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Regional Kähler: Krise hat „den Lafontaine gemacht“
Nachrichten Wirtschaft Regional Kähler: Krise hat „den Lafontaine gemacht“
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22:44 03.01.2011
„Scheinbar zu viel Opposition und Klamauk“: Ralf O. H. Kähler kritisiert die Arbeit der Freidemokraten in Berlin.
„Scheinbar zu viel Opposition und Klamauk“: Ralf O. H. Kähler kritisiert die Arbeit der Freidemokraten in Berlin. Quelle: Heller
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Göttingen. Die Weltwirtschaftskrise, so Ralf O. H. Kähler erleichtert, habe „den Lafontaine“ gemacht, sei spurlos verschwunden. Deutschland wachse in Europa „besonders schwungvoll“. So „unerbittlich“, wie die exportabhängige Bundesrepublik durch den Abschwung „in die Tiefe gerissen“ worden sei, so stark profitiere sie derzeit von der wieder ansprungenen Auslandsnachfrage. Zur hohen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft habe auch der Abschied von den Flächentarifverträgen beigetragen.

Als „Paradoxon“ bezeichnete der Vorstandsvorsitzende jedoch den Widerspruch zwischen den positiven wirtschaftlichen Eckdaten und der politischen Stimmungslage der Nation. Die Lage des Landes habe sich 2010 „vollkommen gegenläufig“ zum Ansehen der Regierung entwickelt, obwohl die schwarz-gelben Regierungskoalition ein „gutes Zwischenergebnis“ vorlege.

Als „kluge politische Entscheidugen“ stufte der Banker die Verweigerung staatlicher Finanzhilfen für Opel, das rigide Sparpaket zum Abbau des Haushaltsdefizits, die Gesundheitsreform mit ihrem Einstieg in das Gesundheitsprämienmodell sowie die „moderate“ Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke. Dass die die FDP einen Vertrauensverlust „ohne historisches Vorbild“ erlitten hätten, kommentierte Kähler mit der Bemerkung: „Scheinbar zu viel Opposition und Klamauk, statt geräuschloser Regierungsarbeit verschrecken den Bürger.“

Der Volksbankchef nannte auch Zahlen zum Verlauf des Geschäftsjahres seines Hauses. Das ordentliche Betriebsergebnis belaufe sich für 2010 auf rund 7 Mio. Euro (2009: 7,3 Mio. Euro) und liege mit 1,07 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme über dem Durchschnittswert von 0,93 Prozent der deutschen Kreditgenossenschaften. Die Volksbank Göttingen sei mit ihrer Profitabilität „sehr zufrieden“. Der Jahresüberschuss vor Steuern von 5,4 Mio. Euro ließe das Bankhaus „vergnügt und entspannt“ ins neue Jahr starten. Das Geschäftsvolumen einschließlich der Kunden-Wertpapierdepots sei im vergangenen Jahr um 18 Mio. Euro auf 872 Mio. Euro gestiegen, während die Bilanzsumme um 13 Mio. Euro auf 700 Mio. Euro zugelegt habe. Treiber seien vor allem die Kundeneinlagen, die um 21 Mio. Euro auf 547 Mio. Euro gestiegen seien. Das Kundenkreditvolumen habe durch die Vergabe von rund 1100 neuen Krediten trotz Tilgungen in Höhe von 54 Mio. Euro (davon 10 Mio. Euro Sondertilgung) auf dem Vorjahresniveau von 377 Mio. Euro gehalten werden können. Der Aufsichtsratsvorsitzende, Volker Mallison, zeigte sich mit der Arbeit von Kähler und seinem Vorstandskollegen Markus Bludau „außerordentlich zufrieden“. Kähler: „Das treibt uns die Tränen in die Augen. Danke, danke!“

Von Michael Caspar