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Regional Lambrecht: Damit Van Gogh nicht wellig wird
Nachrichten Wirtschaft Regional Lambrecht: Damit Van Gogh nicht wellig wird
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21:27 03.09.2009
Zeigt Messgenerationen von Lambrecht: Dirk Molthan.
Zeigt Messgenerationen von Lambrecht: Dirk Molthan. Quelle: Vetter
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„Wir haben den höchsten Auftragsbestand in der Geschichte der Firma", erklärt Dirk Molthan. Seit er im Jahr 2000 alle Firmenanteile von der Röchling KG (Mannheim) erworben hat, geht es mit der Wilh. Lambrecht GmbH bergauf. Die Geschäftsführung des Göttinger Unternehmens hatte Molthan bereits 1995 als Nachfolger von Klaus-Dieter Wyrich übernommen. Damals sei man zur Sanierung des angeschlagenen Betriebes angetreten.

Vier Firmen teilen sich heute den deutschen Markt für klimatologische Messtechnik, zwei davon sind in Göttingen - Lambrecht und Thies (Adolf Thies kam ursprünglich aus dem Hause Lambrecht). Beide Unternehmen sind gut im Geschäft. Lambrechtchef Molthan kommentiert im Jubiläumsjahr: „Es läuft rund."

Am Jahresende zahle man den Mitarbeitern eine Prämie - und das seit Jahren. 9 Mio. Euro Umsatz macht Lambrecht mit 51 Beschäftigten, im laufenden Jahr könnten es 10 Mio. Euro werden. Die Auftragsbücher sind gefüllt, sagt Molthan, öffentliche und industrielle Auftraggeber brauchen präzise Daten. „Wir ermitteln alle meteorologischen Messdaten", beschreibt der 47-Jährige das Arbeitsfeld der Göttinger und kündigt für die kommenden Jahre den bereits eingeleiteten „Umbau von der Manufaktur zur Serienproduktion" an.

Konkurrenzlos schnell

Die reine Mechanik laufe aus, moderne Elektronik sei gefragt. Bei aller Modernisierung dürfe jedoch nicht vergessen werden, dass es immer noch Mess-Standorte ohne Strom gebe. Temperatur, Feuchte, Strahlung, Strömung, Luftdruck und Wind messen die Lambrecht-Anlagen. Nummer eins weltweit sind die Göttinger mit der Messung von Wind bis zu 100 Metern pro Sekunde. Das entspreche 360 Stundenkilometern, die man in Genf gemessen habe, erklärt Molthan. Problem: Welcher Sensor steht noch bei dieser Geschwindigkeit.
Auf Schiffen finden sich Lambrecht-Instrumente, Pharmakonzerne setzen sie ein (Aufzeichnungspflicht), in Häfen werden sie verwendet (Haverie-Versicherung), auch im Bergbau sind sie unersetzlich. In Museen wird die Luftfeuchtigkeit gemessen, damit „der Van Gogh nicht wellig wird", bringt Molthan ein anschauliches Beispiel aus der Praxis.

Millionen habe man in den vergangenen fünf Jahren investiert, ohne sich zu verschulden. „Wir sind komplett eigenfinanziert", betont der aus Hann. Münden stammende Firmenchef. 10 Prozent des Umsatzes fließen Jahr für Jahr in Forschung und Entwicklung. Zeitgleich sei das Gelände im Friedländer Weg (8000 Quadratmeter) komplett kernsaniert worden, zieht Molthan Bilanz. Die Entscheidung, das Gelände in der Stadt als Firmensitz beizubehalten, sei vor fünf Jahren gefallen. 2004 habe man alle Standort-Alternativen (etwa ein Neubau im Science Park) ad acta gelegt und sich für den Friedländer Weg entschieden.

Firmengründer Wilhelm Lambrecht war der Universität eng verbunden. Er entwickelte für die Universitätswarte an der Geismar Landstraße zusammen mit dem damaligen Leiter Wilhelm Klinkerfues meteorologische Messgeräte.

Wento für Astrophysiker

Zum 150-jährigen Bestehen der Wilh. Lambrecht GmbH nun hat sich Inhaber Dirk Molthan entschlossen, dem Institut für Aerophysik eine Wetterstation zu spenden. Auf dem Dach des Gebäudes auf dem Nordcampus und in unmittelbarer Nähe der beiden Teleskope kann der Kombi-Wetter-Sensor Wento den Wissenschaftlern und Studierenden ab sofort wichtige Klimadaten liefern. Das Gerät, so erläutert Verkaufsleiter Hans-Joachim (Bruder des Geschäftsführenden Gesellschafters), ermittele sowohl Windgeschwindigkeit und Windrichtung als auch meteorologische Messwerte wie Temperatur, relative Luftfeuchte, Luftdruck und den für die Sternwarte wichtigen Taupunkt. Die Messanlage verfüge über eine elektronisch gesteuerte Sensorheizung, die Einfrieren verhindere und eine Messwertermittlung zwischen - 30 und + 70 Grad Celsius sichere. Die Werte werden direkt auf die Rechner der Astrophysiker übertragen.