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Regional Katrin Adt aus Adelebsen über ihren Job als Leiterin von smart
Nachrichten Wirtschaft Regional Katrin Adt aus Adelebsen über ihren Job als Leiterin von smart
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16:20 26.02.2019
Katrin Adt, aufgewachsen in Adelebsen, ist Leiterin des Produktbereichs smart bei der Daimler AG.
Katrin Adt, aufgewachsen in Adelebsen, ist Leiterin des Produktbereichs smart bei der Daimler AG. Quelle: Daimler AG
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Göttingen

Außerdem äußert sie sich zu den Zukunftsaussichten von smart und den Anforderungen an Führungskräfte.

Tageblatt: Ihre Eltern leben nach wie vor in Adelebsen. Wie oft lässt es der Job zu, die Heimat zu besuchen?

Adt: Ich bin leider zu selten zu Besuch, was auch damit zusammenhängt, dass ich zwei Kinder im Teenageralter habe. Aber ich versuche, regelmäßig da zu sein, denn Adelebsen ist für mich ein Stück Heimat.

Studiert haben Sie in Göttingen, später auch in Portugal. Lässt die Wahl Göttingen darauf schließen, dass Sie in der Region bleiben wollten?

Das war in der Tat eine bewusste Entscheidung. Als Kind habe ich durch den Beruf meines Vaters, der im diplomatischen Dienst tätig war, viel Zeit im Ausland verbracht. Nach dem Abitur am Otto-Hahn-Gymnasium wollte ich an einem Ort studieren, den ich kenne. Später habe ich auch mein Rechtsreferendariat in Göttingen absolviert.

Dann sind Sie bereits als Kind in der Welt herumgekommen?

Ich bin in der Tat um die Welt gereist und war mit meinen Eltern in Afghanistan, Kalkutta, Genf, in der Zentralafrikanischen Republik und in Paris. Seit 1980 war unser familiärer Stützpunkt Adelebsen. Die Verbindung war der Bruder meiner Mutter, der an der Uni Göttingen tätig gewesen ist und in Adelebsen gelebt hat. Adelebsen war fortan unser Zufluchtsort.

Inwieweit hat Ihnen die Auslandserfahrung geholfen?

Ich glaube, dass ich schon ein Stück weit gelernt habe, mit unerwarteten Situationen zurecht zu kommen. Ich habe mir das nicht ausgesucht, und ich habe das Beste daraus gemacht.

Wie viele Sprachen sprechen Sie?

Neben Deutsch spreche ich Französisch und Englisch, Portugiesisch eher passiv, etwas Niederländisch und Luxemburgisch.

Wie sind Sie als Juristin zur Daimler AG gekommen?

Für die Daimler AG habe ich in Brüssel angefangen zu arbeiten. Lustig ist, dass meine erste Chefin Annette Winkler war – erst habe ich als ihre Assistentin angefangen und dann im vergangenen Jahr als Leiterin von smart ihre Nachfolge angetreten, nachdem sie in den Ruhestand gegangen ist.

Sie waren in der Daimler AG zuvor unter anderem für das Thema Personalentwicklung zuständig. Inwiefern war das für Ihre Position als smart-Leiterin von Vorteil?

Personalentwicklung hat auch etwas Handwerkliches: Welche Person ist die richtige an der richtigen Stelle zur richtigen Zeit, wer passt da drauf? Wenn man eine gute Personalentwicklung betreiben will, muss man das Geschäft verstehen: Welche Kompetenzen sind notwendig, welches sind die Herausforderungen? Das sind Fähigkeiten, die man auch in meiner jetzigen Position braucht – gerade, wenn sich das Geschäft so stark transformiert.

Was hat sich seit dem vergangenen Herbst in beruflicher Hinsicht für Sie geändert?

Ich kann die Strategie jetzt selbst entwickeln. Ich habe smart in einer Phase übernommen, in der wir uns als erster Hersteller bis 2020 zur rein elektrischen Marke transformieren. Das ist eine Riesenveränderung. Ich bin stolz darauf, mit meinem Team eine neue Ära der Mobilität einzuleiten.

Frauen in Führungspositionen sind immer noch die Ausnahme. Wie gehen Sie damit um?

