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Regional Kreishandwerkerschaften bleiben solo
Nachrichten Wirtschaft Regional Kreishandwerkerschaften bleiben solo
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22:34 29.02.2016
Von Sven Grünewald
Quelle: Richter
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Osterode

„Wir bleiben erst einmal selbstständig“, sagt Osterodes Kreishandwerksmeister Eberhard Eggers, „solange es die finanzielle Situation erlaubt“ – 2015 beschlossen die Obermeister der Osteroder Innungen, mit niemandem zu fusionieren. Ähnlich sieht das in Göttingen aus. Die Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen hat bereits Ende 2014 eine Resolution verabschiedet, wie man mit der Landkreisfusion im Handwerk umgehen möchte. Eine Fusion mit der Kreishandwerkerschaft Osterode kommt für die Göttinger nicht in Frage, weil dadurch hohe Sonderkosten entstehen würden: Die Kreishandwerkerschaft Osterode hat für ihre Mitarbeiter eine Zusatzversorgung zur betrieblichen Altersvorsorge über die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder abgeschlossen – eine sogenannte VBL-Beteiligung. Die Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen hat das nicht. Würden sich beide Kreishandwerkerschaften zusammenschließen und die neu entstehende Körperschaft öffentlichen Rechts die VBL-Beteiligung kündigen, wären Rückzahlungen in Höhe von mindestens 550000 Euro fällig. 

Dabei ist die Kreishandwerkerschaft Osterode zwar formal noch eine eigenständige Körperschaft öffentlichen Rechts, doch faktisch schrumpft ihr Handlungsspielraum immer stärker. 2010 musste die damalige Geschäftsführerin Roswitha Hoffmannbeck gehen, weil sie Maler schwarz beschäftigt hatte. Ein neuer Geschäftsführer wurde nicht bestellt, stattdessen wurde 2011 mit der Kreishandwerkerschaft Northeim-Einbeck eine Kooperationsvereinbarung getroffen. Seitdem leitete der Northeimer Geschäftsführer Hans-Joachim Nüsse auch die Osteroder Kreishandwerkerschaft. Einer der beiden Osteroder Mitarbeiter wechselte zudem nach Northeim. 

Eine weitere Änderung trat 2016 in Kraft: Die Osteroder Innungen hatten beschlossen, ihre Geschäftsführung nunmehr der Kreishandwerkerschaft Northeim-Einbeck zu übertragen. Damit wechselte auch die Zuständigkeit für die innungsrelevanten Angelegenheiten nach Northeim – sie machen den Löwenanteil der Arbeit einer Kreishandwerkerschaft aus. Von der Osteroder Kreishandwerkerschaft ist nur noch ein kärglicher Rest geblieben. Doch Eggers betont, dass es wichtig sei, als Ansprechpartner vor Ort zu bleiben. 

Formal können sowohl Kreishandwerkerschaften als auch einzelne Innungen zusammengehen. Zwar gilt seitens der Handwerkskammer die Faustformel „ein Landkreis, eine Kreishandwerkerschaft“, doch entsteht durch die Fusion der Landkreise kein Automatismus, der zur Fusion zwingt. Es herrscht das Freiwilligkeitsprinzip. „Aber eine Fusion ist keine Sache von heute auf morgen“, sagt Osterodes Erster Kreisrat Gero Geisslreiter. „Man muss ihr Zeit geben, sich zu entwickeln.“