstimmung mit dem Projektentwickler „Hamburg Team“ soll für eine einheitliche Anmutung sorgen.

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Einzug wohl im zweiten Quartal 2020

„Der Gesundheitscampus kann seinen Betrieb in den neuen Räumlichkeiten voraussichtlich Anfang des zweiten Quartals 2020 aufnehmen, bis dahin bleibt er Mieter in den bisherigen Räumen“, erläutert Kirchhoff weiter. Schon seit 2016 ist der Gesundheitscampus Mieter in einem der historischen Gebäude. Um den Start zum Wintersemester 2016/17 auch räumlich zu ermöglichen, hatte Sartorius seinerzeit Teile seines ehemaligen Betriebsgeländes geräumt, Mitarbeiter in angemieteten Flächen untergebracht und Räume für den Hochschulbetrieb hergerichtet. In den vergangenen Monaten hatten Kreuzburg und Ottobock-Chef Hans Georg Näder ihre Pläne für das Sartorius-Quartier konkretisiert.

Die angestrebte Erweiterung und vor allem die dauerhafte Ansiedlung des Gesundheitscampus auf dem Areal waren jedoch zuletzt ins Stocken geraten. „Von der Spitze der Landesregierung gibt es klare Zusagen bezüglich einer dauerhaften Ansiedlung des Gesundheitscampus“, erklärte Kreuzburg noch Anfang November. Diese seien aber vom Mittelbau in den verschiedenen Landesverwaltungen „bislang mit Erfolg torpediert“ worden.

Kreuzburg: „Die Sache hat lange gedauert“

Mit der Zustimmung des Kabinetts ist der Weg für den längst ausgehandelten Mietvertrag mit der HAWK nun frei. „Die Sache hat lange gedauert, umso mehr aber freue ich mich, dass der Gesundheitscampus nun auch langfristig im Sartorius-Quartier verankert wird“, kommentierte Kreuzburg die Entscheidung. Für die Studierenden sei dies der bestmögliche Standort. „Mit dem Gesundheitscampus, der Life Science Factory plus den Aktivitäten von Ottobock entsteht ein toller Nukleus für Innovationen in der Gesundheitswirtschaft. Seit der Entscheidung des Kabinetts können wir auch bei der Umsetzung der Baumaßnahmen endlich wieder Vollgas geben“, so der Sartorius-Vorstandsvorsitzende.

Kroemer sieht Synergie-Potenziale

Auch Heyo K. Kroemer, Sprecher des Vorstandes der UMG, zeigte sich erfreut darüber, dass sich der Gesundheitscampus auf dem Sartorius-Gelände ansiedeln darf: „Es macht sehr viel Sinn, dass der Gesundheitscampus dort verortet wird. Er liegt in großer Nähe zu Universitätsklinikum und den Berufsfachschulen, er wird dadurch ein Standort der kurzen Wege. Das ist ein großer Vorteil für die klinischen Dozenten und die Studierenden, die zügig zu ihren Lehr- und Lernorten kommen können. Das stärkt nachhaltig die Identifikation mit dem Studienort.“ Ein weiterer Vorteil für die Campusentwicklung sei die langfristige Perspektive: „Der Campus ist ausbaufähig, es gibt genug Platz für die wachsenden Studierendenzahlen, sodass auch die nächsten Studiengänge werden einziehen können.“ Kroemer sieht außerdem die Chance für Synergien mit den Zukunftslabs von Sartorius und Ottobock in direkter Nähe. HAWK-Präsident Marc Hudy war am Freitagnachmittag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Vielfältige Pläne für das Sartorius-Areal

Auf dem Sartorius-Areal sind darüber hinaus 125 Miet- und 90 Eigentumswohnungen sowie eine Tiefgarage für 380 Fahrzeuge geplant. Der Südniedersachsen-Innovationscampus hat hier bereits Räume bezogen. Ein Hotelneubau („Freigeist & Friends“) mit 124 Zimmern und 114 Smartapartments ist ebenfalls in Planung, genau wie eine Kindertagesstätte. Ottobock will auf 2500 Quadratmetern Fläche etwa 50 Arbeitsplätze einrichten. Alle Pläne sind dem Quartier-Leitbild „Bilden – Gründen – Wohnen“ untergeordnet.

Die Idee des Gesundheitscampus

Der Anspruch des gemeinsamen Projektes Gesundheitscampus der HAWK und der UMG ist es, die Ausbildung der Gesundheitsberufe neu zu denken. Bedarfsgerechte Qualifizierungsangebote sollen bereitgestellt, durchlässige Bildungskarrieren ermöglicht werden. Der Gesundheitscampus soll attraktive Bildungswege und Beschäftigungsmöglichkeiten eröffnen und im Bestfall Arbeitskräfte dieses Sektors in strukturschwachen Regionen binden. Vorgesehen ist eine enge Zusammenarbeit der Hochschulen – untereinander, aber auch mit externen regionalen Partnern wie Klinikträgern, Wohlfahrtsverbänden und Kommunen. mr

Von Markus Riese

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