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15:43 30.09.2019
Der Bundestagsabgeordnete Martin Schulz hält bei der Göttinger Gildenwahl die „Morgensprache“ zum Thema „Europa am Wendepunkt: Brexit, Nationalisierung - wie wir die offene Gesellschaft verteidigen und die Chancen des EU-Binnenmarktes nutzen“. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Einer alten Tradition folgend, haben sich am Montag Vertreter hiesiger Handwerksbetriebe zur Gildenwahl im Alten Rathaus getroffen. Gewählt wird bei dieser Zusammenkunft kein Gremium mehr; die Handwerksbetriebe sind seit langer Zeit in Innungen organisiert. Der Gildentag – alljährlich am ersten Montag nach Michaelis – wird heutzutage genutzt, um Wirtschaft und Politik miteinander ins Gespräch zu bringen. Nach einem Festgottesdienst in der Johanniskirche, die Superintendent Friedrich Selter zelebrierte, konnte der Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen, Christian Frölich, im Alten Rathaus neben Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) den Ehrengast der 522. Göttinger Gildenwahl begrüßen: den ehemaligen SPD-Vorsitzenden und einstigen Kanzlerkandidaten Martin Schulz (SPD).

Genehmigungsverfahren dauern zu lang

Frölich sprach in seinem Grußwort mehrere Themenbereiche an. Er begann mit den Genehmigungsbehörden, auf die er seine Kritik richtete. Genemigungsverfahren würden oft viel zu lange dauern. „Ich habe mir von Bauvorhaben berichten lassen, wo zum Richtfest endlich auch die Genehmigung vorlag“, sagte Frölich. Eine zeitnahe Bearbeitung von Bauanträgen sei dringend nötig – auch in Urlaubs- und Krankheitszeiten.

Die alte Tradition der Göttinger Gildenwahl ist jetzt zum 522. Mal ausgerichtet worden. Veranstaltungsort war das Alte Rathaus.

Ein weiteres Thema war die Ausbildung an Berufsschulen. Angesichts des Fachkräftemangels im Handwerk (es fehlt an Auszubildenden, Gesellen, Meistern, Betriebsnachfolgern) müssten junge Menschen gefunden werden, „die unsere Häuser nicht nur planen, sondern auch bauen wollen“. Seine Frage an die Politik: Warum dürfen Auszubildende, im Gegensatz zu Studenten, nicht bis zum 25. Lebensjahr über ihre Eltern kranken- und pflegeversichert sein?

Bevor Martin Schulz das Wort zur „Morgensprache“ ergreifen konnte, hatte der Oberbürgermeister Gelegenheit für ein Grußwort. Er wog ab: „Nicht jeder Antrag, der gestellt wird, ist ein Antrag. Manchmal fehlen Angaben oder sie werden nach und nach nachgereicht“, nahm er die Arbeit der Verwaltung in Schutz. Auch im Rathaus herrsche ein Mangel an Mitarbeitern. Köhler wies zudem darauf hin, dass einerseits das Handwerk jetzt nach Unterstützung bei der Ausbildung ruft, dass jedoch etliche Firmen über Jahre nicht ausgebildet hätten.

Der hohe Wert der Europäischen Union

Den Hinweis zur Kranken-und Pflegeversicherung nahm Schulz in seiner Rede dankend auf. „Das war mir so nicht bewusst.“ Mit flammenden Worten ging er fortfahrend auf den Wert der Europäischen Union ein. Die EU brauche dringend Reformen, sie sei kein perfektes Projekt, allerdings gebe es weltweit keine Staatengemeinschaft, die den Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes in die eigenen Statuten übernommen habe: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Hart ins Gericht ging Schulz mit der Politik des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Dessen Slogan „Amerika first“ bedeute, dass alles andere, auch Europa, hinten anstehe. China hingegen mache es vornehmer: „China kauft. Geräuschlos. China ist eine brutale Diktatur. Je mehr China kauft, umso mehr wird der europäische Binnenmarkt China gehören.“

Für Umgang mit Trump braucht es die EU

Was ortsnah, regional, national erledigt werden kann, sollte auch so erledigt werden. Aber nicht alles lasse sich auf diesen Ebenen bewältigen. Für den Umgang mit Trump, mit China, mit dem Abholzen des brasilianischen Regenwaldes bedürfe es der EU. Und wer soziale Standards nicht einhält und Menschenrechte mit Füßen tritt, dürfe nicht auf den europäischen Markt. „Global denken, lokal handeln.“ Diese Herangehensweise sei nötiger als je zuvor. Schulz nahm die deutsche Wirtschaft in die Pflicht: Gezielt dorthin zu gehen, wo weder soziale noch ökologische Standards eingehalten werden müssen, sei verantwortungslos.

Internet demokratisch kontrollieren

Auf die Politik wachse der Druck, auf immer komplexere Probleme immer simplere Antworten in immer kürzerer Zeit zu finden. Die Demokratie sei aber eine Gesellschaftsform, die Zeit brauche, um die besten Antworten zu finden, die sorgfältigsten Lösungen. Von diesen Umstand würden Trump, der britische Premierminister Boris Johnson und andere Populisten profitieren. Es sei das große Problem der Gegenwart, dass sich eine breite Masse über Infos auf Twitterebene orientiere. Ferner sei es auch nötig, das Internet demokratisch zu kontrollieren.

Schulz erhielt von den Vertretern des Handwerks zustimmenden Applaus. „Das war klasse“, sagte Frölich zur Rede des Sozialdemokraten. „Die großen Dinge müssen europäisch geregelt werden. Es ist viel zu wertvoll, was wir uns hier aufgebaut haben“, ergänzte er.

Von Ulrich Meinhard

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