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Regional Niedrigzinsphase wird noch Jahre dauern
Nachrichten Wirtschaft Regional Niedrigzinsphase wird noch Jahre dauern
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15:27 29.09.2016
Von Britta Bielefeld
Markus Reif, geschäftsführender Gesellschafter der Roland Eller Asset Management GmbH. Quelle: R
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Göttingen

„Die Europäische Zentralbank will nicht, das gespart wird“, sagte der Betriebswirt und Finanzmathematiker. Wer Geld verdiene, solle es sofort wieder ausgeben. Das widerspreche den persönlichen Empfindungen vieler Deutschen, aber die Zentralbank sitze am längeren Hebel. Sie kaufe sichere Anleihen mit guten Renditen systematisch auf. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann Banken auf ihren Druck hin Negativzinsen auf Sparguthaben verlangen würden.

„Hinter dieser Politik steht eine klare Strategie“, betonte der Berater. Das billige Geld solle die Wirtschaft in Schwung halten. Die Zentralbank strebe eine Inflation von zwei, drei Prozent an. Durch die Geldentwertung verringerten sich über die Jahre die Schuldenberge, die die südeuropäischen Staaten aufgetürmt hätten. Dort sei ein Schuldenabbau über Kürzungen in den öffentlichen Haushalten politisch nicht durchsetzbar. Die Regierungen der nordeuropäischen Staaten wiederum könnten gegenüber ihren Bevölkerungen keinen Schuldenerlass „verkaufen“.

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„Auf die Inflation reagieren die Sparer nicht, da sich am nominellen Wert der Währung nichts ändert“, führte Reif aus. Die breite Masse scheine nichts von der „gigantischen Umverteilung“ zu merken, die derzeit von Nord- nach Südeuropa stattfinde. Die Sparer zahlten mit der Geldentwertung die Schulden der Südeuropäer.

Nach Meinung des Beraters macht es keinen Sinn, sich gegen die Politik der Zentralbank zu wehren. Es sei auch „dumm“, die Niedrigzinsphase einfach aussitzen zu wollen. Sie werde „noch Jahre“ anhalten. Sparer sollten investieren. Auf Nachfrage räumte er ein, dass auch die Preise für Immobilien und Aktien in den vergangenen Jahren „deutlich“ gestiegen seien. Weil sie sich aber noch nicht „verdoppelt oder verdreifacht“ hätten, ließe sich nicht von „überhitzten Märkten“ sprechen. Es gebe derzeit keine „Blasen“, die „platzen“ könnten.