Ein Thema, das mir bereits seit meiner Zeit in der Personalentwicklung am Herzen liegt. Wir sind auf einem guten Weg, da tut sich viel: der Anteil von Frauen in leitenden Positionen nimmt stetig zu. Aktuell liegt der Anteil bei 18 Prozent und bis 2020 sollen 20 Prozent aller Führungspositionen bei der Daimler AG mit Frauen besetzt sein.

Was muss man für Ihren Job mitbringen?

Man muss Lust daran haben, gestalten zu wollen, und Mut mitbringen, Entscheidungen zu treffen, die nicht unbedingt zu 100 Prozent abgesichert sind. Das andere ist zu verstehen, dass man es nicht allein schafft, sondern nur im Team.

Gibt es Orte in Südniedersachsen, die bei Ihren Besuchen in der Heimat zum Pflichtprogramm gehören?

Auf jeden Fall. Pflicht ist zum Beispiel, im Sommer nach Hemeln an die Fähre zu fahren und einen Strammen Max zu essen. Oder zu Cron & Lanz zu gehen: Wenn man einen Platz im Krönchen ergattert, hat man es so richtig geschafft. Oder im Nudelhaus ein Schnitzel mit Sahnesoße zu essen. Auch ein Besuch im Café Gartenlaube gehört dazu, und ich schaue regelmäßig im Reitstall in Adelebsen vorbei.

Reiten zählt zu Ihren Hobbys?

Ich bin in Adelebsen viel geritten. Markus Beerbaum ist in der Grundschule Adelebsen eine Klasse über mir gewesen. Als ich schon geritten bin, hat er noch Fußball gespielt. Aber ich kann mich erinnern, dass er mein Pony mit mir darauf sonntagmorgens am Zügel durch den Wald geführt hat. Da war ich acht Jahre alt. Ludger Beerbaum hat mir den ersten Springunterricht gegeben. Momentan reite ich aber nicht mehr so viel.

Später besuchten Sie das Göttinger Otto-Hahn-Gymnasium. Was waren Ihre Leistungskurse?

Französisch und Geschichte. Als drittes Prüfungsfach hatte ich Bio, als viertes Deutsch. Am IfL (heute der Göttinger Hochschulsport, Anm. der Redaktion) habe ich Modernen Fünfkampf betrieben, das hat mir großen Spaß bereitet.

Wie sind die Aussichten für smart?

smart hat 2018 ein sehr starkes Jahr gehabt, vor allem in Deutschland. Wir hatten 14 Prozent mehr Absatz als im Jahr davor. In diesem Jahr werden wir die vollständige Umstellung auf Elektroantrieb umsetzen. Das läuft sehr gut, wobei wir erst am Anfang einer Entwicklung sind. Die Zukunftsaussichten sind sehr vielversprechend.

Die Leistungsfähigkeit der Batterien wird immer wieder diskutiert. Wie ist hier der Stand?

Wir haben im smart eine Reichweite von ungefähr 160 Kilometern. Der smart-Fahrer kommt aber im Durchschnitt pro Tag auf lediglich 30 Kilometer. Natürlich sind wir vom Verbrennungsmotor andere Reichweiten gewohnt, aber wir sprechen für den smart immer von der „Reichtweite“.

Was würden Sie jungen Menschen raten?

Irgendwann kommt man zur Einsicht, dass es nicht reicht, sich nur ständig selbst zu optimieren, sondern dass man einen positiven Footprint hinterlassen will. Wichtig ist, dass man seine Zeit sinnvoll nutzt, bewusst handelt und Verantwortung übernimmt. Es gibt einen großen Unterschied zwischen Leuten, die gut, und Leuten, die exzellent sind. Das ist die Leidenschaft. Ich sage oft: Schaut nicht so sehr auf den Lebenslauf, sondern ob die Leute begeistert sind von etwas. Bei smart erlebe ich jeden Tag ein begeistertes und leidenschaftliches Team, das motiviert mich unheimlich.

Zur Person:

Katrin Adt (46) ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seit 1999, als sie in Brüssel Direktionsassistentin wurde, hat Adt unterschiedliche leitende Positionen bei der Daimler AG bekleidet, seit 2014 die des Vice President im Personalbereich. Im vergangenen Herbst wurde die Managerin, die über eine langjährige internationale Erfahrung verfügt, bei der Daimler AG Leiterin des Produktbereichs smart.

Von Eduard Warda