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Regional Mädchen für technische Berufe gewinnen
Nachrichten Wirtschaft Regional Mädchen für technische Berufe gewinnen
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15:01 09.03.2012
Erfordert Fingerfertigkeit: Merve Aydin und Anna-Lena Güldenbeck an der Werkbank.
Erfordert Fingerfertigkeit: Merve Aydin und Anna-Lena Güldenbeck an der Werkbank. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Die Herstellung eines kleinen Werkstückes steht im Zentrum der Projekttage Technik, die die Agentur für Arbeit finanziert und in Kooperation mit der GUF ins Leben gerufen hat. Zur Wahl stehen den Schülern unter anderem das Schweißen einer Vase, die Herstellung einer Metallsäge und die computergestützte Anfertigung eines Würfels oder Kreisels. Die Lichterkette auf dem herzförmig verbogenem Kupfer ist aber laut GUF-Geschäftsführer Stefan Richers das beliebteste Werkstück, gerade bei den Mädchen.

Von den Werkstätten der GUF geht es in die Betriebe, wo die Schüler die Arbeit „im Echtbetrieb“ kennenlernen sollen, erläutert Richers. Dafür öffnen Mitgliedsunternehmen des Göttinger Verbandes Measurement Valley ihre Tore.

Grund für die Aktion: In den technischen Berufen herrscht Fachkräftemangel. Vor allem junge Frauen interessieren sich aber nach wie vor kaum für diesen Bereich, weiß die Beauftragte für Chancengleichheit von der Agentur für Arbeit, Helga Thierolf. Sie hat das Projekt in Göttingen mitinitiiert.

Situation ändern

Die Zahl der jungen Frauen, die in technischen Berufen arbeiten, sei „verschwindend gering.“ Seit Jahrzehnten verändere sich die Liste der zehn am häufigsten ergriffenen Berufe bei den Frauen kaum, erzählt Thierolf. Ganz vorn rangieren Büroberufe, der Verkauf und die Arbeit als medizinische Fachangestellte – Jobs, in denen weniger verdient wird als im technisch-gewerblichen Bereich. An dieser Situation will Thierolf etwas ändern. Die Jugendlichen sollen ihr Berufswahlspektrum erweitern, gerade die Mädchen, fordert sie.

Bisher richteten sich die Projekttage an die Acht- und Neuntklässler der Voigt-Realschule und der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Göttingen. Die Teilnahme ist dort Pflicht. 150 Schüler haben bisher mitgemacht. Noch drei Termine in diesem Jahr soll es für die Schüler geben. Geht es nach den Initiatoren, soll die Kooperation auch auf andere Schulen ausgeweitet werden.

An den GUF-Werkbänken arbeiten Mädchen und Jungen getrennt voneinander. Die Begründung: Es soll keine Konkurrenz entstehen. „Der erste Kontakt mit dem handwerklichen Teil soll frei von allen negativen Einflüssen erfolgen“, betont Richers. Etwas verrät er aber doch: Wenn es um Feinmotorik geht, seien die Mädchen den Jungen oft überlegen. Das bestätigt auch der Leiter der Arbeitsgruppe Elektronik, Werner Rümenap. „Die Jungen sind zwar sehr interessiert, aber oft sind es die Mädchen, die ihnen voraus sind.“

Keine Berührungsängste

Valerija Sumanovac ist in der Computer-Gruppe anzutreffen. Die Herstellung eines Würfels mit bunten Strass-Steinen, die in der Angebotspalette aufgelistet war, hat die 15-Jährige aber nicht hierhergeführt. Der CNC-Bereich (Computerized Numerical Control) war nur die zweite Wahl, eigentlich wollte Valerija zu den Schweißern. Ein Gips am Arm kam dazwischen. Aber auch hinter dem Computer fühlt sie sich wohl. Berührungsängste mit den Männerdomänen kennt sie nicht. Ob sie durch die Projekttage jetzt anders über die technischen und handwerklichen Berufe denkt. „Nö.“ Hat sie überhaupt jemals gedacht, dieser Bereich komme für sie nicht in Frage? „Nö.“

Julia Kassner (14) und Vivian gehören da wohl eher zur Ziel- und Sorgengruppe der Beauftragten für Chancengleichheit. Vivians Fazit nach den Projekttagen: Eine schöne Erfahrung, die Spaß macht. Aber sie und Julia haben schon andere Pläne. Vivian will „etwas mit Tieren“ machen, und Julia möchte gerne Kindergärtnerin oder Erzieherin werden.

Von Telse Wenzel