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Regional Kundendaten richtig nutzen: Unternehmensberater spricht in Göttingen
Nachrichten Wirtschaft Regional Kundendaten richtig nutzen: Unternehmensberater spricht in Göttingen
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12:52 04.12.2019
Kundendaten aus dem Internet lassen sich zur Optimierung des Marketings nutzen. Quelle: Arno Burgi
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Göttingen

Kundendaten lassen sich „mit geringem Aufwand und ohne große Investitionen“ nutzen, so der Hamburger Digital-Experte Krischan Kuberzig. Am Dienstag hat er in Göttingen vor Einzelhändlern gesprochen.

„Im Handel fallen unglaubliche viele Daten an, sie werden aber gerade von inhabergeführten Geschäften oft nicht gesammelt und ausgewertet“, berichtete Kuberzig einem knappen Dutzend Gewerbetreibender. Die Volkshochschule Göttingen-Osterode hat die Veranstaltung in den Räumen der städtischen Wirtschaftsförderung GWG an der Bahnhofsallee 1b ausgerichtet. Die Daten, so der Berater, böten die Chance, mehr über die eigenen Kunden zu erfahren und sich stärker auf deren Bedürfnisse auszurichten.

Customer-Relationship-Management

Kuberzig riet zum Aufbau einer Kundendatenbank. Gegen das Angebot von Rabatten seien viele Bürger bereit, einer Firma das Recht einzuräumen, ihre Adresse und Kontaktdaten, ihr Geburtsdatum und Geschlecht zu speichern. So sei ein Geschäft in der Lage, zu erfassen, wer wann was kaufe. Diese Informationen ließen sich mit Software für das Customer-Relationship-Management nutzen, für das gezielte Gestalten von Kundenbeziehungen. Es gebe sie umsonst oder bessere Versionen für 50 bis 100 Euro im Monat.

Rückschlüsse auf das Haushaltseinkommen

„Die Software ermöglicht unter anderem automatische Mailings zu Geburts- und Feiertagen mit Gutscheinen und Sonderrabatten“, führte Kuberzig aus. Aus den Kundenumsätzen lasse sich auf das Haushaltseinkommen schließen. Sei es niedrig, könne ein Unternehmen im Marketing stärker auf Niedrigpreise setzen. Liege es hoch, mache es Sinn, in der Werbung mehr die Qualität von Produkten zu betonen. Informationen zum Einzugsgebiet seien wichtig für die Frage, wo eine Firma Werbung machen sollte. Eine Buchhandlung könne aus den gekauften Bänden auf das Bildungsniveau von Kunden schließen und die Wortwahl von Mailings darauf abstimmen.

Voraussage der Nachfrage

„Die großen Internetversandhäuser sagen auf der Basis ihrer Datensammlungen die Nachfrage von Kunden voraus und legen die entsprechenden Waren im Voraus in ihren Logistikzentren bereit“, führte der Berater aus. Die Auslieferung erfolge dann deutlich schneller. Suchwörter von Kunden auf der eigenen Internetseite würden Hinweise geben, in welche Richtung ein Unternehmen sein Sortiment entwickeln sollte.

Google-Anzeigen ermöglichen Geotargeting

„Personen, die Google Maps auf ihrem Smartphone nutzen, geben ihren aktuellen Standort preis“, erläuterte der Hamburger. Durch sogenanntes Geotargeting ließen sich mit Google-Anzeigen genau definierte Zielgruppen ansprechen, die sich in einem Radius von ein, zwei Kilometern einer Firma bewegten. So könne ein Unternehmen etwa jungen, sportinteressierten Männern Sportschuhe zu Sonderpreisen anbieten.

„Viele kleine Einzelhändler nehmen sich nicht die Zeit, diese Möglichkeiten zu nutzen“, wusste Kuberzig. „Sie sind stark eingebunden“, gab Gastgeberin Maja Eidmann-Bluhm zu bedenken. Sie leitet bei der Volkshochschule Göttingen-Osterode das Projekt „DiHa 4.0 – Digitalisierung im Handel“. Das Thema zu vernachlässigen, könne sich aber rächen, warnte der Digital-Experte: „Selbst große Unternehmen sind nicht davor geschützt, dass Start-ups, die die Chancen des Internets nutzen, an ihnen vorbeiziehen.“

Kuberzig hat beim Axel-Springer-Verlag ein Studium zum Diplom-Kaufmann absolviert und später seinen Master in Internetrecht gemacht. Nach ein paar Jahren Berufserfahrung unter anderem bei einer Unternehmensberatung machte er sich vor zehn Jahren als Berater, Trainer und Dozent im Bereich Digitalisierung selbstständig.

„DiHa 4.0 – Digitalisierung im Handel“

„Nach unseren Recherchen gibt es in Stadt und Landkreis Göttingen mehr als 450 inhabergeführte Einzelhandelsunternehmen, darunter auch Kioske und Tankstellen“, berichtet Maja Eidmann-Bluhm. Sie leitet bei der Volkshochschule Göttingen-Osterode das Projekt „DiHa 4.0 – Digitalisierung im Handel“. Mit 39 dieser Unternehmen arbeite sie zusammen. Über das DiHa-Projekt, das von der Europäischen Union und dem Bund gefördert werde, schulten sie Mitarbeiter aus dem Einzelhandel, arbeiteten an Marketingkonzepten mit und vermittelten Kontakte zu Netzwerkpartnern. Zudem richteten sie Veranstaltungen wie die mit Krischan Kuberzig aus.

„Zusammen mit Schülern der Berufsbildenden Schulen I in Northeim und Einzelhändlern haben wir einen Imagefilm erstellt, der für eine Ausbildung im Handel wirbt“, sagt Eidmann-Bluhm. Er laufe in Kinos. Die VHS setze das Projekt DiHa 4.0 gemeinsam mit zwei Verbundpartnern, der städtischen Wirtschaftsförderung GWG und dem Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen um.

Von Michael Caspar

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