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Regional Kommentar: „Ball – nicht Job-Börse“
Nachrichten Wirtschaft Regional Kommentar: „Ball – nicht Job-Börse“
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17:59 20.03.2019
Kreishandwerksmeister Christian Frölich beim Handwerker- und Universitätsball Quelle: Peter Heller
Göttingen

„Ich habe einen Fehler gemacht und bedauere das sehr. Die Situation am Abend des Handwerker- und Universitätsballs habe ich einfach aus dem falschen Blickwinkel beurteilt – und kann mich dafür jetzt nur entschuldigen.“ Damit reagiert Andreas Gliem, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft auf die Kritik daran, dass er Wandergesellen keinen kostenlosen Zugang zum Universitäts- und Handwerkerball gewährt hatte.

Tatsächlich haben Andreas Gliem und Kreishandwerksmeister Christian Frölich einen Fehler gemacht, und zwar exakt mit diesem Zug.

Christoph Oppermann Quelle: Christina Hinzmann

Ein Ball ist keine Zunftveranstaltung

Es ist sehr wohl alte Sitte, Handwerkern auf der Wanderschaft Arbeit, Unterkunft und Verpflegung zuteil werden zu lassen. Das soll auch so bleiben. Das muss aber nicht die Teilnahme an einem Ball, den die Handwerker nicht einmal exklusiv nur unter sich feiern, einschließen. Um es kurz zu machen: Ein recht hochpreisiger Ball und der Auftritt wandernder Gesellen sind nicht unbedingt kompatibel. Wer als zahlender Gast solch ein Fest besucht, tut das üblicherweise mit festen Erwartungen. Die sollte man auch nicht unnötig enttäuschen. Nicht vergessen: Geplant war ein Ball, keine Zunftveranstaltung und auch keine Job-Börse.

Tradition im Betrieb – nicht im Ballsaal

Sich in der Öffentlichkeit, die die sogenannten sozialen Netzwerke bieten, jetzt zu empören, dass Gliems Umgang mit den ungebetenen Gästen deren Missachtung bedeute, ist der Heuchelei zumindest sehr nahe. Das Vorsprechen geht in aller Regel nicht bei Familienfesten von Handwerkerfamilien über die Bühne und auch nicht dann, wenn diese mit der Uni einen Ball feiern, sondern im Betrieb. Dorthin gehört diese Tradition auch.

Chance vertan?

Jetzt zurückzurudern, ist nicht der klügste Zug gewesen. Der Vorfall hätte Anlass sein können, möglicherweise ein eigenes Veranstaltungsformat oder einen neuen Treffpunkt für Handwerksgesellen auf Wanderschaft zu konzipieren. Aus nahezu jeder Situation lässt sich noch etwas Brauchbares entwickeln. Jetzt aber einen sprachlichen Rückzug anzutreten, macht nichts besser. Was geschieht im nächsten Jahr? Kommen dann eventuell noch mehr Handwerker während ihrer Wanderschaft nach Göttingen, um den Ball zu besuchen? Es dürfte schwierig sein, diese Veranstaltung in diesem Rahmen dann dauerhaft zu erhalten.

Nichts Wichtigeres

Zuletzt: Gleich, wie Gliem und Frölich sich verhalten hätten – sie hätten in der Kritik gestanden. Der „Shitstorm“ ist in Kürze auch wieder vorbei. Es bleibt aber die Frage: Gibt es keine größeren Probleme, die diese Energie und Aufregung wert gewesen wären?

Sie erreichen den Autor unter

E-Mail: c.oppermann@goettinger-tageblatt.de

Twitter: https://twitter.com/tooppermann

Facebook: https://www.facebook.com/ christoph.oppermann

Von Christoph Oppermann

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