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Regional Max Bahr ist zahlungsunfähig
Nachrichten Wirtschaft Regional Max Bahr ist zahlungsunfähig
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21:48 26.07.2013
Braucht nun selber Hilfe: Göttinger Max-Bahr-Markt in der Hannoverschen Straße 55a im Gewerbegebiet Lutteranger.
Braucht nun selber Hilfe: Göttinger Max-Bahr-Markt in der Hannoverschen Straße 55a im Gewerbegebiet Lutteranger. Quelle: Heller
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Der Grund: Der Baumarkt-Konzern habe beim Amtsgericht Hamburg Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

„Der Zaun hat 30 Euro gekostet“, berichtet Mittelstedt. Der Kunde hinter ihm in der Schlange habe sogar 1200 Euro im Voraus gezahlt und sei wieder fortgeschickt worden. Mittelstedt: „Es ging ziemlich turbulent zu.“ Die aufgebrachten Kunden mussten ihre Forderungen gegenüber dem Unternehmen in eine Liste eintragen, „ohne Datum und Unterschrift“, wundert sich Mittelstedt.

Ansonsten lief das Geschäft bei Max Bahr normal. Viele Regale allerdings waren bereits ziemlich leer. Die Belegschaft gab sich gelassen, wenn auch die Anspannung unübersehbar war. „Wir dürfen keine Auskunft geben“, sagte eine Angestellte, und auch Marktleiter Dierk Dietrich verwies auf die Konzern-Pressestelle. Deren Sprecherin Jessica Horn erklärte, der Betrieb würde fürs erste weitergehen. Gespräche mit den Lieferanten liefen, die Mitarbeiter erhielten Insolvenzgeld in voller Höhe ihrer bisherigen Bezüge.

Die Kunden reagierten überrascht. „Ich kann mir das nicht erklären“, wunderte sich Kauffrau Brigitte Hinze (48). Der  Markt sei immer gut besucht. Tischlermeister und Berufsschullehrer Horst Hospes (53) gab zu bedenken, dass „ordentlich Gewerbesteuer wegfallen und die Kaufkraft weiter sinken“ würde, sollte der Markt schließen. Martin Hansen (28), früher selbst bei einer Baumarktkette beschäftigt, dachte an die Angestellten:

„Max Bahr genießt als Arbeitgeber einen guten Ruf, weswegen es für die Mitarbeiter bitter wäre, sollten sie ihren Arbeitsplatz verlieren.“ Optimistisch zeigte sich Maschinenbau-Ingenieur Gerd Schuck (58): „Die Chancen, dass Max Bahr übernommen wird, stehen gut.“

Der Markt in Göttingen ist 7600 Quadratmeter groß und hat 80 Mitarbeiter. Insgesamt erzielte das Unternehmen 2012 mit 6800 Angestellte in 132 Märkten einen Umsatz von 700 Mio. Euro.

Von Hauke Rudolph und Michael Caspar