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Regional Gliem: „Richtiges Gesetz“, Fachkräftemangel zu bekämpfen
Nachrichten Wirtschaft Regional Gliem: „Richtiges Gesetz“, Fachkräftemangel zu bekämpfen
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16:28 20.12.2018
Andreas Gliem, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft: „Wir brauchen viele Arbeiter, die Hand anlegen.“
Andreas Gliem, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft: „Wir brauchen viele Arbeiter, die Hand anlegen.“ Quelle: dpa
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„Das Gesetz ist richtig“, sagt Andreas Gliem, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Damit gebe es nun ein Instrument, den längst akut gewordenen Fachkräftemangel zu bekämpfen. Gliem hofft, dass die Hürden für ausländische Fachkraft vor allem bei deren Qualifizierung nicht zu hoch angesetzt werden. „Wir brauchen viele Arbeiter, die Hand anlegen“, sagt Gliem.

Andreas Gliem, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Quelle: r

Mit dem Gesetz will die Bundesregierung mehr Fachkräfte nach Deutschland locken und abgelehnten Asylbewerbern mit Job eine Chance auf Daueraufenthalt geben. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz sieht vor, dass die Hürden für die Einreise von Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten gesenkt werden. Wer qualifiziert ist und gut Deutsch spricht, soll auch ohne Arbeitsvertrag kommen dürfen, um sich einen Job zu suchen. Das war bisher nur für Hochschulabsolventen möglich.

Durch ein Beschäftigungsduldungsgesetz sollen gleichzeitig neue Perspektiven für gut integrierte abgelehnte Asylbewerber geschaffen werden. Mit der sogenannten Beschäftigungsduldung könnten abgelehnte Asylbewerber, die nur einen Duldungsbescheid haben, einen sichereren Aufenthaltstitel erhalten.

Mit den Neuregelungen, die ab 2020 in Kraft treten sollen und denen der Bundestag noch zustimmen muss, will die Regierung den Fachkräftemangel beheben. Dieser sei, so die Einschätzung von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD), in einigen Branchen und Regionen schon jetzt ein „Wachstumshemmnis“. Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung waren in Deutschland im dritten Quartal 1,24 Millionen Stellen unbesetzt. 2,17 Millionen Menschen waren im November arbeitslos.

Fachkräftemangel: Kaum noch jemand wolle im Bäckerhandwerk arbeiten, sagt Gliem. Quelle: dpa

Gliem plädiert für mehr Zuwanderung – gerade im demografisch schwachen Südniedersachsen. Wie viele Fachkräfte in der Region tatsächlich kann Gliem zwar nicht genau beziffern. Im Lebensmittelhandwerk gebe es aber „große Sorgen“. So wolle etwa kaum noch jemand in Bäckereien oder im Fleischerhandwerk arbeiten. „Wir haben hier längst ein Problem“, sagt Gliem. „Und zwar gewerbeübergreifend.“

Auch der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans-Peter Wollseifer, hofft, dass das geplante Einwanderungsgesetz den Mangel sehr wohl lindern werde. „Damit werden die Weichen für ein modernes Zuwanderungsrecht gestellt“, sagte der. „Allein im Handwerk weist die Bundesagentur für Arbeit 150000 fehlende Fachkräfte aus“, fügte er hinzu. Er gehe aber davon aus, dass es in Wahrheit rund 250 000 seien, da viele Betriebe ihre offenen Stellen gar nicht mehr meldeten.

Die Kommunen warnen hingegen vor großen Erwartungen an das Gesetz. „Den Fachkräftemangel in Deutschland wird das neue Gesetz nicht beheben, sondern allenfalls leicht abmildern können“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg. Es sei eine Illusion, den Personalmangel durch solche Regelungen reduzieren und die Migration beeinflussen zu können. Landsberg lobte den Willen zu einer neuen Regelung. „Deutschland ist längst ein Einwanderungsland“, unterstrich er. Allerdings werde Migration nach Deutschland keinen nennenswerten Einfluss auf den Fachkräftemangel haben.

Von Michael Brakemeier/epd/dpa

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