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Regional Lünemann GmbH stellt Insolvenzantrag
Nachrichten Wirtschaft Regional Lünemann GmbH stellt Insolvenzantrag
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18:52 08.02.2019
Die Lünemann GmbH – hier der Firmensitz an der Grätzelstraße – stellt einen Insolvenzantrag. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Das Gute vorweg: „Der Geschäftsbetrieb läuft uneingeschränkt weiter“, betonte Geschäftsführer Klaus Günther und fügte an: „Die Angestellten haben ihre Gehälter bezahlt bekommen und das bleibt auch weiterhin der Fall. Es gibt einen Sanierungsplan, den wir bereits im vergangenen Jahr erarbeitet haben und diesen schon umsetzen.“ Er habe die Belegschaft am Donnerstagabend während einer Betriebsversammlung über den unausweichlichen Gang zum Amtsgericht informiert. Diese habe die schlechte Nachricht ruhig aufgenommen. „Für viele kam es sicherlich sehr überraschend. Einige haben vielleicht aufgrund der Veränderungen durch den Sanierungsplan etwas vermutet. Doch wir wollen alle gemeinsam diese schwere Phase überstehen. Der Sanierungsplan sieht keine Einschnitte bei der Mitarbeiterzahl vor“, unterstrich Günther.

Vorläufiger Sachverwalter: Silvio Höfer von Anchor Rechtsanwälte

Die Gesellschaft wird auch weiterhin durch ihn und Torsten Sure vertreten. Unterstützt werden sie nun von der auf Sondersituationen spezialisierten Kanzlei BBL Bernsau Brockdorff: Justus von Buchwaldt und Dr. Rouven Quick agieren als Generalbevollmächtigte. Zum vorläufigen Sachwalter bestellte das Gericht Silvio Höfer von Anchor Rechtsanwälte, er begleitet und überwacht die Eigenverwaltung.

Lünemann GmbH & Co. KG

Das Unternehmen ist seit mehr als 230 Jahren ein Partner des regionalen Handwerks, der Industrie sowie der Endverbraucher. Lünemann betreibt an Standorten in Göttingen und Kassel vier Fachhandelsbetriebe für Stahl und Werkstoffe, Sanitär und Heizung, Werkzeug und Werkstattbedarf sowie Baubeschlag und Bauelemente. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 84 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Umsatz von rund 16 Millionen Euro. Zu den Kunden gehören u.a. Industrieunternehmen, Stahl- und Metallbauer, Sanitär- und Heizungsinstallateure, Bauunternehmen sowie Kommunen, Universitäten und mehrere Max-Planck-Institute.

Im Vergleich zum geläufigen Insolvenzverfahren unterscheidet sich das Verfahren in Eigenverwaltung in vier wesentlichen Punkten, wie Amtsgerichtssprecher Stefan Scherrer erläuterte. Es wird ein vorläufiger Sachwalter eingesetzt, kein vorläufiger Insolvenzverwalter. Der Sachwalter beaufsichtigt die Geschäftsführung des Unternehmens lediglich. Dieser vorläufige Sachverwalter kann eingesetzt werden, wenn die Gläubiger keine Anhaltspunkte einer Benachteiligung hätten. Zudem sei das Verfahren günstiger, weil ein Sachwalter weniger koste als ein Insolvenzverwalter.

Gehälter der Beschäftigten für drei Monate gesichert

„Wir erwarten wenig Auswirkungen des Antrags auf das laufende Geschäft, unsere Lager sind gut gefüllt, unsere Lieferanten unterstützen den Sanierungskurs und haben die Weiterbelieferung zugesichert,“ betonte Günther. Die Gehälter der Beschäftigten sind durch die sogenannte Insolvenzgeldvorfinanzierung für drei Monate gesichert.

Suche nach starkem Partner

„Da die Geschäftsführung den Antrag frühzeitig gestellt und wir ihn gut vorbereitet haben, kann der Betrieb aktuell an beiden Standorten uneingeschränkt fortgeführt werden,“ betonte Justus von Buchwaldt, Partner von BBL. „Wir haben ausreichend Zeit, den Betrieb mit Hilfe digitaler Prozesse noch effizienter aufzustellen und einen passenden Investor oder Kooperationspartner zu suchen, der dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern eine langfristige Perspektive gibt.“

BBL Bernsau Brockdorff

BBL gehört zu den bundesweit führenden Kanzleien mit klarem Fokus auf Sondersituationen - Restrukturierung, Sanierung und Insolvenz. Mit rund 200 Mitarbeitern und über 50 Anwälten ist die Kanzlei deutschlandweit an mehr als 30 Standorten präsent, zudem gibt es ein Büro in London. BBL steht für die Begleitung von Restrukturierungsprojekten zur Krisenvorbeugung und für die Beratung im Fall existenzbedrohender Situationen ebenso wie für die Begleitung von Insolvenzverfahren oder Insolvenzen in Eigenverwaltung. Viele der Projekte sind grenzüberschreitend, entsprechend umfassend ist auch das internationale Netzwerk der Kanzlei.

Lünemann habe sich erfolgreich als „Alles aus einer Hand“-Anbieter mit zusätzlichen Dienstleistungen wie Montage positioniert. Bedingt durch den zunehmenden Wettbewerb von überregionalen Anbietern und Online-Händlern waren die Umsätze zuletzt jedoch rückläufig, teilte die Kanzlei BBL mit. „Im Wettbewerb mit den großen Filialisten und Spezialisten haben wir im Einkauf erhebliche Probleme mitzuhalten. Vor diesem Hintergrund sind wir langfristig nicht allein überlebensfähig und suchen einen Investor oder Kooperationspartner. Wir haben aber noch keinen genauen Partner vor Augen“, sagte Günther.

Von Mark Bambey

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