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Regional Lünemann Stahlhandel GmbH stellt Insolvenzantrag
Nachrichten Wirtschaft Regional Lünemann Stahlhandel GmbH stellt Insolvenzantrag
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00:22 06.06.2019
Lünemann an der Grätzelstraße. Das Unternehmen hat Insolvenz angemeldet. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Das Zittern um Arbeitsplätze bei Lünemann findet kein Ende. Am Mittwoch, 29. Mai, wurde um 10 Uhr beim Amtsgericht Göttingen ein Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens der Lünemann Stahlhandel GmbH gestellt. So heißt die Nachfolgerin des Göttinger Traditionsunternehmens Lünemann GmbH & Co. KG. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist Peter Knöpfel von der Hamburger Treugarant AG bestellt worden. Diese Tageblatt-Informationen bestätigte Stefan Scherrer, Pressesprecher des Amtsgerichts Göttingen.

Nach dem tiefen Aufatmen Mitte Mai nun also der nächste Schock für die Lünemann-Belegschaft. Mit dem Verkauf an die Mimung Beteiligungs GmbH schien das Göttinger Traditionsunternehmen gerettet. Alle 75 Angestellten waren übernommen worden, und nach den hoffnungsvollen Worten der neuen Eigentümer sowie des Lünemann-Managements hatte es danach ausgesehen, als hätte Lünemann nun die nötige Liquidität, um nach der Insolvenz in Eigenverwaltung zurück in die Erfolgsspur zu kommen.

„Lünemann hat leider sehr wichtige Mitarbeiter verloren“

Nun folgte jedoch der nächste Rückschlag, den der neue Lünemann-Geschäftsführer und Chef der Mimung Beteiligungen GmbH Wieland Stolle wie folgt begründet: „Lünemann hat leider sehr wichtige Mitarbeiter verloren. Es haben um die zehn Angestellte gekündigt. Ohne dieses Fachwissen ist eine erfolgreiche Fortführung des Geschäfts nur sehr schwer möglich. Deswegen mussten wir einen Insolvenzantrag stellen.“ Doch Stolle betont kämpferisch: „Wir wollen unbedingt weitermachen.“ Insolvenzverwalter Knöpfel war für eine Stellungnahme am Montag nicht zu erreichen.

Den betroffenen Lünemann-Angestellten bleibt aktuell also nicht viel mehr als die Durchhalte-Parole des neuen Geschäftsführers. Und zudem das Wissen und die Sicherheit, dass ihr Lohn ein zweites Mal 2019 drei Monate lang durch die Zahlung des Insolvenzgeldes garantiert ist.

Trügerische Sicherheit

Trügerisch war zuvor die Sicherheit, dass Lünemann nach der Übernahme zum 20. Mai in ruhiges Fahrwasser kommt. In einer gemeinsamen Mitteilung war betont worden, dass alle vier Geschäftsbereiche Stahlhandel, Haustechnik, Werkzeuge und Baubeschläge des mehr als 230 Jahre alten Göttinger Traditionsunternehmens dauerhaft weitergeführt werden. Die Mimung Beteiligungen ist eine Gruppe von Holz-und Baustoffunternehmen mit Sitz in Nienburg (Weser). Unternehmensgründer und Geschäftsführer Stolle versprach sich vor allem Synergien im gemeinsamen Einkauf und hatte unterstrichen: „Mit Lünemann stoßen wir im Stahl- und Werkzeughandel in eine neue Dimension vor.“

Über den neuen Eigentümer und den vermeintlich erfolgreich umgesetzten Sanierungsplan in Eigenverantwortung hatte damals auch die Kanzlei BBL Bernsau Brockdorff nur positive Worte gefunden. „Wir konnten das Unternehmen in den vergangenen Monaten erfolgreich stabilisieren. Dank des neuen Eigentümers ist die Zukunft von Lünemann nun auch längerfristig gesichert,“ hatte Justus von Buchwaldt betont. Die Kanzlei BBL Bernsau Brockdorff hatte die Lünemann-Geschäftsführung seit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverantwortung im Februar unterstützt.

Seit dem 29. Mai hat nun der vorläufige Insolvenzverwalter Peter Knöpfel das alleinige Sagen. Denn im Unterschied zu einem Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung wird die Geschäftsführung nun nicht mehr nur beaufsichtigt.

Mehr als 230 Jahre Lünemann

Das Unternehmen ist seit mehr als 230 Jahren ein Partner des regionalen Handwerks, der Industrie sowie der Endverbraucher. Lünemann betreibt an Standorten in Göttingen und Kassel vier Fachhandelsbetriebe für Stahl und Werkstoffe, Sanitär und Heizung, Werkzeug und Werkstattbedarf sowie Baubeschlag und Bauelemente. Das Unternehmen beschäftigte bis kurz vor der Insolvenz in Eigenverwaltung 84 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Umsatz von rund 16 Millionen Euro. Zu den Kunden gehören unter anderem Industrieunternehmen, Stahl- und Metallbauer, Sanitär- und Heizungsinstallateure, Bauunternehmen sowie Kommunen, Universitäten und mehrere Max-Planck-Institute.

Von Mark Bambey

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