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19:00 04.07.2019
Die Meisterprämie wirkt: In den Meisterkursen in Niedersachsen steigen die Teilnehmerzahlen. Allein 54 Handwerker aus Göttingen haben diesen Zuschuss bislang in diesem Jahr beantragt. Quelle: dpa
Göttingen

Spürbar erhöht haben sich in allen Meisterkursen der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen die Teilnehmerzahlen. Ein wichtiger Grund ist die Einführung der Meisterprämie.

Eine Prämie von 4000 Euro erhalten Handwerker in Niedersachsen seit diesem Jahr bei bestandener Meisterprüfung. 190 Meister im Kammerbezirk haben das Geld in diesem Jahr bereits bei der N-Bank beantragt, davon 54 aus Göttingen, 76 aus Hildesheim, 15 aus Holzminden und 45 aus Northeim.

Kosten schrecken viele ab

„Viele Gesellen schrecken die Kosten von mehreren 1000 Euro für den Meisterkurs ab, die sie selbst aufbringen müssen“, berichtet Göttingens Kreishandwerksmeister Christian Frölich. Ungerecht empfänden das Handwerker. Studierenden müssten in Niedersachsen keine Studiengebühren zahlen. Mit der Einführung der Meisterprämie habe das Land nachgebessert.

Land soll Kurse finanzieren

„Unser Ziel bleibt weiterhin, dass das Land die gesamten Kosten für die Meisterkurse übernimmt“, betont Stefan Pietsch, der Pressesprecher der Handwerkskammer. Seit Jahren kämpfe das Handwerk um eine Gleichstellung. Einiges hätten sie in den vergangenen Jahren erreicht. So habe der Gesetzgeber den Meisterbrief mit dem Bachelorabschluss und den Betriebswirt im Handwerk mit dem Masterabschluss gleichgestellt.

Aufstiegs-Bafög

„Wie Studierende können auch angehende Meister Bafög beantragen“, berichtet Pietsch. Das sogenannte Aufstiegs-BAföG gebe es nicht nur für Qualifizierungen im Handwerk, sondern auch im kaufmännischen und industriellen Bereich. Beantragt werde es ebenfalls bei der N-Bank.

„Im Zuge der Angleichung hat der Gesetzgeber beschlossen, Gesellen sofort nach bestandener Prüfung zum Meisterkurs zuzulassen“, sagt Kreishandwerksmeister Frölich. Abiturienten dürften schließlich auch sofort nach der Schule studieren. Das mache auch Sinn, da die jungen Leute „im Lernen drin“ seien. Wer erst einmal ein paar Jahre gearbeitet habe, tue sich schwerer.

Fehlende Berufserfahrung

„Andererseits fehlt den jungen Meistern nun die Berufserfahrung“, gibt Frank Riemenschneider, der Obermeister der Elektro-Innung Südniedersachsen zu bedenken. Früher seien sie erst nach mehreren Gesellenjahren zur Meisterschule zugelassen worden. Theoretisches Wissen sei eine Sache, es auf der Baustelle umzusetzen eine andere. Das wüssten junge Meister, ergänzt Frölich. Die wenigsten wollten gleich zu Beginn die Verantwortung übernehmen, die mit einer Leitungsfunktion als Meister verbunden sei.

Betriebe suchen Nachfolger

„Die Menschenkenntnis und die Fähigkeit, andere zu führen, kommt erst mit den Jahren“, meint Joachim Friehe, der Obermeister der Bäcker-Innung Südniedersachsen. Er begrüßt die Meisterprämie. Sie sei ein Ansporn für junge Menschen, mache das Handwerk attraktiver und zeige die Karrierechancen auf. „In den kommenden Jahren suchen viele Handwerksmeister nach einem Nachfolger für ihren Betrieb“, betont Pietsch von der Handwerkskammer.

Fleischerhandwerk „am Boden“

Von der positiven Entwicklung würden nicht mehr alle Handwerksberufe profitieren, erklärt der Göttinger Fleischermeister Dirk Proffen. „Das Fleischerhandwerk liegt am Boden“, erklärt er. Sein Vater, der die Fleischerei Proffen 1969 gegründet habe, habe sich jahrelang um eine Trendwende bemüht. Es sei „sehr schwer“ geworden, junge Menschen für den Beruf zu begeistern.

„Meine Mitarbeiter in der Produktion sind alle mehr als 50 Jahre alt“, so der Fleischermeister. Er werde mit ihnen zusammen in Rente gehen. Viele andere Fleischereien in Göttingen hätten bereits aufgegeben. Der Fachkräftemangel treffe auch die Fleischindustrie, die ihre Beschäftigten mittlerweile aus Osteuropa hole.

Kosten eines Meisterkurses

Zahlen zu den Kosten einer Fortbildung zum Handwerksmeister präsentiert die Wirtschaftsförderung Region Göttingen. Sie geht von einem ledigen Gesellen ohne Kinder aus.

Bei einem Elektrotechnikermeister fallen bei der Meistervorbereitung Kosten von 10.240 Euro an. Nach Abzug des nicht zurückzuzahlenden Zuschusses beim Aufstiegs-Bafög (4.096 Euro) und der Meisterprämie (4000 Euro) verbleibt ein Restbetrag von 2144 Euro. Der nächste Kurs im Berufsbildungszentrum Hildesheim, Teile I und II in Vollzeit, läuft vom 11. November bis 20. Juni 2020.

Bei einem Fleischermeister fallen bei der Meistervorbereitung Kosten von 6160 Euro an. Nach Abzug des nicht zurückzuzahlenden Zuschusses beim Aufstiegs-Bafög (2464 Euro) und der Meisterprämie verbleibt ein Restbetrag von 304 Euro. Der nächste Kurs im BBZ Hildesheim, Teile I und II in Vollzeit, läuft vom 16. September bis 26. November 2019.

Bei einem Maurer- und Betonbauermeister fallen bei der Meistervorbereitung Kosten von 9020 Euro an. Nach Abzug des nicht zurückzuzahlenden Zuschusses beim Aufstiegs-Bafög (3608 Euro) und der Meisterprämie verbleibt ein Restbetrag von 1412 Euro. Der nächste Kurs im BBZ Hildesheim, Teile I und II in Vollzeit, läuft vom 21. Oktober bis 8. Mai 2020.

Bei einem Friseurmeister fallen bei der Meistervorbereitung Kosten von 6770 Euro an. Nach Abzug des nicht zurückzuzahlenden Zuschusses beim Aufstiegs-Bafög (2708 Euro) und der Meisterprämie verbleibt ein Restbetrag von 62 Euro. Der nächste Kurs im BBZ Hildesheim, Teile I und II in Vollzeit, läuft vom 19. August bis 15. November 2019. mic

Von Michael Caspar

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