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Regional Lars Mierdel ist der Mann, der den Strom hört
Nachrichten Wirtschaft Regional Lars Mierdel ist der Mann, der den Strom hört
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17:57 02.08.2011
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Göttingen

Er nimmt das Bodenmikrofon aus dem Kabelmesswagen, setzt die Kopfhörer auf und untersucht den Asphaltboden genauer. Er hat es auch ohne Mikrofon richtig wahrgenommen. Ein lautes „Tock“, ähnlich einem Schlag mit einem Trommelstock auf eine Trommel, beschreibt er: „Das bedeutet, dass hier der Fehler liegt.“ Jetzt rücken Bagger und Männer mit Schaufeln an und reißen ein Stück Asphalt auf, um das Kabel zu reparieren. Vor einigen Jahren, als die Messdiagnostik noch nicht so weit entwickelt war, mussten dazu ganze Straßenzüge aufgegraben werden.

Kabellmesswagen – Anschaffungspreis: 200 000 Euro – rücken immer dann aus, wenn irgendwo der Strom ausgefallen ist. Manchmal liegt ein Haus im Dunkeln, Straßenlaternen funktionieren nicht oder eine halbe Stadt, wie kürzlich Hannover, hat keinen Strom. „Bei dringenden Fällen fahren wir sofort los, egal ob das mitten in der Nacht ist“, sagt Mierdel.

Die Gründe für Kabelschäden sind vielfältig, meistens ist es Feuchtigkeit. „Das Material verschleißt mit der Zeit. Muffen sind beispielsweise auf 50 Jahre ausgelegt“, erklärt Mierdel. Menschen und Tiere sind weitere Faktoren. „Ein Kabel braucht prinzipiell nur angekratzt oder angestochen werden.“ Dann ist die Isolierung nicht mehr vollständig und Feuchtigkeit kann ins Kabel sichern und einen Kurzschluss verursachen. „Es kann Jahre dauern, bis ein kleiner Schnitt in der Isolierung zum Kurzschluss führt.“

Beim heutigen Einsatz leuchtet eine Straßenlaterne nicht. Der Fehler liegt zwischen einem Kabelverteilerschrank und einer Laterne. Das ist einfach festzustellen, schließlich haben die anliegenden Häuser Strom und die benachbarten Laternen sind nicht betroffen. Vor Ort nehmen Lars Mierdel und Eon Bezirksmeister Manfred Meyer die Sicherungen raus, schließen Testkabel vom Messwagen an den Sicherungskasten und sperren ihn mit Seil und Warnschild ab. „Vor allem Kinder sind neugierig, da passen wir auf“, so Mierdel.

Die Sicherungen für Häuser und die Laternen links und rechts müssen rausgenommen werde, sonst können Elektrogeräte oder Laternen kaputt gehen. „Um zu prüfen, wo der Kabelfehler liegt, jagen wir drei Kilovolt durch die Leitung zwischen Verteilerschrank und Laterne“, erklärt Mierdel. Eine Steckdose im Haushalt hat 220 Volt, ein Fünfzehntel. Die Ziel-Laterne müssen Mierdel und Meyer immer im Auge behalten. „Wenn beispielsweise ein Hund dagegen pinkelt, wenn wir gerade einen Stromstoß absetzen, ist das nicht gesund für ihn“, so Mierdel lakonisch.

Der Stromstoß bewirkt eine Reflektion, die ein Computer im Messwagen registriert und als Kurve auf dem Bildschirm anzeigt. „Da kann ich grob sehen, wo das Problem liegt und dann mit Mikrofon genauer nachschauen.“

Wenn es stark regnet, kann Mierdel das „Tock“ nicht hören, da die Tropfen zu stark prasseln. Ist der Fehler gefunden, rückt der Bautrupp an, bis wieder Strom fließt und Lampen leuchten.

Von Michael Kerzel